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MDR INFO | Hörer machen Programm | 25.01.2012 : Wie werden Blindenhunde ausgebildet?

Das Zentrum für Sehbehinderte in Sachsen befindet sich in Chemnitz. Für rund 350 blinde und sehgeschädigte Menschen gibt es hier unter anderem eine Schule, ein Berufsbildungszentrum und ein Altenheim. Wie eine kleine Stadt in der Stadt wirkt das weitläufige Gelände am nordwestlichen Rand von Chemnitz. MDR INFO-Hörer Edgar Weber möchte wissen, wie ein blinder Mensch zu einem Blindenführhund kommt, wie viele Blindenführhunde es im Sendegebiet gibt und wie die Vierbeiner ausgebildet werden.

von Secilia Pappert

In der Blindenführhundschule Boldhaus: v.l.n.r.: Akiro, Schweizer Schäferhund, daVinci, Königspudel, Angel - Golden Retriever, Mogli - Golden Retriever - Mix. Gunter Boldhaus ist der 2. von rechts

Es ist ungewöhnlich still in der Führhundschule von Gunter Boldhaus in Arnstadt. Kein Gebell nur fröhliches Schwanzwedeln. So soll es sein. Künftige Blindenhunde wie Mogli, Akiro und Co dürfen sich vor allem nicht aus der Ruhe bringen lassen. 18 Hunde pro Jahr bildet Boldhaus aus. Besonders geeignet: Labradore, Golden Retriever aber auch Königspudel. Es zählen äußere Kriterien wie eine Höhe zwischen 50 und 65 Zentimetern, Intelligenz und der Charakter. Gunter Boldhaus hat jahrzehntelange Erfahrungen und erklärt: "Man braucht einen sozialen Hund, der bei seinen Artgenossen und eben in den Familien sehr sozial ist. Er muss belastbar sein und unerschrocken, immer in Bereitschaft, einen blinden Menschen souverän zu führen."

Vorauswahl schon bei den Welpen

Mit einem knappen Jahr kommen die Hunde zu Boldhaus. Die Auswahl beginnt aber schon eher. Gunter Boldhaus: "Es gibt den Campellschen Welpentest, wo wir schauen, was das Tier macht, wenn es alleine ist - vom Geschwisterrudel und der Mutter getrennt. Wir legen das Tier auch mal auf den Rücken und beobachten wie entspannt sich das Tier auf den Rücken von einer fremden Person legen lässt. Und wir testen eine Situation, wo der Hund selbstständig schon als Welpe einen Ausweg oder eine Alternative anbieten muss."

Krankenkasse kommt für Kosten auf

Geschirr für Blindenhunde
Das Hundegeschirr ist gekennzeichnet

Nach einem knappen Jahr ist der Hund einsatzbereit. Knapp 19.000 Euro kostet so ein Tier. Das übernimmt die Krankenkasse, dazu ein monatliches Futtergeld von 148 Euro, in dem auch die tierärztliche Versorgung eingerechnet ist. Anspruch hat jeder Sehgeschädigte ab fünf Prozent Restsehvermögen. Allerdings sind an das Führen eines Hundes bestimmte Voraussetzungen geknüpft, wie etwa ein Orientierungs- und Mobilitätstraining, erklärt Sabine Ziegler von der AOK Plus Sachsen-Thüringen. "Hier lernt der Blinde, seine restlichen Sinne zu nutzen und die Pendeltechnik mit dem Blindenstock. Der Versicherte muss mobil genug sein und er muss in der Lage sein, sich auf das Tier zu verlassen, das sein Augenlicht ersetzt.

Nicht jeder Blinde will einen Hund

Etwas mehr als 100 Hunde finanziert die AOK als größte Krankenkasse in Mitteldeutschland - insgesamt gibt es rund 150. Bei rund 20.000 Blinden und rund 52.000 Sehgeschädigten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen scheint diese Zahl recht gering. Sabine Ziegler: "Ein Hund bedarf Pflege und Aufmerksamkeit. Er ist nicht nur das Tier, das seine Arbeit leisten muss, er ist auch eine Freizeitbeschäftigung. Und das entspricht nicht jedem Versicherten. Nicht alle kommen mit einem Tier zurecht und möchten zusätzlich noch einen Hund haben und auch die Arbeit, die damit zusammenhängt."

Zuverlässige Begleiter im Straßenverkehr

Peter Behnke aus Altenbach bei Wurzen ist Fachgruppenleiter für Blindenhunde beim Blindenverband Sachsen. Behnke und seine Frau sind von Geburt an blind. Mit rasantem Tempo und traumwandlerischer Sicherheit führt Schäferhündin Holly sie durch den dichtesten Verkehr in Leipzigs Innenstadt: Für Behnke macht Holly das Leben viel einfacher. "An unserer Hündin Holly schätze ich ihre Zuverlässigkeit im Straßenverkehr. Dass sie mich sehr zuverlässig um Hindernisse herum führt, dass sie mir Eingangstüren sucht, dass sie mir Treppen anzeigt. Die Alternative wäre ja, alleine mit einem Stock zu gehen. Doch viele Dinge erledigen sich eben einfach besser mit Hund."

Barrieren für den vierbeinigen Helfer

Die Begleitung durch einen Hund bringt aber mitunter auch Probleme mit sich - vor allem mit der Umwelt. Peter Behnke vom Blindenverband Sachsen: "Ich höre immer wieder, vor allem aus dem ländlichen Raum, dass der Führhund als solcher nicht akzeptiert wird. Beispielsweise wenn ein Blinder zum Zahnarzt kommt. Da passiert es, dass die Sprechstundenhilfe sagt: 'Hunde haben hier keinen Zutritt.' Dasselbe kann einem beim Bäcker oder im Supermarkt passieren." Solche Zwischenfälle sind unschön. Denn schließlich, so Behnke, sei der Blindenhund ein wichtiges Hilfsmittel - allerdings eins mit eigener Seele.

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2012, 13:59 Uhr

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