Jugendschutzverstöße im Internet : Mehr Online-Risiken für Kinder und Jugendliche
Die Zahl der Verstöße gegen die deutschen Jugendschutzvorschriften im Internet steigt immer weiter an. Das teilte die länderübergreifende Stelle "jugendschutz.net" bei der Vorstellung ihres Jahresberichts mit. Demnach wurden 2011 mehr als 10.000 Fälle registriert – ein Drittel davon auf klassischen Internetseiten, den Großteil aber im sogenannten Web 2.0, beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Videoplattformen. Hier verdoppelte sich die Zahl der Verstöße auf 6.656.
Sex, Gewalt und Propaganda - schnell gelöscht, schnell wieder im Netz
"jugendschutz.net" überprüfte insgesamt 50.000 Angebote. Mehr als die Hälfte der dabei festgestellten Verstöße waren Bilder und Videos des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Pornografie. In 16 Prozent der Fälle wurden rechtsextremistische Inhalte gefunden. Die Jugendschützer stießen zudem auf Gewaltverherrlichung und öffentliche Bloßstellungen, aber auch auf verharmlosende Darstellungen von Magersucht und Selbstmorden. Drei Viertel der unzulässigen Inhalte waren auf Servern im Ausland gespeichert.
Die gute Nachricht: In vier von fünf Fällen konnten die Online-Jugendschützer ein Löschen gefährlicher Inhalte erreichen - dank direkter Kontakte zu den Providern im In- und Ausland. Die schlechte Nachricht: Die Inhalte können wegen mangelnder Vorsorge oft einfach erneut hochgeladen werden, zudem reagieren die Betreiber nicht schnell genug auf Beschwerden von Nutzern.
Wachsende Gefahr durch einfach zu bedienende mobile Geräte
Das ernüchternde Fazit von "jugendschutz.net": Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen in Communitys und auf Videoplattformen sind an der Tagesordnung. Internationale Plattformen wie Facebook und YouTube bestimmen demnach zunehmend die Mediennutzung Minderjähriger. Zugleich höhlten sie aber den deutschen Jugendschutz aus, weil sie sich nicht an die hier hierzulande geltenden Gesetze hielten.
Als wachsende Gefahr sehen die Jugendschützer die verbreitete Nutzung mobiler Geräte mit Internetzugang, wie Smartphones und Tablet-PCs. Sie könnten schon von kleinen Kindern bedient werden, die Anwendungen, sogenannte Apps, seien in ausländischen Online-Geschäften leicht erhältlich und für deutsche Jugendschützer schwer zu kontrollieren. Die Stelle forderte deshalb schnell Schutzkonzepte für mobile Internetzugänge. Generell müssten sich die Betreiber mehr anstrengen, um junge Nutzer vor Cybermobbing, Gewaltinhalten und Hasspropaganda zu schützen.
Forderungen an und von der Politik
Die Mitarbeiter der Jugendschutzstelle kritisieren weiter, dass die Debatte über den Jugendschutz derzeit von Diskussionen über Datenschutz und Urheberrecht verdrängt werde. Mit der gescheiterten Gesetzesnovelle zum Jugendmedienschutz sei die Kluft zwischen gesetzlichen Regelungen und Entwicklungen im Internet noch größer geworden. Sachsens Sozialministerin Christine Clauß appellierte dagegen an die Betreiber: "Rücksicht auf Kinder und Jugendliche muss Bestandteil der Unternehmensphilosophie sein." Sie warnte, beim Kampf um Kunden drohe der Jugendschutz auf der Strecke zu bleiben.
"jugendschutz.net"
... wurde 1997 von den Jugendministern aller Bundesländer gegründet. Die Einrichtung unterstützt die Ministerien und die Kommission für Jugendmedienschutz bei deren Aufgaben, in dem sie entsprechende Angebote im Internet überprüft und auf Verstöße hinweist. Ziel ist ein vergleichbarer Jugendschutz wie in den traditionellen Medien. Nutzer können Verstöße über ein Internetformular melden. 2011 gingen hier 7.000 Beschwerden ein.
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