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Gesundheit : Mediziner kämpfen gegen überflüssige Operationen

In Deutschland wird deutlich mehr operiert als etwa in Frankreich, Großbritannien oder Schweden. Dabei sind die Deutschen nicht etwa kränker als andere, sondern offensichtlich kassieren viele Mediziner auf diesem Wege kräftig ab. Um überflüssige chirurgische Eingriffe zu vermeiden, hat eine Gruppe namhafter Mediziner ein Beratungs-Portal im Internet eingerichtet, auf dem Patienten vor einer OP überprüfen lassen können, ob ein Eingriff notwendig ist.

Nach Einschätzung des Heidelberger Mediziners Professor Hans Pässler wird ein Großteil der Patienten unnötig operiert. Der Kniespezialist, der schon prominente Sportler wie Steffi Graf oder Bastian Schweinsteiger behandelt hat, sagte MDR INFO: "Wenn bei Schmerzen ohne Kernspin oder Röntgenbild gleich zur Arthroskopie geraten wird, dann ist das sicher nicht gut." Gelenkschmerzen könnten oft auch physiotherapeutisch behandelt werden. Nach Auffassung von Pässler gibt es schwarze Schafe unter den Chirurgen, die aus finanziellen Gründen schnell zum Skalpell griffen, "damit sie ihre OP-Saal-Mieten bezahlen können oder um ihre Krankenhäuser zu füllen". Deshalb haben Pässler und Kollegen das Internetportal www.vorsicht-operation.de gegründet. Dort können Patienten ihre Befunde hochladen und sich eine Zweitmeinung von Spezialisten einholen.

Versicherte haben Recht auf Zweitmeinung

Die Techniker Krankenkasse sieht es grundsätzlich positiv, wenn eine zweite Meinung eingeholt wird, um überflüssige chirurgische Eingriffe zu vermeiden. TK-Sprecherin Nicole Ramcke sagte MDR INFO: "Bei anstehenden Operationen ist eine zweite Meinung oft sehr hilfreich für Patienten. Denn bei Operationen kann ja einiges passieren. Es können Nerven und Gefäße geschädigt werden, es geht auch um Anästhesie und es können Narben entstehen." Ramcke verweist darauf, dass jeder Versicherte in Deutschland das Recht habe, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Gesetzliche Kassen bezahlten diese Untersuchungen beim Facharzt. Außerdem biete zum Beispiel die TK ihren Mitgliedern eine kostenlose Telefonberatung an. Zusätzlich hätten Patienten vor einer Operation die Möglichkeit, sich in einem Schmerzzentrum untersuchen zu lassen. Ramcke: "Nach ersten Schätzungen wurde in 85 Prozent der Fälle von einer Operation abgeraten." Diese Zahlen sind angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen erschreckend. 

Private Kassen übernehmen Kosten für Online-Gutachten

Das Portal will demnächst starten. Ein Gutachten bei Vorsicht-Operation.de kostet je nach Umfang 200 bis 600 Euro. Bisher haben zwei private Krankenversicherungen signalisiert, dass sie die Kosten übernehmen wollen.

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2011, 16:44 Uhr

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