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MDR INFO | Digital | 06.12.2011 : Die Geldbörse von morgen im Handy von heute

Ganz früher hat man mit Gewürzen oder Edelsteinen bezahlt. Später kamen Münzen. Heute zahlen wir meist mit EC- oder Kreditkarte. Die Geldbörse von morgen soll das Bezahlen mit dem internetfähigen Handy sein. Near Field Communication, oder kurz NFC, heißt dabei das Zauberwort.

von Marcus Engert

Kennen Sie das: Gehetzt an der Supermarktkasse, voller Einkaufswagen und Sie kramen nach Münzen oder EC-Karte herum? Das könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn vielleicht nutzen wir bald unsere Handys zum Bezahlen - dank eines so genannten NFC-Chips über "Nahbereichskommunikation". Und zwar zwischen einem Chip im oder am Smartphone und einem Bezahlgerät:

"Es gibt verschiedene Themen, für die NFC prädestiniert ist. Ein Thema ist ganz klar der Bereich mobiles Bezahlen. Eben weil Near Field Communication im Vergleich zu anderen Funktechnologien als sehr sicher anzusehen ist."

Marc-Oliver Reeh vom Center for Near Field Communication Management der Leibniz-Uni Hannover

Abbuchen lassen oder per Rechnung

Sehr sicher deshalb, weil NFC nur auf wenige Zentimeter Distanz funktioniert. Man muss zum Bezahlen das Handy sehr nah an das Lesegerät halten. Kriminelles und drahtloses Abbuchen aus der Ferne soll es damit nicht geben. Wie die Technologie im Alltag aussehen könnte, beschreibt der NFC-Experte Reeh am Beispiel Zug- oder Busfahren. "Ich steige ein, halte mein Handy an einen Touchpoint und habe dann eine digitale Fahrkarte. Diese kann der Schaffner auf meinem Telefon abfragen. Genauso logge ich mich am Zielbahnhof wieder aus. Eine andere Möglichkeit ist, dass ich mein Telefon beim Einsteigen an einen NFC-Reader halte und die Rechnung nachher per Post nach Hause kommt. Das Ticketing könnte auch beim Carsharing funktionieren, wenn ich per Chip das Mietfahrzeug öffne."

Von Kinokarte bis Parkschein

Und diese Reihe ließe sich fortsetzen. Eintrittskarten kaufen, indem man das Handy an ein Kino-Plakat hält, Schranken im Parkhaus öffnen oder Parkschein lösen. Und ganz nebenbei quasi die Kreditkarte ablösen. So wird man auf dem NFC-Chip mehrere virtuellle Kredit- und EC-Karten einrichten können. So lassen sich auch mehrere Konten mit nur einem Handy verwalten. Rein praktisch würde das alles ganz ähnlich funktionieren wie die Kartenlesegeräte heute: Handy ans Gerät halten, eventuell eine PIN eingeben, und gut.

Neukauf oder Sticker

Nun stellt sich die Frage: Wie bekomme ich diese schöne neue Bezahlwelt? Marc-Oliver Reeh mit zwei überraschend einfachen Wegen:

"Eine Sache wäre, sich ein Telefon zu kaufen, das einen NFC-Chip enthält. Eine andere Möglichkeit ist die "Sticker"-Lösung. Dabei klebe ich einen NFC-Chip einfach auf mein Telefon. Das geht außen, aber auch innen. Und dieser Chip kommuniziert dann mit meinem Mobiltelefon und vor allem auch mit der Gegenstelle."

Marc-Oliver Reeh vom Center for Near Field Communication Management der Leibniz-Uni Hannover

Günstige Materialkosten, leicht nachrüstbar - noch aber hat NFC ein Henne-Ei-Problem. Man kann nirgends mit NFC bezahlen, also schafft sich auch niemand ein NFC-Gerät an. Und andersherum.

Google und Apple interessiert

Doch die Branche bringt Bewegung ins Spiel: Google hat ein NFC-Bezahlsystem vorgestellt. Auch Apple arbeitet daran, die großen Mobilfunkanbieter ebenso. Und nicht zuletzt sehen Kreditkartenfirmen hier einen riesigen neuen Markt entstehen. Denn mit jeder NFC-Abbuchung könnte eine kleine Gebühr fällig werden. Experten jedenfalls rechnen damit, dass Mitte des Jahres 2012 die Geräte kommen, und zwei bis drei Jahre später das Geschäft mit NFC rollt.

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2011, 13:43 Uhr

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