Musik & Bühne

Take 5 vom 30.1.2012 - Klassik

Franz Liszt: Hunnenschlacht, Hungaria, Mazeppa

Cover der CD Franz Liszt: Hunnenschlacht, Hungaria, Mazeppa
Label: New Classical Adventure (Best-Nr.: NCA 60250)

Orchester Wiener Akademie
Leitung: Martin Haselböck

Das Label NCA setzt seine beeindruckende Franz-Liszt-Edition mit dem Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck fort. Die Experten für ältere Musik gehen mit der großen Romantik respektvoll, aber auch innovativ um. Selten hat man Liszt so entschlackt, so durchsichtig und auf musikalische Struktur und harmonische Entwicklung bedacht gehört und dabei so zugespitzt, so federnd und prägnant pointiert. Viel hängt auch mit dem historischen Instrumentarium zusammen. Es befreit Liszt von der Üppigkeit moderner Orchesterapparate, entwuchert ihn gleichsam und schärft dadurch das Ohr für die unglaubliche Vielseitigkeit und das oft überdeckte Filigrane dieser Musik. Das bekommt dem Feingeist Liszt viel besser, als die oft zelebrierte Wagnersche Opulenz. Ein schöne Edition, die würdig fortgesetzt wird.


Antonio Vivaldi, John Cage: "8 Seasons"

Cover der CD Antonio Vivaldi, John Cage: "8 Seasons"
Label: Etcetera (Best-Nr.: KTC 1429)

Baroque Orchestra B'Rock
Leitung: Rodolfo Richter

Ein sehr gekonnter Vivaldi, der sich nicht hinter den bekannten wichtigen Aufnahmen verstecken muss. Doch das allein macht nicht den Reiz dieses Doppelalbums aus, das bei Etcetera erscheinen ist. Es ist auch die eigentümliche CD-Kombination mit dem Streichquartett in vier Teilen von John Cage. Diese Gegenüberstellung offenbart in erstaunlicher Weise eine Wesensverwandtschaft dieser Musiken.

Cages Werk, dessen Teile jeweils einem Vivaldi-Konzert gegenübergestellt werden, greifen geradezu die Stimmung der barocken Concertos auf und führen diese in eigener Ton- und Formensprache fort. Ein Experiment, zugegeben, aber eines, das verblüffend gut gelingt. Man hat die Wahl, entweder die Vivaldi-Concerti mit jeweils einem Cage-Satz kombiniert oder beide Werke getrennt voneinander auf der zweiten CD.


"Une Douceur violente"

Cover der CD "Une Douceur violente"
Label: Ramee (Best-Nr.: RAM 1104)

Französische Lautenmusik
Anthony Bailes, Laute

Laute solo, solche CDs werden selten besprochen, denn die "Laute" ist ja eigentlich eher eine "Leise". Kein großer, satter Klang, sondern fein und zum Hinhören. Athony Bailes ist ein Meister darin, dieses besondere Instrument zum Klingen zu bringen.

Auf seinem neuen Album hat er sich französische Lautenmusik des 17. Jh. vorgenommen. Musik aus einer Zeit, in der mit der Lautenisten-Dynastie der Gallots oder dem Großmeister und Lautenlehrer Charles Mouton Europas damals führende Lautenspieler den Ton angaben. Bailes gelingt es, diese hoch kunstvolle, oft latent mehrstimmige Musik wunderbar unangestrengt und voller Raffinesse vorzutragen. Er spielt ohne künstliche Übertreibungen, aber auch ohne die filigrane Kunst der barocken Ornamentik außer Acht zu lassen. Ein Album für eher stille Stunden, das sich aber sehr lohnt.


"El Porteño"

Cover der CD: Ensemble Libertango: "El Porteño"
Label: Laika Records (Best-Nr.: 3510286.2)

Ensemble Libertango

"El Porteño", das bezeichnet im Spanischen den Bewohner einer kleineren Hafenstadt. In den Hafenkneipen von Buenos Aires entstand durch die Vermischung der Kulturen von Einwanderern und Einheimischen eine ganz besondere Musikrichtung aus Tango und Milonga.

"El Porteño" haben dann auch ganz folgerichtig der Akkordeonist Thomas Kampe und sein Ensemble Libertango ihr Album genannt. Es bietet 18 Titel, von denen jeder das Potential dieser aufwühlenden und glutvollen Musik voll auslebt. Musik von Astor Piazolla, dem "Godfather of Tango", aber auch von Emilio Balgarce, Rosita Melo und anderen Größen des Genres. Wunderbar unbekümmert und zupackend musiziert, dazu mit viel Seele, die diese Musik braucht. Nicht umsonst hat das Ensemble schon einige der wichtigsten Tango-Preise bekommen. Nicht nur für Freunde südamerikanischer Musik ein Genuss.


Heinrich Schütz: Zwölf geistliche Gesänge

Cover der CD "Heinrich Schütz: Zwölf geistliche Gesänge"
Label: Carus (Best-Nr.: 83.239)

Dresdner Kammerchor
Leitung: Hans-Christoph Rademann

Man versteht die Aufregung in Stuttgart bei der Bachakademie nicht. Da schimpft Hellmuth Rilling, der vielgeehrte, dass er bei der Wahl seines Nachfolgers übergangen worden wäre. Dabei sollte der Altmeister glücklich sein, eine bessere Wahl als Hans Christoph Rademann hätte man kaum treffen können. Der Dresdner Kammerchor unter seiner Leitung ist ein stetiger Garant höchster Qualität und bezeugt mit jeder Aufnahme aufs Neue ein tiefes Verständnis der Musik von Schütz bis zur Neuzeit.

Bestes Beispiel ist das große und bislang wunderbar gelungene Schütz-Projekt, von dem jetzt die dritte CD vorliegt. Die zwölf geistlichen Gesänge Schütz' werden einmal mehr getragen von dem famosen homogenen Klang dieses Chores, von seiner hochreinen Intonation und seiner musikalischen Disziplin, mit der jedes auch noch so kleine Detail erarbeitet wird. Angesichts des Referenzcharakters dieser Aufnahmen sollte man hier unbedingt reinhören. Übrigens eine Produktion von FIGARO mit dem Carus-Verlag.

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2012, 16:04 Uhr

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