MDR INFO | Hörer machen Programm | 18.07.2012 : Fracking - Erdgassuche mit Nebenwirkungen?
Das kanadische Unternehmen BNK Petroleum will in Sachsen-Anhalt nach Erdgas bohren. Noch in diesem Jahr soll mit den Erkundungen begonnen werden. Bürger fürchten, dass bei der Gasförderung auch das sogenannte Fracking zum Einsatz kommt. Dabei wird eine Flüssigkeit unter sehr hohem Druck in eine Quelle gepumpt. Kritiker sehen Risiken für das Grundwasser. Hörerin Gudrun Pinkernelle aus Magdeburg ist besorgt und fragt, was sich hinter der Methode verbirgt und wie gefährlich ist diese?
Angesichts der radikal anmutenden Methode des Hydraulic Fracturing - kurz Fracking genannt - sind die Sorgen verständlich. Große Mengen Wasser vermischt mit Sand und Chemikalien werden tief ins Erdreich gepresst, um Gesteinsschichten dauerhaft aufzubrechen, zu fracken also, und das darin enthaltene Gas zu lösen. Umweltschützer wie Dr. Uwe Wegener sind skeptisch. Er ist Naturschutzbeauftragter im Landkreis Harz: "Ich bin zunächst einmal verunsichert. Klar hat man davon gehört, und wir befürchten als Naturschutzbundmitglieder, dass es eine Verunreinigung des Trinkwassers gibt."
Fracking auch hierzulande bekannt
Die Methode ist keine neue Erfindung. Seit den 1970iger-Jahren ist sie auch in Mitteldeutschland schon zum Einsatz gekommen. Jetzt soll das Verfahren aber deutlich ausgeweitet werden, was nicht unbedingt gefährlich sein muss, sagt Dr. Bodo-Carlo Ehling. Er ist Geologe und Sprecher des Landesamtes für Geologie und Bergwesen in Sachsen Anhalt:
"Wir gehen ein bis drei Kilometer in die Tiefe. Das hochmineralisierte Grundwasser dort wird niemals als Trinkwasser genutzt," sagt Klaus Angerer. Er ist Geschäftsführer der BNK Deutschland GmbH. Die Tochterfirma des amerikanisch-kanadischen Unternehmens BNK Petroleum sieht in Mitteldeutschland ein großes Potenzial für im Schiefergestein eingeschlossene Gasvorkommen: "Im Rahmen der Erkundungen in Thüringen und Sachsen Anhalt werden wir demnächst die Durchführung seismischer Messungen bei der Behörde beantragen. Dabei wird mittels Schallwellen der Untergrund untersucht. Diese Studien und weitere Erkundungsbohrungen lassen dann Rückschlüsse zu, ob das Gas wirtschaftlich gefördert werden kann. Und damit könnte ab 2017 begonnen werden."
Antrag frühestens in zwei Jahren
Bis dahin muss das Unternehmen für jeden einzelnen Arbeitsschritt im Landesamt für Geologie und Bergwesen spezielle Betriebspläne vorlegen. Auch ein eventuelles Fracking bräuchte eine besondere Genehmigung. Noch einmal Bodo-Carlo Ehling vom Landesamt für Geologie und Bergwesen: "Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen diesen Antrag im Jahr 2014 einreicht. Und dann werden wir natürlich sämtliche Behörden wie die Wasserbehörden einbeziehen. Und falls es zum Antrag kommt, werden wir den sehr kritisch prüfen." Derzeit hat die Politik de facto ein flächendeckendes Moratorium für das Fracking verhängt. Man möchte erst die Ergebnisse mehrerer Studien abwarten. Denn: Noch sind viele Fragen nach den Langzeitfolgen dieser Fördermethode unbeantwortet.
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