MDR INFO | Hörer machen Programm | 17.10.2012 : Liegen noch Minen aus DDR-Zeiten im Grünen Band?
Wo einst Stacheldraht den Grenzstreifen zwischen beiden deutschen Staaten markierte, liegt das Grüne Band - ein idyllischer Streifen und Biotopverbund.
Eigentlich sollten hier keine Minen aus DDR-Zeiten mehr liegen. Doch bis zu 33.000 Minen werden bis heute vermisst. Das Land Thüringen weist in einer Studie sogar 42 gefährdete Gebiete aus. Doch wie riskant ist es in diesem Gebiet wirklich? Das fragt MDR INFO-Hörer Wolfgang Mahret aus dem thüringischen Unterbreizbach. Er hat die Flächen seines Großvaters nach der Wende zurückgekauft.
Laut Bundesverteidigungsministerium gilt der Grenzstreifen seit 1995 als "nach menschlichem Ermessen" minenfrei. Bereits die DDR ließ die Minen räumen und nach der Wende pflügte die Bundeswehr mehrfach den Grenzstreifen um. Doch das Thüringer Umweltministerium ließ zwanzig Jahre nach der Wende noch einmal in der Vergangenheit graben. Für Sprecher Andreas Maruschke war es ein notwendiger Schritt. "Minensuche hat es mindestens zwei Mal gegeben, auch eine Bergung. Trotzdem ist es immer wieder passiert, dass zum Beispiel Pilzsucher auf eine Miene gestoßen sind. In dieser Frage gibt es eine Restunsicherheit."
Informationskette als eigentliches Risiko?
Eigentlich wollte das Ministerium damit der landeseigenen Stiftung helfen, die große Teile des Grünen Bandes pflegt. Doch jetzt sorgt die Studie für Verwirrung. Ob wirklich Minen im Boden liegen, ist trotzdem unklar. Deswegen hält das Ministerium die Studie geheim. Bürgermeister Roland Ernst ist wegen der schlechten Informationslage verärgert: Schließlich musste er auf die betroffenen Eigentümer zugehen. "So wie es jetzt lief, dass das Landesverwaltungsamt die Landkreise informiert, die Landkreise die Gemeinden und die Gemeinden die Grundstückseigentümer ... Das ist meiner Meinung nach schon eine Frechheit, wenn wirklich eine Gefahr besteht. Aber ich gehe davon aus, dass es keine gibt. Man will dem Gutachten wohl im gewissen Sinne Rechnung tragen, indem man einen gewissen Aktionismus startet."
Minen in fließenden Gewässern
Noch einmal nach Minen zu suchen hält Burghard Kehring für keine gute Idee. Er hat bei der NVA als Hauptmann gedient. Nach der Wende räumte er bei der Bundeswehr die Minenfelder an der innerdeutschen Grenze. Dabei wurden die betroffenen Stellen bis zu 35 Mal umgepflügt. "Wir haben alles Menschenmögliche getan, um diese Gefahr zu beseitigen. Es kann natürlich sein, dass sich am Uferrand der Ulster oder mittendrin noch Minen im Wasser befinden können. Aber die zu finden, hieße eine Nadel im Heuhaufen suchen."
Unklare Lage macht es nicht einfach
So wurden zwar noch alte Sprengkörper gefunden, aber ernsthafte Zwischenfälle gab es in den vergangenen Jahren nicht. Denn nur ein Minentyp, die PPM-2, könnte heute gefährlich werden. Das aber nur, wenn keine Feuchtigkeit ins Gehäuse gelangt ist. Während sich Verwaltung und Experten streiten, hat die Studie für Schäfer Thomas Lückert bereits wirtschaftliche Folgen. Die Förderung für die betroffenen Stellen wird ihm gestrichen. Denn das Land Thüringen hat eine Fürsorgepflicht. "Daraus ergibt sich, dass die nicht dürfen. Weil sie nicht dürfen, können sie auch 24 Stunden meine Flächen nicht begutachten, nicht kontrollieren und somit ist die Förderfähigkeit nicht mehr gegeben." Die vermissten Minen allerdings könnten bereits heute an Flußläufen weit im Landesinneren liegen. Für Eigentümer, wie Wolfgang Mahret, bleibt die Unsicherheit. Denn erst eine weitere Studie des Umweltministeriums soll die genaue Gefahr und Lösungswege zeigen.
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