MDR INFO | Verbraucherservice | 11.07.2011 : Dubiose Faxe mit Börsentipps
Wenn ich nur wüsste, was sonst noch keiner weiß: Dieser Wunsch beflügelt viele Börsenphantasien. Welche Firma bringt bald große Dinge auf den Markt? Oder wo steht eine Übernahme bevor? Wenn ich so etwas vor allen anderen erfahre, kann ich schnell Aktien kaufen und werde reich, wenn die Kurse steigen. Mit solchen Hoffnungen spielt ein Fax, das massenhaft verschickt wurde. Inzwischen warnt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin vor dem Papier.
Große Wirkung an der Börse
Das Ganze erweckt den Eindruck: Hier will ein 'Wolfgang' einem 'Holger' einen ganz heißen, und übrigens verbotenen, Insider-Tipp geben und dann hat er das Fax an die falsche Nummer geschickt. Aber in Wirklichkeit ist das alles Schmu. Eine Übernahme gibt es so wenig wie 'Holger' und 'Wolfgang'. Und geheim war der Tipp auch nicht. Viele haben ihn bekommen und genutzt. Und das hatte Folgen an der Börse.
Betrüger machen Reibach
Alte Ladenhüter wurden massenhaft gehandelt. Der Kurs der Aktien hat sich verdoppelt. Das alles nur wegen einem Fax. Und der findige Absender hat davon profitiert. "Also, er wird sich vorher mit günstigen Aktien eingedeckt haben in der Erwartung, dass der Kurs nach oben geht, und er sich gewinnbringend von seinen Aktien trennen kann." Gewinn macht aber wirklich nur der Absender der Faxe – weil er schnell genug verkauft – bevor der Schwindel auffliegt. Dagegen bleiben die Träumer, die das Fax ernst genommen haben, auf ihren Aktien sitzen.
Polizei ermittelt
Für den Betrüger hat die Sache aber auch einen Haken: Ihm drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Allerdings nur, wenn die Bafin ihn erwischt. "Und wenn Sie sich das Fax ansehen, erweckt es so den Anschein, dass das Fax von den Cayman Islands kommt. Das Problem ist, dass die Adresszeilen in den Faxen manuell eingestellt werden können. Letztlich wird man den Absender von der Polizei überprüfen lassen müssen." Ähnliche Faxe oder auch E-Mails werden immer wieder verschickt. Sie können tatsächlich aus aller Welt kommen. Und nicht immer finden Polizei oder Bafin den Absender.
