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MDR INFO | Hörer machen Programm | 16.01.2012 : Bürgerbefragung ohne Folgen

Seit zehn Jahren arbeitet das Dorf Otterwisch in einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Kleinstadt Bad Lausick. Eine Liaison, die die Otterwischer gern beenden möchten. Das haben sie in einer Bürgerbefragung und in einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit deutlich gemacht. Ihr Ziel: Sie wollen sich Grimma anschließen. Doch Bad Lausick ist dagegen. Und der Freistaat Sachsen auch. Volkmar Röhniß aus Otterwisch fragt, warum die sächsische Landesregierung den Bürgerwillen ignoriert? Ine Dippmann hat sich erkundigt.

von Ine Dippmann

Zwölf Kilometer sind es von Otterwisch bis nach Grimma Richtung Nordosten, knapp acht Kilometer in Richtung Süden liegt Bad Lausick. Bei einem Bürgerentscheid im Dezember 2011 in Otterwisch stimmten knapp 95 Prozent der Wähler für eine Gemeinde-Ehe mit Grimma und somit für die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft mit Bad Lausick. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 61 Prozent. Was wiegt der Wille der Bürger, wenn es darum geht, wohin man sich künftig orientiert? Patricia Wendel vom Lehrstuhl für Verwaltungsrecht an der Universität Leipzig erklärt:

"Der Bürgerentscheid ist bindend, für die Gemeinde Otterwisch selbst, dass die Gemeinde also alles daran setzt, dass eine Eingemeindung nach Grimma stattfindet."

Patricia Wendel, Lehrstuhl für Verwaltungsrecht Universität Leipzig

Sachsen will kleine starke Gemeinden

Weder für Bad Lausick noch für den Freistaat Sachsen ergeben sich aus dem Bürgerentscheid unmittelbaren Konsequenzen. Beide haben sich bislang gegen die Fusion von Otterwisch mit Grimma ausgesprochen. Das Innenministerium verweist auf das Leitbild für freiwillige Gemeindezusammenschlüsse. Frank Wend vom Sächsischen Innenministerium sagt:

"Und das sieht vor, dass zunächst erst mal diejenigen Gemeinden und Orte, die in einem bisherigen Verwaltungsverbund zusammengeschlossen sind, dass die sich zu Einheitsgemeinden umbilden. So wäre es aus Sicht der Genehmigungsbehörden wünschenswert."

Frank Wend, Sächsisches Innenministerium

Zudem sehe das Leitbild vor, dass die Orte, die natürlicherweise Bezüge zueinander haben, gestärkt werden und so stabile Gemeinden in ganz Sachsen entstehen.

"Unser Ziel ist es, dass wir in Sachsen nicht ganz wenige sehr starke Orte bekommen, sondern dass wir möglichst viele Ortschaften bekommen, die auf`s Land verteilt, aus sich heraus lebensfähig sind. Wir brauchen keine großen Moloche, sondern wir brauchen viele kleine starke Einheiten."

Frank Wend, Sächsischen Innenministerium

Bad Lausick will auf Otterwisch nicht verzichten

Kurpark Bad Lausick
Bad Lausick will Otterwisch nicht an Grimma verlieren.

Bad Lausick beruft sich auf diesen Aspekt. „Mit der Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft wäre die Stadt Bad Lausick in ihrer Entwicklung als Grundzentrum geschwächt“, sagte Bürgermeister Josef Eisenmann der Leipziger Volkszeitung. Im Jahr 2025 werden in Bad Lausick geschätzt 7.300 Menschen wohnen. Heute sind es noch rund 8.500. Die Eingemeindung der rund 1.500 Otterwischer soll den demografischen  Aderlass wettmachen. Bei Zusammenschlüssen von Gemeinden muss das genehmigende Landratsamt viele Faktoren berücksichtigen, sagt Verwaltungsrechtlerin Wendel:

"Nicht nur den Willen der Bürger, sondern auch inwiefern ein solches Aufbrechen der bisherigen Strukturen und eine Veränderung dem Gemeinwohl dient in der Form, dass eine leistungsstarke Verwaltung geschaffen wird, dass haushaltsrechtliche Aspekte zu beachten sind, auch was die Schulnetzplanung betrifft, auch was die Feuerwehr-Struktur betrifft und auch die medizinische Versorgung. Insofern ist der Bürgerwillen ein wichtiger Aspekt unter vielen, der dabei beachtet werden muss."

Patricia Wendel, Lehrstuhl für Verwaltungsrecht Universität Leipzig

Otterwisch denkt weiter

Nun ist es nicht so, dass Otterwisch diese Aspekte nicht bedacht hätte. Im Gegenteil, Bürgermeister Matthias Kauerauf denkt schon weiter. Er geht davon aus, dass über kurz oder lang Bad Lausick selbst Anschluss an Grimma suchen wird.

"Und wir wollen als Ort nicht den Zwischenschritt Bad Lausick tun sondern wollen das für uns Beste zum jetzigen Zeitpunkt im Rahmen der Freiwilligkeitsphase umsetzen."

Matthias Kauerauf, Bürgermeister von Otterwisch

Der Bürgermeister von Bad Lausick Eisenmann wollte sich bei MDR INFO nicht zu dem Thema äußern. Der Freistaat ist inzwischen in Zugzwang geraten. Otterwisch hat im Dezember die Verwaltungsgemeinschaft einseitig aus wichtigem Grund gekündigt und versucht nun auf diesem Weg, die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft herbeizuführen.

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2012, 17:54 Uhr

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