Landtagsdebatte zur Fördermittel-Affäre : Haseloff pocht auf seine Integrität
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Fördermittelbetrug in Dessau-Roßlau Vorwürfe der Täuschung oder Begünstigung zurückgewiesen. In der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause pochte der CDU-Politiker auf seine Integrität. Diese lasse er sich auch nicht durch Unterstellungen zerstören. Haseloff betonte, in seiner Amtszeit habe er bei Betrugsverdacht selbst mehrfach die Justiz eingeschaltet. Gegebenenfalls seien dann Mittel zurückgefordert oder Vergaberichtlinien überarbeitet worden. Allerdings könne er im Einzelfall kriminelle Energie nicht ausschließen. Staatskanzleichef Reiner Robra verteidigte Haseloff: "Es gab und gibt keinerlei Verbindung des damaligen Ministers und heutigen Ministerpräsidenten zu den fraglichen Unternehmen oder den dahinterstehenden Personen."
Opposition sieht weiter offene Fragen
Die Linksfraktion hatte eine Debatte zum sogenannten Dessauer Spenden- und Fördermittelskandal verlangt. Konkret geht es um Millionensummen für fingierte Bildungsmaßnahmen. Das Wirtschaftsministerium mit dem damaligen Minister Haseloff hatte im Jahr 2006 Fördermittel für Weiterbildungskurse an mehrere Dessauer Unternehmen gezahlt. Diese Fortbildungsmaßnahmen fanden jedoch gar nicht oder nur zum Teil statt. Haseloff soll sich dabei besonders engagiert haben - nach eigener Aussage, um Fördergelder zu sichern. In dem Fall ermittelt die Justiz gegen 15 Personen. Geförderte Unternehmen sollen dann später der CDU Dessau-Roßlau 1.500 Euro gespendet haben.
Linke-Fraktionschef Wulf Gallert sagte im Landtag, es gehe nicht in erster Linie um Haseloff. Er mache ihm gar nicht den Vorwurf, Druck bei der Vergabe der Fördermittel gemacht zu haben, um gezielt CDU-Spenden zu bekommen. Aber objektiv sei Druck ausgeübt worden und es seien Spenden geflossen. Gallert sprach von einem "weitverzweigten Netzwerk mit politischer Dimension". Auch Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert sieht die Zweifel nicht ausgeräumt. Mit Blick auf die Verbindungen der Verdächtigen, der CDU sowie einem Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums sagte sie: "Der Fisch stinkt vom Kopf her."
Privatdetektiv entlastet Haseloff
Rückendeckung bekommt Haseloff von einem Privatermittler, der den Fall im Jahr 2008 im Auftrag der Industrie- und Handelskammer untersuchte. Der frühere Kriminalbeamte Burker-Wieland Jüngling sagte am Rande der Landtagssitzung, während seiner Ermittlungen sei Haseloffs Name zu keinem Zeitpunkt in irgendeinem Zusammenhang aufgetaucht. Es habe damals auch keine Hinweise auf CDU-Spenden gegeben. Jünglings Ermittlungen hatten dann zur Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft geführt und die juristischen Ermittlungen ausgelöst.
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