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MDR INFO | digital | 30.01.2012 : Der neue Standard für den Mobilfunk: IMT oder 4G

Ein Standard lebt und funktioniert nur, wenn man sich darauf einigt. Und genau das ist zum Jahresanfang beim Mobilfunk geschehen. Die Internationale Telekommunikations Union (ITU) hat sich im Januar in Genf auf einen neuen Mobilfunkstandard geeinigt. IMT-Advanced heißt das System und es soll dafür sorgen, dass auch in Zukunft alle Handys miteinander kommunizieren können. Es ist die vierte Generation des Mobilfunks. Künftig steht statt 3G oben im Handydisplay 4G.

von Michael Voß

Ein Android-Telefon, von einer Hand gehalten.

Volker Jungnickel ist einer der Ingenieure am Heinrich-Hertz-Institut in Berlin, der die neuen Technologien prüft und entwickelt. Er sagt: "IMT Advanced ist eigentlich eine Art Anforderungskatalog für Mobilfunksysteme der vierten Generation. Eine 4G-Technologie soll 1 Gigabit pro Sekunde unterstützen und 100 Megabit pro Sekunden im hochmobilen Betrieb." Konkret heißt das, die Datenübertragung wird einhundert Mal schneller sein als sie es heute bereits ist. Das ist wichtig für alle typischen Funktionen der Smartphones – also für das mobile Internet.

"Es ist so, als hätten Sie ein Glasfaserkabel direkt ans Handy angeschlossen"

Wenn sich heutzutage viele Handys an einem Ort befinden und ihre Nutzer im Internet surfen, dann sinkt der Datenstrom so stark, das beispielsweise Videos nur noch stockend anzusehen sind oder gar nicht mehr funktionieren. Und genau das soll sich bei der vierten Generation der Handyübertragungstechnik ändern. Es wird nicht nur schneller, sondern es sollen auch mehr Datenmengen zur selben Zeit transportiert werden können. Auf der Konferenz in Genf fasste es ein Teilnehmer so zusammen: "Es ist so, als hätten Sie ein Glasfaserkabel direkt ans Handy angeschlossen."

Damit das funktioniert, werden mit dem neuen Standard beispielsweise vorhandene Frequenzen gebündelt. Außerdem kann es eine parallele Datenübertragung geben. Doch auch die Netzbetreiber müssen kräftig nachrüsten. Die Netze müssen verdichtet werden, sodass die Kapazität an die Orte kommt, wo sie gebraucht wird. Das heißt, es werden mehr Antennen gebaut, die Netze werden engmaschiger. Das sei auch dringend notwendig, da wir sonst schon bald nicht mehr telefonieren könnten, meint Volker Jungnickel vom Heinrich-Hertz-Institut. Ein Grund dafür sei, so der Forscher, dass sich das Datenvolumen in den Mobilfunknetzen im Augenblick innerhalb von einem Jahr verdoppelt. Wenn man ein paar Jahre in die Zukunft schaut, wird die hundertfache Datenrate wohl auch gebraucht.

Der neue Standard erfordert keine neues Handy

Auch die Kommunikation von Maschine zu Maschine ist eine neue Entwicklung, die viel Datenmenge benötigt. So werden beispielsweise Fabriken oder Ölplattformen in Gebieten gebaut, wo es keine Telefonkabel gibt. Diese müssen von einer Zentrale ferngesteuert werden, oft hunderte oder tausende von Kilometern entfernt – natürlich via Mobilfunkfrequenzen. Doch für den normalen Handynutzer bleibt wichtig, dass er sein bisheriges Handy weiternutzen können wird, wenn er bis zum Start der vierten Generation im Jahr 2014 nicht sowieso schon ein neues gekauft hat.

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2012, 18:10 Uhr

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