MDR INFO | Digital | 1.11.2011
:
Facebook contra Google+ - wer geht mit dem Datenschutz besser um?
Vor rund einem Monat ist Google Plus für die Öffentlichkeit gestartet – ein neues Online-Netzwerk, ganz ähnlich wie Facebook. Wir haben beide Netzwerke bei uns im Programm schon detailliert miteinander verglichen, etwa in Bezug auf Bedienfreundlichkeit und Funktionen. Heute geht es um die Sicherheit der Netzwerke.
von Andreas Herrler
Vorwürfe an Facebook gab und gibt es genug. Wer dort Neuigkeiten oder Fotos verbreitet, findet diese schnell im gesamten Internet wieder – sichtbar für alle, wenn dies nicht in den Sicherheitseinstellungen explizit ausgeschlossen wurde. Jo Bager vom Computermagazin c’t sieht darüber hinaus noch andere Probleme:
"Abgesehen davon ist Facebook auch immer wieder in der Kritik von Datenschützern, weil es halt eine unglaubliche Datengier an den Tag legt, also möglichst viel von seinen Benutzern wissen will und von denen auch Informationen über Dritte einsammelt."
Jo Bager
Computermagazin c’t
Bei Google Plus soll alles anders werden – verspricht zumindest der Google-Konzern. Mit Freundeskreisen, sogenannten Circles, soll die Privatsphäre besser geschützt werden.
"Also grundsätzlich geht das bei Facebook auch, dass ich nur an geschlossene Kreise was weitergebe. Bei Google Plus ist es halt so, dass es diese Kreise gibt, und wenn ich etwas nur für diesen Kreis freigebe, wird das auch nur an diesen veröffentlicht. Aber letztlich ist das bei beiden Plattformen nur eine Konvention. Im wirklichen Leben funktioniert ja "Psst, bitte nicht weitersagen" auch nicht. Im Zweifelsfall kann der Nutzer den Inhalt, den ich nur für ihn freigegeben habe, auch an Dritte weitergeben."
Jo Bager
Computermagazin c’t
Immerhin, so der Computerexperte, funktioniert die Privatsphäreeinstellung bei Google Plus etwas einfacher als bei Facebook. Ich muss also kein Spezialist sein, um meine Daten nur für bestimmte Kreise freizugeben.
"Ich hab’s bei Google Plus ein bisschen einfacher, weil es halt wirklich so zentral in die Benutzeroberfläche eingebettet ist. Mittlerweile hat Facebook da ein bisschen nachgezogen. Es ist auch nicht mehr so versteckt, wo ich das einstelle. Letztlich läuft’s bei beiden aufs Selbe hinaus."
Jo Bager
Computermagazin c’t
Und an eines sollte der Nutzer immer denken: Hinter beiden Plattformen, ob Facebook oder Google Plus, stehen Konzerne, die Geld verdienen wollen – und das tun sie nun mal mit den Daten ihrer Nutzer. Und hier greift Google auf noch mehr Daten zurück als Facebook.
"Google Plus sammelt ja nicht nur Daten auf der Plattform Google Plus, sondern auch in den anderen Diensten, das ist auch nicht ohne, was Google von seinen Nutzern sammelt, wenn die Mails nutzen oder weitere Dienste, dann entsteht da auch ein riesiges Profil. Beide Konzerne verdienen ihr Geld mit Werbung und wollen natürlich das Maximum rausschöpfen und wie macht man das? Indem man die Werbung möglichst genau auf den Benutzer zuschneidet. Und dazu muss man halt möglichst viel wissen über den Benutzer."
Jo Bager
Computermagazin c’t
Für jeden einzelnen bedeutet das: Selbst mit den stärksten Privatsphäreeinstellungen muss ich mir bei Google Plus und auch bei Facebook im Klaren sein: Wenn ich Privates über mich in einem weltweiten Netzwerk wie dem Internet veröffentliche, bleibt es eben nicht mehr lange privat.
Zuletzt aktualisiert:
01. November 2011, 19:29
Uhr
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.