MDR INFO | Hörer machen Programm | 06.02.2012 : Warum werden keine oberirdischen Endlager für Atommüll geplant?
Volker Rönsch aus Dresden fragt, warum die Bundesrepublik in alten Bergwerken nach Möglichkeiten sucht, den Atommüll endzulagern. Auch will er wissen, warum die Verursacher dieses Mülls nicht auf eigene Kosten ein oberirdisches Lager nach allen Standards der Technik bauen.
Jede bisher bekannte technische Möglichkeit, Atommüll zu lagern, birgt auch Risiken, sagt der Chef des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König. Er verweist auf das einstige Forschungsbergwerk Asse, das über die Jahre zum teuren Sanierungsfall wurde:
Diese Umstände sollten die Politik nicht dazu verführen, auf Innovationen in der Zukunft zu warten oder die Lösung in einer Billigentsorgung im Ausland zu suchen. König plädiert, wie viele internationale Experten auch, für eine Endlagerung in geologisch geeigneten Schichten Hunderte Meter tief unter der Erde. Das gebe Sicherheit bei Erdbeben oder Eiszeiten und verhindere den Zugriff, zum Beispiel von Akteuren, die illegal mit kernwaffenfähigem Material handeln. Vor den Gefahren einer oberirdischen Lagerung, selbst von schwach radioaktivem Müll, warnt auch der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil. Er verweist auf den Rückbau der kerntechnischen Anlagen in Greifswald. Aus Kostengründen blieben die Gebäude stehen, der Schrott ist überirdisch in einer Halle gelagert. Da helfe auch keine Nachrüstung mit dickeren Mauern, so Pflugbeil, denn der Beton bleibe nicht stabil über lange Zeiträume.
Wer bezahlt die Endlagerung?
Bleibt noch die Frage der Kosten. Für die Zwischenlagerung von Atommüll und für den Rückbau ihrer Anlagen sind die AKW-Betreiber selbst zuständig, und sie sind gesetzlich dazu aufgefordert, Rücklagen zu bilden. Reichlich 1,5 Milliarden Euro steckte die Kernindustrie zum Beispiel in den Ausbau von Gorleben. Bund und Länder waren mit 148 Millionen dabei. Gorleben ist das einzige deutsche Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle, die aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter deutscher Brennelemente stammen. Ob es zum Endlager taugt, wird seit 1977 erkundet. Nach dem Atomausstieg vereinbarten Bund und Länder, weitere Standorte auf ihre Endlagertauglichkeit zu untersuchen. Der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen, CDU, antwortet auf die Frage, wer die neue Suche bezahlen soll:
Die Details wird ein Endlagersuchgesetz klären, das bis Sommer 2012 auf den Weg gebracht werden soll.
