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MDR INFO | Verbraucherservice | 20.07.2011 : Ökofonds versprechen mehr, als sie halten

von Karsten Möbius

Wer in Sonne, Wind und Wald investiert, macht das in der Regel nicht nur der Gewinne wegen, sondern auch, um ein gutes Gewissen zu haben. Der will mit seinem Geld Umweltprojekte fördern. Allerdings geht es auch nicht darum, sein Geld zum Fenster rauszuschmeißen, sondern um Gewinn zu machen. Schließlich steckt man das Geld in Technologien, denen die Zukunft gehören soll.

Die Sonne spiegelt sich in einem Solarpanel.
Solarstrom ist eine saubere Sache, Kapitalanlagen in solche Projekte sind es zumindest für Kleinanleger nicht immer.

Renditeversprechen kaum einzuhalten

Die Zeitschrift "Finanztest" fällt jetzt nach der Überprüfung von acht geschlossenen Fonds, die sich mit Umweltprojekten befassen, ein ernüchterndes Urteil. Ariane Lauenburg von der Stiftung Warentest zufolge war die beste Note ein "befriedigend", weil die Wahrscheinlichkeit, dass die erwarteten Gewinne von bis zu zehn Prozent fließen, extrem gering sei. Das liege insbesondere an den hohen Kosten, die die Initiatoren kassieren: "Wenn jemand erstmal 30 Prozent der Anlagesumme abzieht für eigene Kosten und den Rest investiert, dann ist es relativ unwahrscheinlich, dass so hohe Renditen erwirtschaftet werden."

Geschlossene Fonds untersucht

Was die Stiftung Warentest da herausgefunden hat, betrifft geschlossene Fonds, die in ökologische Projekte investieren. Diese Art von Fonds ist nichts für den Otto-Normal-Anleger, weil sie in der Regel viel Geld investieren müssen, auf das sie lange nicht mehr zugreifen können, oft bis zu 20 Jahre. Oliver Brand von der Umweltbank erklärt dazu: "Wir weisen unsere Kunden explizit darauf hin, dass es sich hier um ein Angebot handelt, was durchaus mit Chancen verbunden ist, aber auch mit hohen Risiken. Denn in einem geschlossenen Fonds beteiligt man sich an einem Unternehmen und trägt auch das unternehmerische Risiko."

Ungerechtfertigtes Vertrauen in falsche Anlageformen

Die Umweltbank macht also speziell auf diese Gefahren aufmerksam und die Ethik Bank bietet diese Anlageform gar nicht an. Warum haben also die Warentester so ein Segment untersucht, das gar nicht für die breite Masse taugt? Wie Ariane Lauenburg erklärt, suchen zum einen im Moment sehr viele Anleger nach Öko-Beteiligungen, zum anderen würden sich diese Anbieter insbesondere an Kleinanleger wenden, für die solch langfristige Unternehmensbeteiligungen gar nicht angelegt seien. Damit wird nach Meinung der Finanztester das Vertrauen missbraucht, in Öko-Projekte zu investieren. Mit dem grünen Trend tummelten sich immer mehr skrupellose Finanzjongleure auf diesem Sektor, warnt Lauenburg. Für viele Interessenten hätten alleine die Begriffe Öko oder Umwelt einen Vertrauensbonus – zu Unrecht.

"Es ist völlig falsch, irgendwelchen Ökoanlagen einen Vertrauensbonus einzuräumen, denn die sind genauso konstruiert wie andere Anlagen auch. Oft sind sie eben teurer, weil die Anbieter die Einspeisevergütung, die es für Solarenergie gibt, mit einrechnen und dann eben sagen: Wir können ja höhere Kosten nehmen. Das fällt gar nicht auf, weil wir ja über die Vergütung ganz gute Renditen erzielen können."

Ariane Lauenburg, Stiftung Warentest
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Nach Projekten vor der Haustür suchen

Windrad
Lokale Ökostromprojekte sind oft die bessere Anlagealternative.

Was also tun, wenn man sich durch solche Nachrichten nicht davon abschrecken lassen will, in nachhaltige Energien und Umweltprojekte zu investieren? Die Warentesterin empfiehlt, sich die vorherigen Projekte des Anbieters anzusehen. Habe er sie erfolgreich durchgezogen, sei das ein gutes Zeichen. Dann könne man davon ausgehen, dass das auch in Zukunft gelingen werde. Lauenburg rät Anlegern außerdem, nach Projekten vor der eigenen Haustür Ausschau zu halten, beispielsweise eine Windkraftanlage, an der sich Bürger der Stadt beteiligen. Da seien die Kosten in der Regel niedriger und in der Vergangenheit sehr gute Renditen erzielt worden.

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2011, 17:58 Uhr

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