Pflanzen von A bis Z
Hortensien: Blaue Schönheiten
(07.07.2009 | Wiederholung | Erstausstrahlung am 17.06.2008)
Die ersten Kulturformen der Garten-Hortensie, Hydrangea macrophylla, wurden Ende des 18. Jahrhunderts aus Asien nach Europa eingeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen dann Züchter, mehrere asiatische Arten zu kreuzen. Die Hortensie "Sir Joseph Banks" ist ein Nachkömmling der vermutlich ältesten Hortensie Europas. Ein sächsischer Hofgärtner brachte sie einst nach seinen Wanderjahren mit nach Dresden. Über 300 Hortensienarten sind allein in den botanischen Sammlungen der Technischen Universität in Pirna Zuschendorf zu sehen. Dazu zählen Wald-Hortensien, Garten-Hortensien und Rispen-Hortensien. Um 1920 gab es die ersten sächsischen Züchtungserfolge und damit begann in Deutschland die Tradition der Hortensienzüchtung.
Gerade bei den Garten-Hortensien gilt: mehr Schein als Sein. Die Blütenstände sind nämlich winzig, dafür beeindrucken die ballförmigen Scheinblüten umso mehr. Von Juni und Juli bis August, September blüht die Garten-Hortensie und die Gesägte Hortensie, Hydrangea serrata, rot, rosa, violett, blau oder weiß. Auffällig sind außerdem die großen ovalen Blätter an deren Enden sich kleine Zähnchen befinden. Faszinierend sind vor allem die Blautöne, vielleicht gerade deshalb, weil es eigentlich gar keine blauen Hortensien gibt. Doch schon kurz nach der Einführung der Hortensien in Europa finden sich in der Literatur erste Berichte über rot blühende Hortensien, die plötzlich blaue Blüten hervorbrachten.
Schon 1818 vermerkte der mecklenburgische Pfarrer Wredow in seinem in Berlin erschienenen "Gartenfreund", dass man durch Verwendung von Eisenocker in der Pflanzerde die schön rosafarbenen Blüten in prachtvoll himmelblaue verwandeln könne. Andere Quellen beschreiben das "menschliche Versagen" eines arglosen Gärtnergesellen, der versehentlich einen Teil der Jungpflanzen in aluminiumoxid- und eisenoxidhaltige Erde gepflanzt hatte. Schnell fanden Wissenschaftler heraus, dass dieser Farbumschlag durch freie Aluminium-Ionen hervorgerufen wird. Was zunächst als Fehler angesehen wurde, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als echter Glücksfall: Die Blaublütigen wurden beim Gartenvolk äußerst beliebt! Heute topfen die Hortensienzüchter in der Gärtnerei Ullmann in Radebeul ihre Hortensien in ganz normale Erde. Dann mixen sie einen aluminiumsulfathaltigen Alaun-Trank. Darin werden die rosa Pflänzchen gebadet. So erhalten sie ein strahlend blaues Sommerkleid.
Eins ist heute jedenfalls klar: Weiße Hortensien blühen weiß. Nur rote und rosafarbene Hortensiensorten eignen sich für die Blaufärbung, denn sie enthalten den Farbstoff Delphinidin. Nur bei einem pH-Wert des Bodens von 4 bis 4,5 kann die Hortensie das Aluminiumoxid aufnehmen. Torfgaben und Regenwasser sorgen für einen niedrigen pH-Wert. Die Erde muss ausreichend mit Aluminiumoxid versorgt sein. Im gärtnerischen Fachhandel erhalten Sie dafür speziellen Hortensiendünger.
Hortensien selbst färben
Blaue Hortensien entfärben sich nach ein bis zwei Jahren, je nach ph-Wert des Bodens. Sie können sie jedoch nachfärben oder rosafarbene Hortensien in blau umfärben. Doch nicht jede rosafarbene Hortensie können Sie blau färben, dafür eignen sich nur spezielle Sorten, nach denen Sie sich in einem Fachgeschäft erkundigen sollten. Die Hortensie wird durch das Absenken des ph-Wertes blau und das können Sie selbst regulieren, indem Sie Aluminiumsulfat dem Gießwasser beimischen und die Pflanzen damit während der Treibphase im Frühjahr fünf bis sechs Mal gießen, je nach Ausgangs-ph-Wert des Bodens. Prüfen Sie also vor der Prozedur den ph-Wert des Bodens, denn er darf nicht unter 4 absinken, das heißt zu sauer werden, sonst werden die Wurzeln geschädigt.
Zur Bodenanalyse entnehmen Sie Erde, dort wo Sie die Hortensie gepflanzt haben oder pflanzen möchten und füllen Sie in ein Behältnis. Eins zu eins fügen Sie destilliertes Wasser hinzu. Dann nehmen Sie eine Kaffeefiltertüte und lassen das Wasser einströmen. In diesem Wasser messen Sie mit einem Indikatorenplättchen, dass Sie im Gartenfachhandel oder in der Apotheke erhalten, den ph-Wert des Wassers. Wenn er im basischen Bereich liegt, dann fügen Sie Aluminiumsulfat hinzu, so dass er sauer wird. Zwischen 4 und 4,5 ist der optimale ph-Wert erreicht, damit die Hortensie sich blau färbt. Mit dem Gießwasser, dem das Aluminiumsulfat beigefügt wurde, gießen Sie also solange Ihre Hortensie bis dieser ph-Wert erreicht ist.
Garten-Hortensien verschneiden
Bei den Hortensien sollten Sie regelmäßig die alten Triebe entfernen, damit sie jedes Jahr kräftig blühen. Im Winter belassen Sie am besten die trockenen Fruchtstände an der Pflanze, denn so werden die darunter liegenden Knospen vor dem Frost geschützt. Schneiden Sie erst im Frühjahr die Fruchtstände mit etwa einem Drittel der Triebe knapp oberhalb gut ausgebildeter Knospen zurück. Dünne sowie sich kreuzende Triebe entfernen Sie ebenso.
Gesprächsgast:
Ilona Ullmann führt in Radebeul eine gleichnamige Hortensiengärtnerei und sie ist Hortensienexpertin. Sie züchtet eine Vielzahl an weißen, roten, rosafarbenen und vor allem blauen Hortensien. Für Pflanzenliebhaber, die eine ganz robuste Hortensie bevorzugen, empfiehlt Ilona Ullmann die rot blühende Ballhortensie "Schöne Bautzenerin". Sie kommt, wie der Name schon sagt, aus Sachsen. Im Frühjahr treibt sie erst spät aus und ist deshalb nicht so frostanfällig.
Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der Sendung MDR Garten mit dem angegebenen Ausstrahlungstermin wieder. Eventuelle spätere Änderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2009, 12:02 Uhr






