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Schwerpunktthema | MDR FIGARO | 28.01.-03.02.2013 : Machtergreifung 1933 - Wie braun war Mitteldeutschland?

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 in Berlin zum Reichskanzler ernannt wurde, waren die Nazis längst auch in Mitteldeutschland zur stärksten Partei gewoden. Anderseits galten Städte wie Leipzig, Chemnitz oder Halle als Zentren der Arbeiterbewegung. Wie braun waren damals Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? MDR FIGARO geht dieser Frage in einer vierteiligen Serie und einem halbstündigen Feature nach.

Nazi-Fackelzug in Berlin durch Brandenburger Tor am 30. Januar 1933.

"Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!", sagte der Maler Max Liebermann, als er am Abend des 30. Januar 1933 die SA-Kolonnen durch das Brandenburger Tor marschieren sah. 170 Kilometer südlich, auf dem Hallmarkt in Halle an der Saale demonstrierte zur selben Stunde ein letztes Aufgebot an Widersachern gegen Hitlers Ernennung zum Reichskanzler. Aus der einstmals roten Industrie- und Universitätsstadt war längst eine Hochburg der Nazis geworden. Feierlaune herrschte an diesem 30. Januar 1933 vor allem bei den Halleschen Studenten.

Studenten als "Motor der Machtergreifung"

Der neue Reichskanzler Adolf Hitler (l) und Reichspräsident Paul von Hindenburg während der Eröffnungssitzung des neuen Parlaments in der Potsdamer Garnisonkirche am 21. März 1933.
Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Auf seiner Spurensuche nach den fanatischsten Nazi-Anhängern in der Endphase der Weimarer Republik ist MDR FIGARO-Autor Siegfried Stadler auf die Gruppe der angehenden Akademiker "als Motor der Machtergreifung" gestoßen, um die es im ersten Teil der Serie über die Machtergreifung in Mitteldeutschland geht. Eigentlich in der Mehrzahl brave Bürgerkinder, Söhne von Lehrern oder Pfarrern, lebten die Studenten damals ihre rebellische Jugend bei SA-Aktionen in und außerhalb der Uni aus. Die mehrheitlich nationalkonservativen Professoren, die dem Treiben der rechtsextremistischen Studenten zuvor mit einer Mischung aus Wohlwollen und Unverständnis zugeschaut hatten, sahen sich nach dem 30. Januar massiv unter Druck gesetzt. Nur so ist zu verstehen, dass bald darauf das Gewäsch eines gefürchteten NS-Studentenführers über die "Germanische Eiche" als Doktorarbeit durchkam.

Die Hitler-Eiche in Berlstedt

Die Eiche spielt auch in einem zweiten Beitrag der Serie eine Rolle. Denn nach der Machtergreifung pflanzten Parteimitglieder vielerorts sogenannte "Hitler-Eichen", wie etwa auch im thüringischen Berlstedt. Wobei der Marktplatz der Ortschaft rasch zum Platz der SA umfunktioniert wurde. Und rund um ein "Freudenfeuer" formierte sich in Reih und Glied die "neue Dorfgemeinschaft", wie der braune Ortschronist von Berlstedt freudig vermeldete.

Vergebliche Gegenwehr im roten Chemnitz

Nach dem Blick in ein thüringische Dorf lenkt der Autor Siegfried Stadler die Aufmerksamkeit auf die sächsische Arbeitermetropole Chemnitz, wo Kommunisten und Sozialdemokraten zwar auch noch nach der Machtübergabe an die NSDAP, das heißt bei der Reichstagswahl im März '33, eine Mehrheit gegen die Nazis zustande brachten, aber keine Chance mehr hatten, politisch etwas auszurichten.

KZ für Nazigegner in Sachsenburg

Ab Ende Januar wurden prominente Nazi-Gegner in so genannten "wilden Konzentrationslagern" gefangen gehalten, wo sie als "Schutzhäftlinge" für ihre Unterbringung und Verpflegung sogar noch zahlen mussten. Eines dieser frühen politischen Gefängnisse war das Lager Sachsenburg beim sächsischen Frankenberg. Wer waren die Aufseher und wer die Insassen? Dieser Frage widmet sich Teil vier der MDR FIGARO-Serie.

Kontrolle über Sachsen

Gesteuert wurde der Terror gegen die Nazi-Gegner von der sächsischen Landeshauptstadt Dresden aus, wo zwischen den beiden Nazi-Größen, dem Gauleiter Martin Mutschmann und dem SA-Führer Manfred von Killinger, ein heftiger Machtkampf entbrannte. Aber anders als in den Ländern Anhalt und Thüringen konnten die Nazis erst nach der Reichstagwahl im März 1933 die volle Kontrolle über Sachsen gewinnen. Angesicht der Gegenwehr auch liberaler Kräfte in Dresden könnte man auf Sachsen bezogen vielleicht eher von einem Staatsstreich als von einer Machtübernahme sprechen. Wie der im Einzelnen vonstatten ging, beleuchtet das Feature von Hartmut Ellrich über die "Dunkle Stunde der Demokratie in Dresden".

Essay | MDR FIGARO | 03.02.2013 |Zum Nachhören und Herunterladen: Dunkle Stunde der Demokratie in Dresden

Dresden war 1945 eine "Stadt der Opfer". Doch die sächsische Landeshauptstadt war auch eine Hochburg der NSDAP, mit Martin Mutschmann an der Spitze. Ein Essay von Hartmut Ellrich bei MDR FIGARO. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2013, 10:22 Uhr

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