MDR INFO | Exklusiv
Clinton: "Mauerfall hat zu einer besseren Welt geführt"
Für US-Außenministerin Hillary Clinton hat der Fall der Mauer das Tor zu einer besseren Welt geöffnet. Clinton sagte in einem Exklusivinterview bei MDR INFO am Montag, der Frieden in Europa, auch der soziale Frieden, sei beispielhaft.
Länder, die im letzten Jahrhundert gegeneinander zwei Kriege geführt hätten, arbeiteten nun zusammen. Zuvor sei es eine bipolare Welt gewesen: "Der Kalte Krieg ist rückblickend so überschaubar. Da waren die Sowjetunion und der Westen, die sich hier in Berlin und andernorts feindselig gegenüber standen. Dieses Grundgefühl der Unsicherheit und Rivalität gibt es nicht mehr." Heute sei die Welt diffuser, nicht mehr Staaten handelten, die Gefahrenlage habe sich verändert. "Die Gefahr von nuklearer Auslöschung ist nicht mehr so groß wie damals. Aber wir müssen die Verbeitung von Atomwaffen verhindern, damit das nicht wieder kommt."
Hillary Clinton: "Wir waren Kinder des Kalten Krieges"
Clinton sagte, sie erinnere sich noch genau, wann sie vom Fall der Berliner Mauer gehört habe. Sie habe damals mit ihrer Tochter und ihrem Mann in Arkansas gelebt, wo er Gouverneur gewesen sei. Das erscheine ihr alles sehr lange her: "Fernseher waren klein, richtige Kästen und keine Flachbildschirme an der Wand. Und wir waren gefesselt davon, weil Bill und ich uns immer für internationale Beziehungen interessiert haben. Und wir waren Kinder des Kalten Krieges: Wir hatte die Geschichte der Berliner Luftbrücke verfolgt, Präsident Kennedys Berlin-Besuch und all das Geschehen rund um den Mauerbau. Das war also ein ganz besonderer Moment und Tom Brokaw, die TV-Reporter-Legende, berichtete aus Berlin und sagte: 'Jetzt ist der Krieg endgültig vorbei, die Mauer ist gefallen.' Ein außergewöhnlicher Moment: Wir haben am Fernsehschirm geklebt."
Würde Ostdeutschland ein eigenständiger Staat bleiben?
Clinton räumte ein, sie habe damals nicht gewusst, was der Mauerfall bedeuten würde. Da müsse sie ehrlich sein: "Ich dachte, es bedeutet den Zusammenbruch der Sowjetunion. Aber würde es Gegenmaßnahmen geben? Würde Ostdeutschland ein eigenständiger Staat bleiben? Das konnte ich nicht wissen. Aber dieser Freiheitsdrang! Und die Leute, die jungen Leute, die die Mauer mit Meißeln, mit Hämmern und bloßen Händen eingerissen haben. Das sagte so viel über das Bedürfnis der Menschen, frei zu sein und eigene Entscheidungen treffen zu können."
Clevere politische Führung in Deutschland
Sie sei sehr angetan gewesen von der cleveren politischen Führung in Deutschland. "Als Bill dann Präsident wurde, lernte ich Bundeskanzler Helmut Kohl kennen. Wir haben oft über sein Engagement für die deutsche Einheit gesprochen. Aber ich konnte mir immer noch kein wiedervereintes Deutschland in einem geeinten Europa vorstellen. Und andere osteuropäische Länder als EU- oder NATO-Mitglieder. Es ist bemerkenswert, was in so kurzer Zeit passiert ist."
"Nicht genug erreicht in Afghanistan"
Die US-Außenministerin hofft, dass sich Deutschland einer neuen Afghanistan-Strategie ihrer Regierung nicht verschließen wird. Clinton sagte MDR INFO, Präsident Obama habe einen schwierigen Meinungsbildungsprozess angestoßen. Die US-Regierung glaube, dass in den vergangenen acht Jahren unter der Bush-Regierung nicht genug erreicht worden sei. "Gleichzeitig glauben wir aber, dass wir verhindern müssen, dass Afghanistan wieder eine Zuflucht für Terroristen wird, die von dort aus Deutschland, Amerika oder andere Freunde rund um die Welt angreifen." Wie man das erreiche, untersuche man gerade. "Wir hoffen, Deutschland wird dabei sein, denn es ist in unser aller Sicherheitsinteresse."
Clinton hofft auf deutsche Unterstützung
Clinton meinte, primär gehe es hier nicht um den wirtschaftlichen oder sozialen Fortschritt Afghanistans. "Den hätten wir natürlich auch gerne, aber dafür haben wir keine amerikanischen Truppen dahin geschickt." Die seien da wegen der Bedrohung, die von dort ausgehe. Entlang der Grenze zu Pakistan würden ständig Anschläge geplant. "Sie suchen nur eine Gelegenheit, Deutschen, Amerikanern, Briten oder Franzosen Schaden zuzufügen. Daher hoffe ich, dass, was auch immer Präsident Obama entscheiden wird, so überzeugend sein wird, dass wir gemeinsam weitermachen werden." Letztlich müssten das aber natürlich die deutsche Regierung und die Menschen in Deutschland entscheiden. "Das respektiere ich."
Clinton verwies darauf, dass Deutschland schon einen Beitrag in Afghanistan geleistet habe. "Deutschland hat nicht nur Truppen geschickt - und Verluste und Opfer bei diesen Truppen hinnehmen müssen. Deutschland hat auch zivile und finanzielle Unterstützung geleistet. Unsere große Aufgabe ist, die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu beschleunigen. Deutschland hat dafür die Erfahrung und die Expertise. Es gibt also eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Deutschland mitmachen kann."
Zuletzt aktualisiert: 10. November 2009, 13:40 Uhr


