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MDR INFO | Hörer machen Programm | 11.01.2012 : Warum muss man nachts häufig an roten Verkehrsampeln warten?

Thomas Maurer aus Chemnitz würde interessieren, warum man nachts in Chemnitz immer an roten Ampeln warten muss, obwohl kein anderes Auto weit und breit zu sehen ist. Man könnte, meint Herr Maurer, die Ampeln einfach nachts abschalten und dadurch eine Menge an Beleuchtungskosten sparen.

von Christian Werner

Rote Ampel nachts

Für viele Autofahrer sind Ampeln, die nachts angeschaltet sind und die für scheinbar unnötige Wartezeiten sorgen, ein Ärgernis. Auch in Chemnitz. Dabei stellt die Stadt einen Großteil der Ampelanlagen nachts aus. Von 184 Ampeln sind 114 in der Nacht nicht in Betrieb. Nicht inbegriffen sind hier Fußgängerampeln. Gunter Hempel vom Tiefbauamt Chemnitz verweist aber darauf, dass dennoch vor allem große Kreuzungen so konzipiert sind, dass der Verkehr dort auf Ampeln angewiesen ist.

"Und da kann man im Nachgang nicht einfach dahergehen und sagen: 'Gut, weil nachts so wenig Verkehr unterwegs ist, schalten wir jetzt ab.' Denn der springende Punkt ist doch eigentlich, dass diese komplizierte bauliche Gestaltung der Anlage sich auch des Nachts nicht anders darstellt als am Tage."

Gunter Hempel, Tiefbauamt Chemnitz

Die Entscheidung, eine Ampel in der Nacht abzuschalten, ist immer auch eine Frage der Sicherheit. Was viele Autofahrer nicht wahrhaben wollen ist, dass das Unfallrisiko steigt, wenn Ampeln nachts nicht in Betrieb sind. Professor Reinhold Maier von der TU Dresden führt dafür Langzeitstudien aus den 1980er-Jahren an, nach denen das Unfallrisiko je nach Ampelanlage um bis zu sechs Mal steigen kann. Diese Relationen sind noch immer gültig. Das zeigen auch jüngste Studien in Chemnitz.

Bleibt die Frage der Kosten: Kommunen könnten Geld sparen, wenn die Ampeln nachts abgeschaltet sind. So kostet der durchgängige Betrieb einer Kreuzungsampel in Chemnitz durchschnittlich 1.300 Euro im Jahr. Davon lassen sich durch eine Nachtabschaltung von 21:00 bis 05:00 Uhr rund 400 Euro im Jahr sparen. Doch für Professor Reinhold Maier ist das gesamtwirtschaftlich betrachtet eine Milchmädchenrechnung.

"Verkehrsunfälle bewirken enorme volkswirtschaftliche Verluste und die sind um ein vielfaches höher als die Kosten, die man für den Nachtbetrieb aufwenden muss."

Professor Reinhold Maier, TU Dresden

Städte agieren hier im Spannungsfeld zwischen Verkehrssicherheit und dem Ziel, den Haushalt zu entlasten. Viel effektiver sei hier moderne Technik wie etwa LED Lampen, sagt Gunter Hempel vom Tiefbauamt Chemnitz. Dadurch können die Kommunen wesentlich mehr Energie einsparen als durch die Nachtabschaltung der Anlagen. Mit dieser neuen Technik könnten bis zu 50 Prozent der Energiekosten eingespart werden.

Gesteuert werden die Ampeln in den Verkehrsleitzentralen, so auch in Leipzig. Hier arbeitet Michael Jana vom Verkehrs- und Tiefbauamt Leipzig. Vor einem Monitor kann er dort nachvollziehen, wann welche Ampel wie lange in Betrieb ist.

"Wir haben zurzeit etwa 75 Prozent der Anlagen in der Nacht ausgeschaltet, die Tendenz dazu ist im Moment rückläufig, weil wir insbesondere dort, wo Busse und Straßenbahnen fahren, oder wo Unfalllagen existieren, natürlich nachts auch wieder anschalten."

Michael Jana, Verkehrs- und Tiefbauamt Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2012, 08:32 Uhr

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