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MDR INFO | digital | 10.01.2012 : Intelligente Stromzähler

Es klingt etwas nach Big Brother aus der Steckdose. Der eigene Stromanbieter kann sehen, wann man die Mikrowelle an-, oder die Nachttischlampe ausschaltet. Das geht über intelligente Stromzähler. Die muss bereits jetzt jeder einbauen, der ein Haus neu baut oder saniert. Die EU will es so. Bis 2022 sollen deutschlandweit alle Haushalte einen intelligenten Stromzähler haben. Datenschützer laufen dagegen Sturm. Sie befürchten einen weiteren Schritt hin zum gläsernen Bürger.

von Pierre Gehmlich

Zählermonteur montiert den intelligenten Stromzähler

Professor Ulrich Greveler von der Fachhochschule Münster kann einer Familie aus Essen beim Leben zusehen. Dafür braucht er keine Überwachungskameras, denn die Familie hat einen sogenannten intelligenten Stromzähler. Wirklich intelligent ist der nicht, er kann aber deutlich mehr als der alte schwarze Kasten im Keller mit der Drehscheibe. Denn der neue Stromzähler ermittelt den Verbrauch in Echtzeit. Über das Internet meldet er alle paar Sekunden an den Energieversorger, was Laptop oder Toaster verbrauchen. Diese Daten darf der IT-Spezialist Greveler mit seinen Studenten auswerten. Die Essener Familie hat es ihnen erlaubt.

"Wenn diese Daten zur Verfügung stehen, dann kann man mit Hilfe von statistischen Verfahren und Mustererkennung Geräte identifizieren und man sieht zum Beispiel, ob Sie den Fernseher benutzen. Wann eine Familie schläft, wann der erste aufsteht, ob es zum Frühstück etwas Warmes gibt oder kaltes, wann die Leute zur Arbeit gehen oder auch ob nachts jemand raus muss …"

Prof. Ulrich Greveler, IT-Spezialist

Hausbesitzer und Mieter können über den Computer ihre eigenen Daten ansehen und so die größten Stromfresser im Haushalt finden. Das könnte etwa die alte Waschmaschine sein, die dann durch ein effizienteres Modell ersetzt wird. Darauf hofft die EU-Kommission in Brüssel und sie hat noch weitere Pläne. Auf lange Sicht sollen die intelligenten Stromzähler sogar Haushaltgeräte steuern können. Der Trockner etwa könnte in den Nachtstunden laufen, wenn gerade günstiger Strom verfügbar ist. Der Nachtstrom ist bereits jetzt schon günstiger. Die Energiekonzerne müssen seit 2010 passende Tarife anbieten. Ihnen sollen die neuen Zähler auch etwas bringen: Sie können so besser erkennen, zu welchen Zeiten besonders viel verbraucht wird. Dann kann gezielt Strom ins Netz eingespeist werden.

Dagegen sind Datenschützer von den neuen Möglichkeiten weniger begeistert. Sie befürchten, dass mit den neuen Stromzählern eine Datensammelwut einsetzt. Ähnlich wie auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Mit einem heiklen Unterschied, den auch Ulrich Greveler erkannt hat.

"Grundsätzlich ist das natürlich schwierig, weil anders als bei umstrittenen Internetdiensten wie Facebook oder Google Plus können Sie ja kaum auf Strom verzichten. Aus diesem Grund ist es natürlich wichtig, dass die Konzerne, die diese Daten speichern, auf entsprechenden Datenschutz achten."

Prof. Ulrich Greveler, IT-Spezialist

Doch genau da hapert es noch. Das Computermagazin "c’t" fand in einem Test heraus, dass manche der neuen Stromzähler die Daten unverschlüsselt übers Internet übertragen. Das heißt, nicht nur der Stromversorger kann einiges über die Lebensgewohnheiten erfahren. Auch Hacker könnten mitlesen. Denkbar ist auch, dass sie die Daten fälschen und so die Rechnung hochtreiben. Doch im Moment sind das eher theoretische Probleme, sagt "c't"-Redakteur Daniel Bachfeld. Denn bisher haben von 45 Millionen Haushalten gerade mal 100.000 einen der neuen Stromzähler. Für die könnte es bald einheitliche Vorgaben geben, sagt Daniel Bachfeld von "c't". Die Bundesregierung hat eine entsprechende Gesetzesinitiative gestartet.

"Dort ist dann ab 2012 hoffentlich vorgeschrieben, dass diese Geräte bestimmte Sicherheitsmaßnahmen erfüllen müssen. Danach muss jeder Hersteller sich prüfen lassen, und bekommt ein Zertifikat, ob die Geräte das erfüllen - dann gibt es dort auch keinen Wildwuchs."

Daniel Bachfeld, Computerzeitschrift "c't"

Allerdings ändert das nichts daran, dass der eigene Stromversorger in Zukunft mehr über private Gewohnheiten erfährt. Das ist wohl offenbar der Preis dafür, dass Hausbesitzer und Mieter Strom - und damit Geld - sparen.

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2012, 18:21 Uhr

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