Spezial | MDR FIGARO | 01.12.2012 | Zum Nachhören : Otto, Martin und wer noch?
In einer Diskussionsrunde am 29. November 2012 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg fragte MDR FIGARO, welche historischen Figuren und Ereignisse für Sachsen-Anhalt wichtig sind. Über Geschichte, Identität und Museumspolitik diskutieren dabei Prof. Matthias Puhle vom Kultusministerium, Prof. Konrad Breitenborn vom Landesheimatbund und Dr. Stefan Rhein von den Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalts. Moderator war MDR FIGARO-Geschichtsredakteur Stefan Nölke.
Sachsen-Anhalt begeht in diesem Jahr den 1.100. Geburtstag von Kaiser Otto I. (23.11.912-07.05 973) mit einer großen Landesausstellung im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg über "Otto den Großen und das Römische Reich" und einigen Korrespondenzausstellungen zu Otto I. und seiner Zeit in Quedlinburg, Memleben, Merseburg, Halberstadt und Wallhausen. Gleichzeitig ist dies bereits die dritte große Ausstellung im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg zu Otto dem Großen unter der Ägide von Prof. Matthias Puhle, der allerdings seit September vom Museum ins Kultusministerium gewechselt ist.
Prof. Puhle hat maßgeblichen Anteil daran, dass Sachsen-Anhalt bzw. Magdeburg eine der wichtigsten Adressen für Mittelalterliche Ausstellungen in Deutschland, wenn nicht gar in Europa geworden ist. Nachdem aber nun drei Ausstellungen zu Otto dem Großen (2001, 2006 und 2012) gelaufen sind: Was ist die Bilanz und was könnte im Anschluss kommen?
Trumpfkarte Mittelalter
Tatsächlich setzt das Land Sachsen-Anhalt schon seit zwei Jahrzehnten gezielt auf das Mittelalter. Ein großer Erfolg seit ihrer Gründung 1993 ist zweifellos die Tourismusroute "Straße der Romanik", die zehntausende Geschichts- und Kulturintressierte ins Land gezogen hat. Daran will die Saale/Unstrut-Region um Naumburg und Freyburg anknüpfen und hofft, als mittelalterliche Modellregion ins Weltkulturerbe aufgenommen zu werden.
Ist das aber nicht alles ein bisschen zu viel des guten: In welchem Maß soll das Mittelalter weiter kulturtouristisch und geschichtspolitisch in Sachsen-Anhalt im Vordergrund stehen? Wie viel Mittelalter muss/soll künftig in Museen und Ausstellungen thematisiert werden?
Reformationsjubiläum 2017
Zugleich sind wir schon im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 mitten in der Lutherdekade, die maßgeblich von Dr. Stefan Rhein von den Luther-Gedenkstätten Sachsen-Anhalts gestaltet wird. Wie bedeutsam ist Martin Luther für das weitgehend atheistische Land und was erwartet uns an wichtigen Ausstellungsprojekten?
Nach der Bekanntheit Luthers und der Reformation hat kürzlich auch der Politikwissenschaftlers Prof. Everhard Holtmann die Sachsen-Anhalter gefragt, nämlich ob ihnen der Tag von Luthers Thesenanschlag, der 31.10.1517 geläufig ist. Heraus kam, dass ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger im Land mit dem Datum etwas anzufangen weiß. Ist das viel, ist das wenig für ein Bundesland, das als die Wiege der Reformation gelten darf?
Fazit zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt
Wie steht es überhaupt mit regionalen historischen Traditionen in Sachsen-Anhalt - mit dem anhaltischen Erbe etwa? Was ist der Ertrag des diesjährigen, großangelegten Jubiläumsprojektes "800 Jahre Anhalt"? Auskunft dazu kann Prof. Konrad Breitenborn geben, einer der Herausgeber und Autoren der großen bebilderten Chronik "Anhalt 800", erschienen im Verlag Stekovics. Wie wichtig sind solche historischen Figuren wie Albrecht der Bär, der Alte Dessauer oder Fürst Franz, der Schöpfer des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs?
Aktuelle Geschichte
Und wo bleibt eigentlich geschichts- und museumspolitisch die Zeitgeschichte, wo wir doch im kommenden Jahr den 60. Jahrestag des 17. Juni begehen? Wäre es nicht - im Hinblick auf die politische Bildung der Bürgerinnen und Bürger - sinnvoller, wesentlich mehr an Informationen und Ausstellungen zu zeitgeschichtlichen Themen anzubieten? Peinlich aber wahr: Viele Stadtmuseen klammern nach wie vor die schwierigen historischen Kapitel, das heißt die NS-Geschichte und die DDR-Geschichte aus.
Kurzum, es geht in der MDR FIGARO-Diskussion darum, welche geschichtlichen Ereignisse und Figuren für Sachsen-Anhalt und seine Bürgerinnen und Bürger von Bedeutung sind und welche Themen drei prominente Historiker und Kulturmanager des Bundeslandes in den kommenden Jahren als "museumsreif" erachten und in größeren Ausstellungen präsentiert sehen wollen.
Sendungsinformationen
Otto, Martin und wer noch?
Spezial
Aufzeichnung:
29.11.2012 | 19:00 Uhr
Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums Magdeburg
Sendung:
01.12.2012 | 22:00 Uhr
MDR FIGARO
Welche geschichtlichen Figuren und Ereignisse sind für Sachsen-Anhalt wichtig?
Über Geschichte, Identität und Museumspolitik diskutieren:
- Prof. Matthias Puhle vom Kultusministerium
- Prof. Konrad Breitenborn vom Landesheimatbund
- Dr. Stefan Rhein von den Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalts
Moderation: MDR-FIGARO-Geschichtsredakteur Stefan Nölke.
Eine Veranstaltung von MDR-FIGARO und dem Kulturhistorischen Museums Magdeburg zum Abschluss der Ausstellung "Kaiser Otto der Große und das Römische Reich".
