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MDR INFO Kalenderblatt

1. März 1954: Wasserstoffbombe auf Bikini-Atoll

Sendung am 1. März 2006

von Jan Bösche

Mit einer bisher nicht da gewesenen Explosion wurde heute vor 52 Jahren ein Südsee-Paradies schwer verstrahlt: Am 1. März 1954 zündeten die Amerikaner auf dem Bikini-Atoll die Wasserstoffbombe "Bravo".

Ein Reporter schildert: "Jetzt flammt hinter dem Horizont ein Licht von 500 Sonnen auf. Ein Feuerball und eine Säule von Feuer schießen mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit in den Himmel. Blendend weiß zuerst, dann gelb und orange und rot, marengo und tief violett. Die berühmte Pilzform entsteht, in allen Farben des Prismas. Seewasser, Sand und Korallentrümmer werden mit unfassbarer Geschwindigkeit in die Explosion hineingerissen."

Eine solche Bombe war bis dahin noch nicht gezündet worden. "Bravo" allein war sechsmal so verheerend wie alle Munition des Zweiten Weltkrieges zusammengenommen. Aus der Insel, auf der die Bombe detonierte, wurde ein tiefer Krater. Der Wind trug die radioaktive Wolke über die benachbarten Inseln - zu den völlig unvorbereiteten Bewohnern. Einer erzählt: "Ich und einige Cousinen gingen in unser Dorf, um junge Kokosnüsse zu holen. Wir aßen einige Nüsse und tranken ihre Milch. In jener Nacht juckte es uns überall, manche übergaben sich, vor allem die Kinder. Ich weiß nicht warum, vielleicht, weil sie das Wasser aus der Zisterne getrunken hatten."

Mehrere hundert Menschen waren betroffen - erst Tage nach der Explosion brachte die US-Navy die Bewohner zu einem anderen Atoll. Bei ihnen häuften sich die Krebserkrankungen, viele Frauen erlitten Fehlgeburten. Aber auch Amerikaner, die den Atomtest beobachteten, gehörten zu den Opfern - so wie Antony Goriskow, der sich später bei der Vereinigung der Atomopfer engagierte. Goriskow: "Ich habe jetzt eine genetische Beschädigung meiner Wirbelsäure, die Knochen wachsen zusammen. Die Nerven und Muskeln sind angegriffen, sie degenerieren langsam. Meine Blase, meine Nieren und meine Prostata sind auch beschädigt, ich habe auch eine angegriffene Lunge."

Die Explosion der "Bravo" war die schwerste, aber nicht der einzige Atomtest der Amerikaner auf den Atollen im Pazifik. Bis 1958 gab es fast 70 Tests. Die Folgen reichen bis heute. Die USA zahlen Schmerzensgeld und Wiederaufbauhilfe. Wann die Bewohner auf das Bikini-Atoll zurückkehren können, ist aber unklar.

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2006, 15:10 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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