Musik & Bühne

Georg Gebel (1709 bis 1753): Weihnachtsoratorium von 1748

Mit Monika Mauch, Kai Wessel, Nico van der Meel, Peter Kooij, dem Ensemble Cantus Thuringia & Capella Thuringia unter der Leitung von Bernhard Klapprott
Label: CPO
Bestellnummer: 8472124

Georg Gebel (der Jüngere) stammte aus Schlesien und wirkte als Organist an der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Breslau. Mit 26 Jahren wurde er in die Dresdner Privatkapelle des Grafen Heinrich von Brühl aufgenommen, die vom späteren Thomaskantor Johann Gottlob Harrer geleitet wurde. Für die Musikwelt am nachhaltigsten dürfte Gebels Position in der thüringischen Residenzstadt Rudolstadt gewesen sein: 1746 ernannte man ihn hier zum "Concert-Meister", ab 1750 durfte er den Titel "Capell-Meister" führen.

Die Produktivität, die Georg Gebel hier entfachte, war immens und "ohne die Gewähr von Gediegenheit", wie Musikwissenschaftler Peter Gülke sagte, nicht denkbar. Neben den nahezu komplett erhaltenen Kirchenkantaten-Jahrgängen von 1748 und 1751 sowie zwei Passionsmusiken sollen zwölf Opern, mehr als 100 Sinfonien und Partiten sowie weitere Cembalokonzerte seiner Feder entstammen. Vieles ging verloren, weil ihm "meistentheils die Partitur zugleich mit abgefordert, aber nicht wieder zurückgegeben ward, weil ein jeder, der sich etwas von ihm hatte aufsetzen lassen, solches als was sehr schönes für sich allein auf hob", so Gebels Zeitgenosse und Musiktheoretiker Friedrich Wilhelm Marpurg.

Gebels Weihnachtsoratorium (1748) entfaltet seinen besonderen Charme durch kontrastreiche Chöre, eloquente Rezitative, eindringliche Arien und erhabene Choräle sowie insgesamt einer farbigen Instrumentation.


Gottfried August Homilius (1714 bis 1785): Weihnachtsoratorium "Die Freude der Hirten über die Geburt Jesu"

Mit Christiane Kohl, Annette Markert, Markus Ullmann, Tobias Berndt, dem Sächsischen Vocalensemble und dem Virtuosi Saxoniae unter der Leitung: Ludwig Güttler
Label: CARUS
Bestellnummer: 83235

Vom Dresdner Kreuzkantor Gottfried August Homilius, dessen Hauptwirkungsort ab 1760 die Dresdner Frauenkirche war, nachdem die Kreuzkirche durch preußische Truppen zerstört und ihr Neubau erst 1792 geweiht wurde, stellen wir sein Weihnachtsoratorium aus dem Jahr 1777 vor. Auch Homilius komponierte mehr als zehn Passionen, je ein Weihnachts- und ein Osteroratorium, über 60 Motetten, 180 Kantaten, vier Magnificate. Bis ins 19. Jahrhundert hinein erfreuten sich seine Werke größter Beliebtheit und unterstrichen seinen Ruf, "ohne Widerrede unser größter Kirchencomponist" zu sein, wie Ernst Ludwig Gerber in seinem Komponisten-Lexikon von 1790 schrieb.

In seinem Weihnachtsoratorium entwirft Homilius ein einzigartiges Stimmungsgemälde der Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Hirten. Der differenzierte Einsatz eines großen, festlichen Orchesterapparats sowie von Chor und Solisten bestimmt den abwechslungsreichen und äußerst vielseitigen Charakter dieser lang vergessenen Weihnachtsmusik.


Johann Heinrich Rolle (1716 bis 1785): Weihnachtsoratorium

Mit Dorothee Mields, Gundula Anders, Britta Schwarz, Wilfried Jochens, Dirk Schmidt, dem Kammerchor Michaelstein und dem Telemann-Kammerorchester Michaelstein unter der Leitung von Ludger Remy
Label: CPO
Bestellnummer: 7988743

Johann Heinrich Rolle gilt als "feuriger und gedankenreicher Komponist, der sich durch seine Werke für die Kirche rühmlichst bekanntgemacht hat", so beschrieb ihn der englische Musikgelehrte und Zeitgenosse Charles Burney in seinen Reisebeschreibungen. Geboren in Quedlinburg, wirkte Rolle mehr als 30 Jahre als "Director musices" und Kantor am Altstädtischen Gymnasium Magdeburg. Auch erfreute er sich zu Lebzeiten großer Beliebtheit und gewann unter anderem als Begründer der ersten öffentliche Konzertreihe in Magdeburg an Bedeutung.

Anzeigen der Magdeburger Zeitung zufolge erklang sein Weihnachtsoratorium im Dezember 1769 und 1771 denn auch innerhalb der "Rolleschen Konzertreihe". Ob es auch Eingang in die reguläre Kirchenmusik fand, konnte bislang nicht geklärt werde.

Der Text, dessen Dichter unbekannt ist, schildert nicht wie üblich die Ereignisse auf dem Feld bei Bethlehem, sondern widmet sich religiösen Betrachtungen. "Sanfte, edle Melodien, natürliche Modulation und eine durchaus reine Harmonie, aber auch seine musterhaften Chöre lassen jeden Zuhörer [seiner Musik] zu den religiösesten Empfindungen hinreißen", so schreibt das Brockhaus-Conversations-Lexikon von 1809.


Jakub Jan Ryba (1765 bis 1815): "Česká mše vánoční" - Böhmische Hirtenmesse

Mit Gabriela Eibenová, Magdalena Kožená , Jaroslav Březina, Michael Pospíšil und der Capella Regia Musicalis unter der Leitung von Robert Hugo
Label: Deutsche Grammophon
Bestellnummer: 4778365

Ins an Mitteldeutschland angrenzende Tschechien führt uns das nächste Werk: "Ceska mse Vánocní"- die Böhmische Hirtenmesse des Mozart-Zeitgenossen Jan Jakub Ryba gilt seit über zweihundert Jahren als die Weihnachtsmusik der Tschechen. In beinah jeder Kirchgemeinde kommt dieses Werk am Heiligen Abend zur Aufführung. Die Messe wird von Laien gestaltet und zum Teil in halbszenischer Form oder auch als Marionettentheater aufgeführt. Wichtig sei, sagt die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kozena, die die Hirtenmesse oft gesungen hat, dass man mit Spaß an die Sache herangehe, dass man die Messe schlicht und ohne Vibrato singe, fast wie ein Volkslied.

Obwohl die fünf Sätze die traditionellen lateinischen Satzbezeichnungen Kyrie, Gloria, Credo, Benedictus und Agnus Dei tragen, handelt sich hier nicht um eine Messe im strengeren Sinn. Vielmehr wird - über pastorale Zwischenspiele vermittelt - in einer Folge vokalinstrumentaler Szenen die Geschichte böhmischer Hirten erzählt, die den Erlöser als Kind in einer Krippe in Bethlehem sehen sollen - oder vielleicht doch in einem entlegenen böhmischen Dorf?


Johann Schelle (1648 bis 1701): "Actus musicus auf Wey-nachten"

Mit Wilfried Jochens, Mona Spaegele sowie der Schütz-Akademie unter der Leitung von Howard Arman
Label: CAPRICCIO
Bestellnummer: 10508

Mit dem "Actus musicus auf Wey-nachten" von Johann Schelle stellen wir die am frühesten entstandene Weihnachtsmusik unserer Auswahl vor. Johann Schelle erhielt seine musikalische  Ausbildung als Diskantist der Sächsischen Hofkapelle unter Heinrich Schütz und war Sänger im Thomanerchor an der Leipziger Thomasschule. Als Nachfolger von Sebastian Knüpfer und Vorgänger von Johann Kuhnah, dem wiederum Johann Sebastian Bach folgte, übernahm er ab 1677 das Amt des Thomaskantors und "Director chori musici" der Stadt Leipzig.

Sein "Actus musicus auf Wey-nachten" aus dem Jahr 1683 ist eine Festmusik in der Art der geistlichen Konzerte, wie sie im 17. Jahrhundert stark verbreitet gewesen sind. Das Werk basiert auf der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas. Jeder der drei Teile wird mit einer instrumentalen Sonata eingeleitet. Besonders reizvoll: Die verschiedenen Strophen des Chorals "Vom Himmel hoch, da komm ich her" unterbrechen und gliedern diesen "Actus musicus".


Heinrich Schütz (1585 bis 1672): Weihnachtshistorie SWV 435

Mit Barbara Christina Steude, Gesine Adler, David Erler, Wolfram Lattke, Michael Schaffrath, Ingolf Seidel, Johannes G. Schmidt, Cornelius Uhle sowie der Cappella Sagittariana Dresden unter der Leitung von Norbert Schuster

Konzertaufnahme von MDR FIGARO aus der Schlosskapelle Dresden, Dezember 2008

Die "Historia der freuden- und Gnadenreichen Geburth Gottes und Marien Sohnes, Jesu Christi" (1660/64) des Dresdner Kirchenmusikers und Hofkapellmeisters Heinrich Schütz gehört zu den schönsten Schöpfungen lutherischer Weihnachtsmusik. Als roter Faden dient die lebhafte Erzählung des Evangelisten, die von Interludien in Form von höchst kunstvoll und abwechslungsreich besetzten Vokalkonzerten umrahmt wird. Die Partien des Engels und König Herodes sind solistisch besetzt, die drei Weisen und die Hirten agieren im Terzett, die Hohenpriester und Schriftgelehrten jeweils im Duett.

Musikalisch werden höchste Anforderungen an die Interpreten gestellt. Für die Aufführung in einer der Kantoreien des Landes war die Weihnachtshistorie ohnehin nicht gedacht. Vielmehr ging es Heinrich Schütz darum, die musikalische Leistungsfähigkeit der kurfürstlichen Hofkapelle in Dresden repräsentativ unter Beweis zu stellen. So ließ er das Notenmaterial auch nicht komplett drucken - in Dresden oder bei Thomaskantor Sebastian Knüpfer in Leipzig konnte es gegen Gebühr angefragt werden.


Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767): "Die Hirten an der Krippe zu Bethlehem" TWV 1: 797 aus dem Jahr 1759

Mit Constanze Backes, Mechthild Georg, Andreas Post, Klaus Mertens sowie dem Kammerchor & Telemann-Kammerorchester Michaelstein unter der Leitung von Ludger Remy
Label: CPO
Bestellnummer: 7626311

Wie Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, so verfügt auch die Weihnachtsmusik des in Magdeburg geborenen und ab 1721 bis zu seinem Tod in Hamburg wirkenden Georg Philipp Telemann über festliche Trompetenklänge und anheimelnde Weihnachtschoräle. Inspiriert hat ihn dazu ein Text in der Stimmung und mit den hoffenden Gedanken der Hirten auf dem Felde von Karl Wilhelm Ramler, den Telemann geringfügig verändert und um Choräle ergänzt hat, um das Werk gemäß seinen Verpflichtungen als Kantor und "Director musices" der hamburgischen Hauptkirchen in den Gottesdienst einbinden zu können. Auch die Zweiteiligkeit des Werkes deutet darauf hin, dass die Musik bei ihren ersten Aufführungen vor und nach der Predigt erklungen sein kann.

Ludger Remy lobt das Werk: "Den großen Alterswerken hört man das Lebensalter des Komponisten nicht an. Mit ätherischem Engelsgeschwirr und drastischer Dudelsackmusik malt er das Geschehen zur Weihnacht, ohne jemals zur Plattüde zu greifen: Er bleibt feinsinnig und edel-galant im besten Wortsinne. Telemann zeigt eine Jugend und Neuheit, zu der manch jüngerer Zeitgenosse den Mut nicht aufbringt und die sich im Alter mit Weisheit und kindlichem Glauben verbinden, vor allem aber: mit Charme."

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2012, 23:05 Uhr

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