Verbrauchertipps

MDR INFO | Verbraucherservice | 11.07.2011 : Dubiose Faxe mit Börsentipps

von Stefan Zimmermann

Wenn ich nur wüsste, was sonst noch keiner weiß: Dieser Wunsch beflügelt viele Börsenphantasien. Welche Firma bringt bald große Dinge auf den Markt? Oder wo steht eine Übernahme bevor? Wenn ich so etwas vor allen anderen erfahre, kann ich schnell Aktien kaufen und werde reich, wenn die Kurse steigen. Mit solchen Hoffnungen spielt ein Fax, das massenhaft verschickt wurde. Inzwischen warnt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin vor dem Papier.

"Und zwar handelt es sich dabei um handschriftlich verfasste Schreiben, die sich an einen 'Holger' richten und mit 'Wolfgang' unterzeichnet sind. Darin wird auf eine angeblich bevorstehende Übernahme von zwei Gesellschaften hingewiesen und dem Empfänger des Telefaxes empfohlen, Aktien zu erwerben. Dabei werden Kursgewinne von 250 bis 300 Prozent in Aussicht gestellt."

Anja Engelland von der Bafin

Große Wirkung an der Börse

Das Ganze erweckt den Eindruck: Hier will ein 'Wolfgang' einem 'Holger' einen ganz heißen, und übrigens verbotenen, Insider-Tipp geben und dann hat er das Fax an die falsche Nummer geschickt. Aber in Wirklichkeit ist das alles Schmu. Eine Übernahme gibt es so wenig wie 'Holger' und 'Wolfgang'. Und geheim war der Tipp auch nicht. Viele haben ihn bekommen und genutzt. Und das hatte Folgen an der Börse.

"Bei den beiden betroffenen Werten war es so, dass vorher keine Umsätze bzw. nur ganz geringfügige stattgefunden haben. Am Tag der Versendung der Faxe haben wir bei einem Wert einen Umsatz von mehr als 1,3 Millionen Aktien hatten. Und bei der zweiten betroffenen Aktie sogar einen Umsatz von vier Millionen Aktien."

Anja Engelland von der Bafin

Betrüger machen Reibach

Alte Ladenhüter wurden massenhaft gehandelt. Der Kurs der Aktien hat sich verdoppelt. Das alles nur wegen einem Fax. Und der findige Absender hat davon profitiert. "Also, er wird sich vorher mit günstigen Aktien eingedeckt haben in der Erwartung, dass der Kurs nach oben geht, und er sich gewinnbringend von seinen Aktien trennen kann." Gewinn macht aber wirklich nur der Absender der Faxe – weil er schnell genug verkauft – bevor der Schwindel auffliegt. Dagegen bleiben die Träumer, die das Fax ernst genommen haben, auf ihren Aktien sitzen.

"Man kann allen Anlegern nur dringend raten, die Finger von solchen Kaufempfehlungen zu lassen. Sie müssen sich immer vergegenwärtigen, wenn der Hype um diese Aktie vorbei ist und sie haben diese Aktien gekauft, gibt es definitiv keinen Markt mehr für diese Papiere und sie bleiben auf einem Riesenverlust sitzen." 

Anja Engelland von der Bafin

Polizei ermittelt

Für den Betrüger hat die Sache aber auch einen Haken: Ihm drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Allerdings nur, wenn die Bafin ihn erwischt. "Und wenn Sie sich das Fax ansehen, erweckt es so den Anschein, dass das Fax von den Cayman Islands kommt. Das Problem ist, dass die Adresszeilen in den Faxen manuell eingestellt werden können. Letztlich wird man den Absender von der Polizei überprüfen lassen müssen." Ähnliche Faxe oder auch E-Mails werden immer wieder verschickt. Sie können tatsächlich aus aller Welt kommen. Und nicht immer finden Polizei oder Bafin den Absender.

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2011, 16:45 Uhr

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