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MDR INFO | Hörer machen Programm | 22.02.2012 : Warum sollen Eltern der Fröbelschule für Fahrtkosten zahlen?

Freie Schule oder staatliche Schule - eine Frage, die Eltern schulpflichtiger Kinder immer häufiger bewegt. Ist doch der Ruf der staatlichen Schulen nicht der allerbeste. Noch komplizierter wird es aber, wenn es um gehandicapte Kinder geht, für deren Entwicklung eine sonderpädagogischen Förderung empfohlen wird. Hörer Thomas Meisen aus Saalfeld möchte wissen, wie es sein kann, dass 21 Schüler plötzlich nicht mehr die Kriterien für den Besuch der freien Fröbelschule in Keilhau erfüllen sollen.

von Christian Werner

Die Knirpse der Sprachheilschule Keilhau im Fröbelmuseum

Zu Gast in der Freien Fröbelschule Keilhau bei Rudolstadt, es ist Mathematikunterricht. Fünfzehn Schüler werden von einer Lehrerin und einer sonderpädagogischen Fachkraft betreut. Keiner kommt zu kurz. Alltag in Keilhau, einem sprachtherapeutischen Heilzentrum, in dem Kinder mit Sprachschwierigkeiten lernen und denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert wurde. Die Schule ist exzellent ausgestattet. Die Kinder können hervorragend betreut werden. Es ist Schulleiterin Sandra Pehle anzumerken, dass sie stolz auf ihre Einrichtung ist. "Das Besondere ist der Unterricht in ganz kleinen Klassen. Dazu haben wir Ganztagsbetreuung und Sonderschulpädagogen als Zweitbesetzung im Unterricht, so dass die Schüler individuell auf ihre Förderpläne abgestimmt gefördert werden."

Zweierlei Maß bei der Förderung?

Die 152 Förderkinder kommen aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Für einige Schüler steht der Schulbesuch aber auf der Kippe. Und das hat mit den Transportkosten zu tun, die bislang der Landkreis übernommen hat. Seit dem 1. Januar ist das jedoch anders. Bei 21 Schülern fällt der komplette Zuschuss weg. Begründung: Diese könnten ein staatliches Förderzentrum besuchen. Angela Ortelbach, Fachbereichsleiterin im sprachheiltherapeutischen Zentrum kann das nicht nachvollziehen: "Also, wir versuchen seit mehreren Monaten von der Schulverwaltung bzw. vom Schulverwaltungsamt die genauen Kriterien zu erfahren. Leider ist das nicht gelungen, auch nicht in einer separaten Veranstaltung mit den Eltern." Kinder, deren Gutachten fast identisch seien, würden auf einmal unterschiedlich eingestuft. Ein völlig undurchsichtiges Vorgehen, finden die Lehrer und Eltern.

Amt erstattet nur einen Teil

Im Landratsamt Saalfeld weist man die Vorwürfe von sich. Eine Arbeitsgruppe des Schulamtes habe aufgrund der Gutachten beurteilt, welche Kinder staatliche Schulen besuchen können und welche nicht. Doch ins Mikrofon möchte das niemand sagen. Schriftlich heißt es. "Bei diesen 21 Kindern trägt der Landkreis die Beförderungskosten zum nächstgelegenen staatlichen Förderzentrum. Wenn die Schüler auf der Fröbelschule Keilhau verbleiben wollen, werden die Kosten bis zum staatlichen Förderzentrum erstattet, die Mehrkosten bis Keilhau müssen die Eltern aber selbst zahlen."

Eltern enttäuscht von der Landespolitik

Bei MDR INFO-Hörer Thomas Meisen sind das immerhin fast 1.000 Euro im Jahr. Die Eltern machen die Thüringer Landespolitik mitverantwortlich. Elternsprecher Peter Voigt sieht die freien Schulen vom Kultusministerium in Erfurt benachteiligt. Es werde der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderungen propagiert. Um den gemeinsamen Unterricht dann aber auch entsprechend machen zu können, müssen die personellen und sächlichen Voraussetzungen vorhanden sein, um das in hoher Qualität durchführen zu können. Und das ist zur Zeit in Thüringen nicht gegeben."

Affront gegen die freien Schulen?

Eltern und Lehrer vermuten, dass die Freien Schulen im Freistaat kürzer gehalten werden sollen und verweisen auf das Gesetz über Schulen in Freier Trägerschaft. Tatsächlich ist es nicht unumstritten. Die Grünen werfen der Landesregierung vor, die freien Schulen zu benachteiligen, was dem Grundgesetz zuwiderlaufe. Astrid Rohde-Beinlich, Parlamentarische Geschäftsführerin der Bündnisgrünen im Erfurter Landtag: "Wir meinen, dass alle Schulen gleiche Chancen und Rahmenbedingungen brauchen und dass uns alle Kinder gleich viel wert sein müssen, egal welche Schule sie besuchen. Wir sehen hier das Gleichstellungsgebot verletzt, weil eine Kürzung der finanziellen Mittel mit der Gesetzesnovellierung einherging." Deswegen haben die Grünen gegen das Gesetz geklagt. Den Eltern der 21 Schüler wird das vorerst nicht helfen. Sie werden weiterhin auf den Transportkosten sitzen bleiben.

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2012, 15:50 Uhr

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