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50 Jahre Sex, Drugs and Rock'n'Roll : "Wer die Rolling Stones sieht, glaubt ans Überleben"

Wer heute durch die Londoner Oxford Street bummelt, erkennt kaum, dass im Haus Nummer 165 Musik-Geschichte geschrieben wurde. Eine Bank-Filiale findet sich dort. Doch vor 50 Jahren war hier der "The Marquee". Und dort hatten am 12. Juli 1962 die Rolling Stones ihren ersten Auftritt. Mit ihrer Musik wurden sie reich und weltberühmt, beeinflussten unzählige Bands. Und auch in der DDR hatten die Stones Fans - obwohl die SED-Führung von Sex, Drugs and Rock'n'Roll gar nichts hielt. Stefan Maelck ist an der Ostsee groß geworden, heute Musikredakteur beim MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNK, spielt nach eigenem Bekunden Luftgitarre.

Kniend demonstriert der Gitarrist der Rock-Gruppe "The Rolling Stones", Keith Richard, am Donnerstag (10.9.98) in der Berliner Waldbühne sein Können auf der elekrischen Gitarre, während Sänger Mick Jagger (im Hintergrund) das Publikum begrüßt.

Stefan Maelck, Sie sind an der Ostsee groß geworden, heute Musikredakteur bei MDR FIGARO. Was war denn Ihre erste Rolling Stones-Platte?

Meine erste Platte war "Black and Blue", ein Album das 1976 erschienen ist. Da war ich 13. Die hatte ich nicht als eigenes Album, die hatte ich ausgeliehen von Freunden. Wir hatten so einen Ring, wie es in der DDR viele gab, wie man auch im Film "Sonnenallee" gut sehen kann. Platten wurden zu hohen Preisen gekauft und dann weiterverliehen und auf Spulentonbänder überspielt.

Bei mir war das "Black and Blue" - ein Album, das ich bis heute sehr liebe, vor allem für zwei Balladen, nämlich "Memory Motel" und "Fool to cry". Es war die erste Platte mit Ronnie Wood als neuem Gitarristen. Ronnie, der ja bis heute als der Neue bei den Stones gilt.

Jetzt waren ja die Stones bei der SED-Führung verpönt. Konnte man in den 1970er-Jahren noch Ärger bekommen, wenn man das irgendwo aufgeführt hat oder selber zu Hause gehört hat?

Sänger Mick Jagger (l) und Gitarrist Keith Richards (r) während des Auftritts der britischen Rock-Band "The Rolling Stones" am 16. Juni 1976 in Zürich.
Die Rollings Stones 1976 in Zürich.

Zu Hause nicht! Aber auf Diskotheken, weiß ich noch, war es wohl sehr gefährlich, Stücke zu spielen in den 1970ern, in den 1980ern nachher nicht mehr. 1982 erschien dann ja auch bei Amiga ein Album mit ein paar frühen Stones Songs, also eher so die harmlosen. Aber als ich anfing zur Disko zu gehen, da lief dann schon "Satisfaction" und "Under My Thumb" und "Heart of Stone", also die großen Nummern, die haben die DJs schon gespielt.

Man musste nur aufpassen bei den AWA-Listen. Das ist, was heute die GEMA ist. Dass man da irgendwas anderes eingetragen hat, irgendeine nette Band aus dem Nachbarland, "Rote Gitarren", "Budka Suflera" oder "Omega". Am besten war's immer, wenn man "Puhdys" da eingetragen hat.

In den frühen Jahren, da war die Frage "Beatles" oder "Stones" fast schon eine Religionsfrage. Warum konnte man denn nicht beides mögen?

The Beatles
Beatles oder Stones? - Von Industrie erfundene Frage.

Man konnte beides mögen. Ich habe immer beides gemocht. "Beatles oder Stones" ist etwas, das die Musikindustrie erfunden hat. Das ist ein Konflikt, der später noch mal fortgesetzt wurde. Später bei "Oasis" hat man versucht, die Band gegen "Blur" auszuspielen. Das hat man auch gemacht zu Beatles- und Stones-Zeiten. Das ist natürlich totaler Quatsch gewesen. Damit wollte man Verkäufe ankurbeln, damit wollte man Zugehörigkeiten klarmachen, um die es den Bands gar nicht ging.

Die Beatles hatten viel besseres zu tun, als sich mit einer anderen Band anzulegen, und die Stones auch. Man stand wahrscheinlich schon im Wettbewerb, aber dieses "Hörst Du Beatles oder hörst Du Stones?", "Hast Du einen Shell Parka an oder trägst Du, auch wenn's noch so kalt ist, immer nur 'ne Jeansjacke?", dieser komplette Schwachsinn, der ist an mir schon immer vorbeigegangen.

"Die Beatles hatten viel besseres zu tun, als sich mit einer anderen Band anzulegen, und die Stones auch."

Musikredakteur Stefan Maelck
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Welche Bedeutung haben die Stones denn heute noch, auch für junge Bands?

Ron Wood, Gitarrist der Rolling Stones.
Ron Wood wurde 1975 ein Rolling Stone

Ob es für ganz junge Bands die Stones sind, die eine große Rolle spielen? Ich glaube, das sind eher so Nachfolgebands, also "Black Keys" und andere eher schmutzige Rockbands, die das Erbe der Rolling Stones angetreten haben. Ich denke so für meine Generation, Ende vierzig und dann 50, 60 - da spielen die Stones eine große Rolle. Die Leute gehen auch noch auf die Konzerte, die geben das Geld auch aus, weil sie es zum Teil auch können. Ein Student kann kaum -denke ich mal- 120 Euro für ein Ticket für die Rolling Stones ausgeben.

Und die Stones stehen ja auch für das Überleben im Rock 'n' Roll: wenn man die Stones auf der Bühne sieht, dann ist egal, was der Hausarzt gesagt hat, bevor man auf's Konzert gegangen ist. Man glaubt an's Überleben, wenn man die Jungs sieht. Wenn man Keith Richards sieht und weiß, was der hinter sich hat, das ist ja, als wenn man mit Helmut Schmidt verwandt ist. Man kann einfach weiter rauchen und weiter trinken. Ich glaube, da kriegt der Rock 'n' Roll so eine psychologische Ebene.

"Wenn man Keith Richards sieht und weiß, was der hinter sich hat, das ist ja, als wenn man mit Helmut Schmidt verwandt ist. Man kann einfach weiter rauchen und weiter trinken."

Musikredakteur Stefan Maelck
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Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2012, 13:53 Uhr

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