Blick in eine aus Holz, Bambus und Kunststoff gefertigte Trocken-Trenntoilette mit aufgeklapptem Klodeckel, die auf Rasen steht
Das Einstiegsmodell von Karsten Holzapfels Trenntoilette ist aus Holz, Kunststoff und Bambus angefertigt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Gartenpraxis | Toiletten im Garten Fünf Fragen an den Erfinder der Trocken-Trenntoilette

Nach jedem Toilettengang spülen wir mit Unmengen Wasser ab. Warum eigentlich, hat sich der Tüftler Karsten Holzapfel aus Weimar gefragt. Er hat eine Trenntoilette entwickelt, die keinen Wasseranschluss benötigt und ohne Chemie auskommt. Die Erfindung eignet sich zum Beispiel für Kleingärten und Wochenendhäuser.

Blick in eine aus Holz, Bambus und Kunststoff gefertigte Trocken-Trenntoilette mit aufgeklapptem Klodeckel, die auf Rasen steht
Das Einstiegsmodell von Karsten Holzapfels Trenntoilette ist aus Holz, Kunststoff und Bambus angefertigt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Wie sind Sie darauf gekommen, eine wasserlose Trenntoilette zu entwickeln?

Ich komme aus der Wasserwirtschaft, aus der Abwassertechnik. Irgendwann habe ich mich gefragt, was mit dem Abwasser wäre, wenn der Anteil aus den Toiletten fehlte.

Der Erfinder der wasserlosen Trocken-Trenntoilette, Karsten Holzapfel aus Weimar, hockt neben einem Keramik-Modell seiner Toilette im egapark Erfurt
Karsten Holzapfel hat sich Alternativen zur Toilette mit Wasserspülung überlegt. Seine Erfindung eignet sich auch für Kleingärten. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Überspitzt gesagt: Die ganze Abwasserbehandlung ist nur deswegen notwendig, weil Fäkalien hineingeraten, das heißt Kot und Urin. Diese Stoffe machen nur einen Anteil von 1,2 Prozent am gesamten Abwasser aus. Aber sie bringen die ganzen Schadstoffe mit, zum Beispiel Fäkalkeime und Arzneimittelreste. Das heißt, wenn man die Fäkalien aus dem Abwasser heraushalten könnte, wäre das Problem um verschmutztes Wasser grundsätzlich gelöst.

Und dann kommt noch dazu: Bei der Benutzung von Wassertoiletten spülen wir das, was wir ausscheiden, mit 95 Prozent Wasser weg. Dabei gibt es gar keine Notwendigkeit, die Ausscheidungen so stark zu verdünnen. Je geringer der Wasseranteil ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es, die ausgeschiedenen Stoffe zu nutzen. Das sind nämlich Wertstoffe. Bei Wassertoiletten geht das leider gar nicht.

Wenn Sie schon von Wertstoffen sprechen: Wie lassen die sich überhaupt nutzen?

Urin kann man im Privatbereich als Volldünger verwenden, wenn man es denn darf und möchte. Da spart man sich den anderen Dünger. Industriell kann man aus Urin beispielsweise Wasserstoff, Stickstoff, Phosphor oder Kalium gewinnen. Daran wird auf der ganzen Welt geforscht. Urin ist fast der wertvollere Stoff. Bei den Feststoffen bietet sich unter anderem die Kompostierung oder Nutzung in einer Biogasanlage an.

Für wen eignet sich aus Ihrer Sicht eine Trocken-Trenntoilette?

Hier in Deutschland vor allem für Gartenlauben, Wochenend- und Ferienhäuser. Wir sprechen gerne von Freizeitbebauung. Auch bei öffentlichen Toiletten ist der Bedarf riesig, zuletzt haben wir zum Beispiel eine Trocken-Trenntoilette am Wanderparkplatz Hohe Sonne bei Eisenach gebaut.

Wie funktioniert die Entsorgung, wenn die Sammelbehälter einer Trenntoilette voll sind?

Ein weißer Eimer aus Kunststoff mit Holzhäckseln darin
Das "Feste" wird nach dem Toilettengang einfach mit Sägespänen oder Holzhäckseln bedeckt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

In vielen Gartenanlagen gibt es Sammelgruben für Abwasser. Um solch eine Grube zu entleeren, kommen regelmäßig Saugfahrzeuge in die Anlage. Auch bei Trenntoiletten funktioniert der Abtransport der Stoffe so. Die Saugfahrzeuge fahren durch die Kleingartenanlage, doch statt einer großen Grube werden die Sammelfässer der Trenntoiletten geleert. Das ist der derzeit gängige, machbare und akzeptierte Entsorgungs- und dann auch Nutzungsweg. Die weitere Behandlung erfolgt über Kläranlagen. Dieses Prinzip ist auch günstiger: Wenn Sie in die Erfurter Kläranlage ein 60-Liter-Fass voller Feststoffe bringen, zahlen Sie für die Entsorgung zwölf Cent. Die Entsorgung von 500 Liter Urin kostet ungefähr zehn Euro. Für zehn Euro und zwölf Cent haben Sie also die gesamte Jahresmenge für eine Person entsorgt.

Wie werden Trenntoiletten sauber gehalten, wenn kein Spülwasser durchläuft?

Gereinigt werden sie ganz einfach mit einer Toilettenbürste, die nass aufgestellt ist.

Wir sind Toiletten mit Wasserspülung gewohnt. Stoßen Sie deshalb mit Ihrer Entwicklung auf Vorbehalte?

Ja, es gibt Akzeptanzprobleme. Ich habe schon erlebt, dass Vorschulkinder den Toilettendeckel geöffnet und dann gerufen haben: Iiih, ein Plumpsklo. Eine Trockentoilette wird erst einmal mit Gestank und Fliegen assoziiert. Dann kommt noch dazu, dass die Toilettenbenutzung bei uns ein riesiges Tabuthema ist. Doch so langsam rückt die Problematik stärker in die Mitte der Gesellschaft, zum Beispiel durch medizinische Bücher über den Darm.

Blick in eine wasserlose Trocken-Trenntoilette aus Keramik ohne Klobrille, die auf Rasen steht
Die Trocken-Trenntoilette von Karsten Holzapfel erinnert erst einmal an ein Plumpsklo. Doch unangenehmer Geruch kann sich nicht entwickeln, weil ein Lüfter eingebaut wird, der ständig Luft von oben in die Toilette saugt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Dann gibt es eben noch den Irrglauben, dass eine Wassertoilette hygienischer wäre. Doch das ist weit daneben. Bei einer eleganteren Form unserer Trenntoilette werden die Feststoffe nicht mit in der Toilette, sondern darunter gelagert. Wenn man von vornherein so baut, hat man mit beiden Stoffen nichts zu tun: Man sieht sie nicht, riecht sie nicht und muss auch nicht mit ihnen umgehen. Man hat außerdem den Vorteil gegenüber einer Wassertoilette, dass keine Aerosole, die mit Fäkalien belastet sind, entstehen und die Luft verunreinigen können. Und die Trenntoilette ist durch den Lüfter absolut geruchsfrei. Was man von einer Wassertoilette ja nun nicht behaupten kann.

Die Trocken-Trenntoilette Wer keine Toilette im Kleingarten hat, kommt manchmal in Bedrängnis. Wie lässt sich das Problem lösen, ohne ein Chemie-Klo zu verwenden? Eine Trenntoilette stellt eine mögliche Lösung dar. Festes und Flüssiges wird darin getrennt voneinander aufgefangen und gesammelt. Ein Lüfter sorgt dafür, dass keine unangenehmen Gerüche entstehen. Der kleine Ventilator saugt Luft von oben an. Betrieben wird er mit einem Solarmodul oder einer Autobatterie, falls kein Stromanschluss vorhanden ist. Das stille Örtchen kann sowohl von Frauen als auch von Männern genutzt werden, sofern die Herren sich beim Toilettengang hinsetzen. Bei der Holz-Variante werden Feststoffe in einem Eimer mit Holzhäckseln aufgefangen. Urin landet in einem Kanister. Beides wird von einem Entsorgungsbetrieb abgeholt, wenn die Sammelbehälter voll sind.

Über dieses Thema berichtet das MDR FERNSEHEN: MDR Garten | 13.08.2017 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 08:30 Uhr