Verschiedene blühende Pflanzen in einem naturnah gestalteten Garten
Im mehr als 8.000 Quadratmeter großen Garten von Torsten Matschiess in Alst am Niederrhein wachsen und gedeihen zahlreiche Stauden. Bildrechte: Torsten Matschiess/Verlag E. Ulmer

Gartenpraxis "Avant-Gardening": Pflegeleicht und naturnah gärtnern

Wer sich einen naturnahen, harmonischen Garten schaffen möchte, muss kein Experte für Gartenbau sein. Das Wissen um Pflanzen und ihre Bedürfnisse ist jedoch eine wichtige Voraussetzung. Der Autodidakt Torsten Matschiess hat dies unter Beweis gestellt und ein Buch über den Garten Alst am Niederrhein veröffentlicht, den er mit seiner Lebensgefährtin entworfen hat.

Verschiedene blühende Pflanzen in einem naturnah gestalteten Garten
Im mehr als 8.000 Quadratmeter großen Garten von Torsten Matschiess in Alst am Niederrhein wachsen und gedeihen zahlreiche Stauden. Bildrechte: Torsten Matschiess/Verlag E. Ulmer

Auf einer Fläche von mehr als 8.000 Quadratmeterm ist in der Nähe von Brüggen ein Garten entstanden, der sich in die Landschaft einfügt, aber trotzdem gestaltete Natur ist. In seinem Werk macht Matschiess Lust darauf, beim Gärtnern bekannte Pfade zu verlassen und Neues zu wagen. Einige Anregungen für gegenwärtiges Gärtnern haben wir daraus abgeleitet.

Die schönsten Gärten lassen den Besucher vergessen, dass sie gestaltet wurden.

Torsten Matschiess "Avantgardening. Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern"

Pflanzen und fördern Sie die Stauden, die sich für Ihren Garten eignen.

Der Tipp klingt nach einer Binsenweisheit des Gärtnerns. Trotzdem wird er immer wieder ignoriert. Jede Pflanze stellt bestimmte Ansprüche an ihre Umwelt, das heißt an den Boden, die Lichtverhältnisse, das Klima und den Raum, der ihr zur Verfügung steht. Je nach Art kann sie Abweichungen von diesem Wohlfühl-Bereich ertragen - in einem gewissen Maße. Manche Pflanzen sind sehr tolerant, andere extrem empfindlich. Informieren Sie sich daher so gut wie möglich über die Bedingungen in Ihrem Garten, bevor Sie sich für bestimmte Pflanzen entscheiden. So vermeiden Sie Fehlkäufe und Enttäuschungen.

Vereinbaren Sie Ihre Wünsche mit den Bedingungen in Ihrem Garten.

Eine Beet-Einfassung aus Buchshecken, obwohl beim Nachbarn der Buchsbaumzünsler zugeschlagen hat? Rhododendron, der saure Erde liebt, inmitten von Kalkstein-Schotter? Präriepflanzen auf schwerem, undurchlässigem Boden? Manchmal wollen Gartenbesitzer das, was nahezu unmöglich ist. Lösen Sie sich von allzu starren Vorstellungen, wenn Sie sich einen pflegeleichten Garten wünschen.

Das Buch mit dem Titel Avant Gardening steht neben drei Fotografien von Gärten im Gras
Das Buch "Avantgardening" von Torsten Matschiess gibt Denkanstöße für neue Wege beim Gärtnern. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Selbst mit einer lästigen Pflanze wie Giersch lässt es sich leben: Pflanzen Sie schnell wachsende, große und konkurrenzstarke Stauden, die den Giersch zurückdrängen. Sie können zum Beispiel Kerzenknöterich, Weidenblättrige Sonnenblume, Wiesenraute oder Chinaschilf dazu nutzen. Sie überwuchern den Giersch, dem die Rolle eines unscheinbaren Bodendeckers zukommt. Lediglich im ersten Jahr nach der Pflanzung brauchen die Stauden noch Unterstützung. Haben sich die Pflanzen einmal angesiedelt, können Sie sich die chemische Bekämpfung des Giersches oder einen mit viel Aufwand verbundenen Austausch des Bodens sparen.

Lassen Sie sich auf die Natur ein.

In jedem - auch noch so kaputten - Boden finden sich Samen. Diese natürlich wachsenden Pflanzen geben Hinweise darauf, wie der Boden an dieser Stelle beschaffen ist. Lernen Sie, den "Spontanbewuchs" zu verstehen. Denn die Standortbedingungen lassen sich besser bestimmen, wenn die natürliche Vegetation erst einmal zugelassen wird. Wer im ersten Jahr nach dem Hausbau zum Beispiel kein Geld investieren will, kann seinen Garten einfach nur beobachten. Welche Kräuter und Gehölze sprießen, wenn sie nicht herausgerissen werden? Welche Blüten zeigen sich? Wachsen Wildstauden, die Sie stehen lassen möchten?

Unter diesen Wildkräutern befinden sich […] immer einige Schätze, die nicht gehoben werden. Fingerhüte, Rittersporne, Primeln, Witwenblumen, Mohne oder Veilchen. Pflanzen, die sich oder ihr Erbgut bereits an den Standort gewöhnt haben und dort optimal gedeihen.

Torsten Matschiess "Avantgardening. Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern"

Verstecken Sie sich nicht hinter hohen Mauern.

Ein Garten ist kein Gefängnishof, der von hohen Mauern umgeben sein muss. Sichtschutz lässt sich auch mit gestaffelt gepflanzten Stauden, Gehölzen und hohen Ziergräsern erreichen. Torsten Matschiess kombiniert zum Beispiel Felsenbirne, Kerzenknöterich, Chinaschilf (Miscanthus sinensis 'Yakushima Dwarf') und Riesenfedergras (Stipa gigantea). Auch hoher Purpur-Wasserdost, Stockrosen und Fenchel eignen sich dafür, den Blick auf bestimmte Bereiche des Gartens zu verstellen.

Lieblingspflanze Knöterich Die Familie der Knöteriche hat keinen guten Ruf - überwiegend zu Unrecht. Vor allem ein Vertreter, der Japanische Staudenknöterich, hat europaweit zu diesem negativen Bild beigetragen: Er breitet sich massiv aus und verdrängt in Deutschland vielerorts die heimische Flora.

Doch in der Familie gibt es pflegeleichte, attraktive Knöteriche, die den Garten bereichern. Sie stellen auch keine vergleichbare Bedrohung für die heimische Pflanzenwelt dar. Ein Beispiel ist der Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis): Er blüht in herrlichen, warmen Violett- und Purpurtönen. Der hohe, cremeweiß blühende Juniknöterich 'Johanniswolke' (Aconogonon) setzt im Garten ebenfalls eindrucksvolle Akzente.

Beide Knöteriche brauchen vor oder nach dem Winter keinen Rückschnitt. Nur wenn sie im Sommer durch Hagel- oder Sturmschäden aus der Form geraten sind, können die Stauden geschnitten werden. Auch wenn sie Wege überwachsen, kann die Gartenschere angesetzt werden.

Holen Sie Hummeln und andere Insekten in Ihren Garten.

In einem naturnah gestalteten Garten sind nicht nur Pflanzen zu Hause. Auch Insekten können Sie fördern, indem Sie sich für Stauden entscheiden, die den kleinen Tieren Nahrung liefern. Im Frühsommer können Sie auf Kugeldisteln setzen. Ein weiteres Beispiel ist die Hummelschaukel, eine luftig wirkende Salbei-Art (Salvia uliginosa). Die himmelblau blühende Pflanze legt im August los und zeigt ihre Pracht bis in den Herbst hinein. Wenn sie im ersten Jahr Raum bekommt, sich zu entfalten, besiedelt sie große Flächen. Daher sollten nur fünf Pflanzen pro Quadratmeter gesetzt werden. Die Hummelschaukel bevorzugt frische bis feuchte Standorten in der vollen Sonne. Anhaltende Feuchtigkeit im Winter verträgt sie nicht.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 03.09.2017 | ab 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2017, 08:30 Uhr