MDR INFO : Rowling legt Erwachsenen-Roman vor
Seit Donnerstag liegt ein neues Buch der Bestseller-Autorin Joanne K. Rowling in den Buchläden. Die Schöpferin der "Harry Potter"-Geschichte legt damit ihren ersten Roman für Erwachsene vor. Das Buch "Ein plötzlicher Todesfall" erscheint in einer Auflage von 500.000 Exemplaen im Carlsen Verlag. Es handelt von den Ereignissen nach dem überraschenden Tod eines Gemeinderatsmitglieds in einer englischen Kleinstadt und gilt als erster Roman der 47-Jährigen für Erwachsene. Der kaufmännische Direktor von Carlsen, Joachim Kaufmann, hat mit MDR INFO über die Entstehung des Buches gesprochen.
Herr Kaufmann, gehörten Sie zu dem kleinen Kreis Auserwählter, die das Buch vorab lesen durften?
Ich gehöre glücklicherweise zu den wenigen Auserwählten, die es vorher lesen durften und war nach dieser heimlichen Lektüre sehr, sehr begeistert, was mich auch gefreut hat, denn, als wir es eingekauft haben, wussten wir nur so ungefähr, was drinsteht.
Wie mussten Sie das Buch lesen? Sicherlich nicht zu Hause abends im Bett?
Doch, ich habe es mit nach Hause genommen. Ich habe es unkenntlich gemacht, dass man nicht sieht, was ich lese, da ich nur Kopien gelesen habe...
Können Sie uns kurz etwas zum Inhalt sagen?
Es ist eine Geschichte, die in einer englischen Kleinstadt spielt mit sehr vielen unterschiedlichen sozialen Milieus. Es beginnt im Prinzip damit, dass die Hauptperson stirbt. Da die Hauptperson eine wichtige Rolle in der Politik dieser Kleinstadt spielt, bleibt dort eine Stelle frei, um die sich sehr viele Rangeleien ergeben und die Abgründe der menschlichen Seele, sowohl in den internen Familienangelegenheiten als auch um diese Stelle in der Politik, werden da wunderbar von der Autorin ausgearbeitet.
Diese Abgründe kann Frau Rowling auch gut beschreiben? Sie hat ja auch bei "Harry Potter" mit ziemlich vielen Abgründen zu tun gehabt...
Sie hatte mit sehr vielen Abgründen bei "Harry Potter" zu tun, aber ich glaube, bei "Harry Potter" waren die Figuren meistens - selbst die bösen Figuren - nicht eindimensional. Und das gelingt ihr hier wieder hervorragend, dass sie ganz interessante, ganz liebenswerte, hassenswerte Personen erfindet, die man in irgendeiner Form verstehen kann. Personen, die sich vielleicht so verhalten, wie man sich nicht selber verhalten möchte, aber man dann das eine oder andere Mal doch denkt, ach ja, so was ist mir doch auch schon mal passiert.
Frau Rowling hat ja ziemlich heftige Bedingungen gestellt, was die Geheimhaltung betrifft. Wie haben Sie es denn angestellt, dass nichts an die Öffentlichkeit gekommen ist?
Wir haben bei diesem Buch - ähnlich wie bei "Harry Potter", wo wir unter ähnlichen Herausforderungen gearbeitet haben - sehr darauf geachtet, mit unterschiedlichen Sicherheitsmaßnahmen bei den Druckereien zu arbeiten. Wir haben unsere Übersetzer direkt nach London geschickt in den Original-Verlag. Wir haben einfach sehr verschärfte Sicherheitsmaßnahmen getroffen, dass dieser Inhalt nicht vorab in die Öffentlichkeit gelangt, weil bei so einer Autorin wie Frau Rowling interessieren sich eine Million Leute dafür, was dort passiert und das wollten wir bewusst nicht vorab im Internet sehen.
Sicherheitsverkehrungen - können wir das noch ein bisschen konkreter machen? Ich habe gelesen, dass die Laptops der Übersetzer angekettet waren. Ist das richtig?
Ja, es sind viele Details in den Sicherheitsvorkehrungen. Wir haben die Druckerei in einem eigenen Bereich produzieren lassen, der abgesperrt gewesen ist. Die Mitarbeiter durften keine Handys in diesen Bereich mitnehmen, damit nicht fotografiert werden kann. Die Übersetzer sind, wie gesagt, in London, in einem fest versperrten Raum eingeschlossen worden, sodass die auch keine Verbindung zur Außenwelt hatten, auch kein Internet, sodass nicht irgendwie die Computer gehackt werden können und so weiter. Das ist eine ganze Menge, weil es auch eine ganze Menge kriminelle Energie durchaus auch auf Medienseiten gibt, an so einen durchaus interessanten Inhalt ranzukommen.
