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MDR INFO | digital | 26.06.2012 : Wie man sich gegen Tracking-Cookies schützt

Das ist für Internetnutzer ein sehr seltsames Gefühl: Man sucht online nach einer neuen Digitalkamera und in den nächsten Tagen und Wochen sieht man überall im Netz Werbung für Digitalkameras - auf Google, auf Facebook, auf Nachrichtenseiten oder beim E-Mail-Anbieter. Der Grund ist, dass Werbefirmen ganz genau verfolgen, was und welche Seiten man im Internet ansieht - und zwar im Verborgenen!

von Pierre Gehmlich

Online-Shopping

Zalando, Otto, Sport-Scheck: Wer in diesen Online-Shops beispielsweise nach Laufschuhen sucht, aber nicht gleich kauft, der hat danach die französische Agentur "Criteo" auf den Fersen. Die sorgt dafür, dass man auf verschiedenen Internetseiten Werbung für Laufschuhe sieht. Auf "Spiegel-Online" etwa. Für die Shops im Netz lohnt sich das Verfolgen-Lassen von möglichen Kunden: Einige kehren zurück und kaufen die Schuhe dann doch noch. Alexander Gösswein von "Criteo" hält solche Werbepraktiken für unproblematisch. Denn der Nutzer bleibe immer anonym:

"Unsere Informationen basieren auf Browsereinstellungen des Nutzers, das heißt, wir haben überhaupt keinen persönlichen Hintergrund. Wir wissen weder, ob da ein Mann sucht oder eine Frau nach Männersachen oder eine Frau nach Produkten für ihre Kinder. Wir sehen einfach nur das Verhalten eines Browsers."

Alexander Gösswein von "Criteo"

Ungefragt und klammheimlich

Für das Verfolgen wird dem Nutzer ein winziges Datenpaket in den Internetbrowser gesetzt, ein Cookie. Man könnte auch böse sagen: eine Wanze, denn so kann ein Internetnutzer wiedererkannt werden. Und: Das Ganze passiert immer, ohne dass der Nutzer es merkt. Erst mit einem Programm wie Ghostery kann man herausfinden, wie viele Cookies einem beim Surfen untergeschoben werden. Nach einer Stunde auf verschiedenen Nachrichtenseiten und Blogs, in diversen Online-Shops und auf Facebook kommen mehrere Dutzend zusammen. Und diese Spione wird man nicht so einfach wieder los. Olaf Pursche von "Computerbild":

"Häufig können Sie die Cookies gar nicht löschen, weil die in ganz unterschiedlichen Bereichen des PC-Speichers vergraben sind. Auf die haben Sie mit einem ganz normalen Browsertool eben keinen Zugriff."

Olaf Pursche von "Computerbild"

Browser müssen aufgerüstet werden

Im Internet Explorer oder im Firefox kann man zwar einstellen, dass man keine Cookies will. Doch zunehmend mehr Firmen unterlaufen diesen Schutz, so Olaf Pursche. Die Werber nutzten dafür Techniken, mit denen sich sonst Viren auf Festplatten verstecken. Der Computerexperte hält das Argument der Werber für Quatsch, denn der Nutzer bleibe anonym. Er nennt als Beispiel Facebook: "Bei Facebook ist das ähnlich. Sobald Sie wieder eingeloggt sind, und diese Cookies vorher nicht gelöscht haben, dann ist es halt so, dass Facebook genaue Infos darüber hat, auf welchen Seiten Sie sich rumgetrieben haben."

Verbraucherschützer fordern gesetzliche Regelung

Für hochproblematisch hält das auch Michaela Zinke, Datenschützerin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen:

"Das Problem ist nicht, dass damit Geld gemacht wird. Das Problem ist, dass damit ungefragt Geld gemacht wird, ohne dass der Nutzer das weiß. Viele Nutzer erkennen absolut nicht, dass da im Hintergrund etwas passiert. Das führt auch dazu, dass mir - weiblich und Ende 30 - eine andere Werbung angezeigt wird als meinen Kollegen!"

Michaela Zinke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen

Manuela Zinke fordert, dass in Deutschland endlich eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt wird. So wie in England etwa. Dort muss der Nutzer um Zustimmung gefragt werden, bevor er über Cookies beobachtet werden darf. Bis das Gesetz kommt, müssen sich Nutzer selbst wehren: Mit kleinen Programmen wie Ghostery oder Do-Not-Track kann man viele gängige Internetbrowser aufrüsten: Dann können einem Werber nicht mehr hinterher schnüffeln.

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2012, 19:20 Uhr

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