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Kalenderblatt | MDR INFO

13. Januar 1959: DDR im Lipsi-Fieber

Sendung am 13. Januar 2006

von Frank Düsekow

Lipsi - so hieß die Antwort der DDR auf den amerikanischen Rock'n'Roll. Die Melodie im 6/4 -Takt schuf der Komponist Dubianski, die Choreographie stammte vom Leipziger Tanzlehrerehepaar Seifert. Heute vor 47 Jahren wurde der Lipsi auf der Kulturkonferenz in Lauchhammer erstmals den Funktionären präsentiert. Tanzlehrer Gert Jörgens erläutert: "Er war ein Aufbau mit sechs Schritten. Begann also wie die Rock'n'Roll-Tänze oder heute Jive oder Ragtime. Nicht mit Rück, Vor, Platz, Platz. Sondern Seittep, Seittep, Schritt schließen."

Gert Jörgens hat in den 60er Jahren auch den Lipsi unterrichtet. Damals sah er viele Modetänze kommen und gehen. Wie auch diesen. Denn wider dem damaligen Lebensgefühl bedeutete Lipsi - auseinander tanzen verboten.

Gert Jörgens: "Die Jugend damals wollte in erster Linie Diskotänze. Sie wollte sich frei bewegen, das war der Zeitgeist damals. Da hat sich Twist und Rock'n'Roll, die haben sich da angeboten."

Gerade Twist und Rock´n´Roll aber lehnte die SED-Führung kategorisch ab. Diese Tänze standen für Unmoral und westliche Dekadenz. Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Walter Ulbricht, fand dafür klare Worte: "Mit der Monotonie des yeah, yeah, yeah und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen."

So wurde die gesamte Propaganda-Maschinerie in Gang gesetzt, um das Lipsi-Fieber zu entfachen. Kulturministerium und FDJ, Rundfunk und Plattenverlage arbeiteten Hand in Hand. Der Lipsi wurde mit Preisen überschüttet und sogar zum Patent angemeldet. Doch auf den Tanzdielen des Landes wollte der Funke einfach nicht überspringen. Und heute sind es fast nur noch Tanzlehrer aus der Generation von Gert Jörgens, die sich an den Lipsi-Schritt erinnern können:"„1, 2, 3, 4, 5, 6 mit drehen und allem möglichen. Choreographisch war das nicht schlecht. Aber musikalisch war es nichts."

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2006, 17:33 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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