MDR INFO | Hörer machen Programm | 08.02.2012 : Kann man die bei der Kaliproduktion anfallenden Salze zum Streuen nutzen?
Hörer Martin Gödecke aus Bad Langensalza in Thüringen wollte wissen, ob man die Salzlauge, die bei der Kaliproduktion anfällt, zum Räumen der Straßen verwenden könnte. So würde man die Kosten der Kommunen, die durch den Winterdienst anfallen, senken. Gleichzeitig würde auch der Salzgehalt der Werra sinken, da die Salzlaugenproduktion im Moment noch in die Werra eingeleitet wird.
Zwischen zwei und vier Millionen Tonnen Salz werden jeden Winter in Deutschland verstreut. Allein in einer Stadt wie Halle werden rund 100 Tonnen pro Tour über die insgesamt 1,6 Millionen Quadratmeter Straßen und Verkehrsflächen gebraucht. Oliver König und seine Kollegen vom Winterdienst arbeiten dabei vor allem mit Sole und dem sogenannten Feuchtsalz. Insbesondere mit der Salzsole kann dann vor allem auch präventiv gestreut werden.
Nur eine der Salzlaugen kann verwendet werden
Die Salzlauge direkt aus der Kaliproduktion auf die Straße zu bringen, ist eine schöne Idee. Nur leider funktioniert sie nicht, wie man bei Kali und Salz Wintershall im hessischen Heringen erfährt. Hier im ältesten noch produzierendem Kaliwerk der Welt erklärt Produktionsleiter Wilfried Erbe, dass unbearbeitete Lauge die Straßenbelege extrem angreifen würde und von den bei der Produktion anfallenden Salzlösungen würden ohnehin nur sehr wenige überhaupt für den Straßenwinterdienst taugen.
Ingenieur Jörg Apel erklärt das sehr aufwendige Verfahren. Stark vereinfacht wird dabei die Lauge in zwei Kesseln erhitzt, anschließend in einem großen Becken heruntergekühlt und läuft dann über Laufbänder wie ein endloser weißer Teppich.
Seit der Wiedervereinigung 90 Prozent weniger Lauge in die Werra
Gleichzeitig werden aber auch weiterhin eine große Menge ungenutzter Salzlaugen in die Werra abgeleitet. Auch wenn sich die Belastung seit der Wiedervereinigung um 90 Prozent verringerte, ist die Werra noch lange kein naturnahes Gewässer, sagt Kali und Salz-Pressesprecher Ulrich Göbel. Aber an allen Standorten würden die salzigen Abwässer deutlich reduziert, beziehungsweise sogar halbiert, sagt Göbel, allein in Philippstal seien das 3,5 Millionen Kubikmeter. Außerdem verspricht das Unternehmen, dass ab 2015 im thüringischen Unterbreitzbach überhaupt keine Salzlauge mehr in die Werra ableitet würden.
