MDR INFO | Digital | 06.12.2011 : Die Geldbörse von morgen im Handy von heute
Ganz früher hat man mit Gewürzen oder Edelsteinen bezahlt. Später kamen Münzen. Heute zahlen wir meist mit EC- oder Kreditkarte. Die Geldbörse von morgen soll das Bezahlen mit dem internetfähigen Handy sein. Near Field Communication, oder kurz NFC, heißt dabei das Zauberwort.
Kennen Sie das: Gehetzt an der Supermarktkasse, voller Einkaufswagen und Sie kramen nach Münzen oder EC-Karte herum? Das könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn vielleicht nutzen wir bald unsere Handys zum Bezahlen - dank eines so genannten NFC-Chips über "Nahbereichskommunikation". Und zwar zwischen einem Chip im oder am Smartphone und einem Bezahlgerät:
Abbuchen lassen oder per Rechnung
Sehr sicher deshalb, weil NFC nur auf wenige Zentimeter Distanz funktioniert. Man muss zum Bezahlen das Handy sehr nah an das Lesegerät halten. Kriminelles und drahtloses Abbuchen aus der Ferne soll es damit nicht geben. Wie die Technologie im Alltag aussehen könnte, beschreibt der NFC-Experte Reeh am Beispiel Zug- oder Busfahren. "Ich steige ein, halte mein Handy an einen Touchpoint und habe dann eine digitale Fahrkarte. Diese kann der Schaffner auf meinem Telefon abfragen. Genauso logge ich mich am Zielbahnhof wieder aus. Eine andere Möglichkeit ist, dass ich mein Telefon beim Einsteigen an einen NFC-Reader halte und die Rechnung nachher per Post nach Hause kommt. Das Ticketing könnte auch beim Carsharing funktionieren, wenn ich per Chip das Mietfahrzeug öffne."
Von Kinokarte bis Parkschein
Und diese Reihe ließe sich fortsetzen. Eintrittskarten kaufen, indem man das Handy an ein Kino-Plakat hält, Schranken im Parkhaus öffnen oder Parkschein lösen. Und ganz nebenbei quasi die Kreditkarte ablösen. So wird man auf dem NFC-Chip mehrere virtuellle Kredit- und EC-Karten einrichten können. So lassen sich auch mehrere Konten mit nur einem Handy verwalten. Rein praktisch würde das alles ganz ähnlich funktionieren wie die Kartenlesegeräte heute: Handy ans Gerät halten, eventuell eine PIN eingeben, und gut.
Neukauf oder Sticker
Nun stellt sich die Frage: Wie bekomme ich diese schöne neue Bezahlwelt? Marc-Oliver Reeh mit zwei überraschend einfachen Wegen:
Günstige Materialkosten, leicht nachrüstbar - noch aber hat NFC ein Henne-Ei-Problem. Man kann nirgends mit NFC bezahlen, also schafft sich auch niemand ein NFC-Gerät an. Und andersherum.
Google und Apple interessiert
Doch die Branche bringt Bewegung ins Spiel: Google hat ein NFC-Bezahlsystem vorgestellt. Auch Apple arbeitet daran, die großen Mobilfunkanbieter ebenso. Und nicht zuletzt sehen Kreditkartenfirmen hier einen riesigen neuen Markt entstehen. Denn mit jeder NFC-Abbuchung könnte eine kleine Gebühr fällig werden. Experten jedenfalls rechnen damit, dass Mitte des Jahres 2012 die Geräte kommen, und zwei bis drei Jahre später das Geschäft mit NFC rollt.

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