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MDR INFO | Büchermarkt : "Warten auf Frauen"

von Karsten Möbius

Es gibt Dinge, die passieren einfach, die werden hingenommen, ohne groß darüber nachzudenken. Beispielsweise, dass Männer ständig auf Frauen warten müssen. "Das ist so und so bleibt es, Punkt!", meint Autor Moritz Petz, der offensichtlich nicht nur klug genug war, über das Thema zu philosophieren, sondern auch ein Buch geschrieben hat.

Insgesamt wartet ein Mann in seinem Leben ein Jahr lang auf Frauen. Vor Kindergärten, an der Wohnungstür, wenn man gerade los will, beim Shoppen in der Stadt. Das hat eine englische Studie ergeben. Der Schriftsteller Moritz Petz hält dieses Phänomen für allgegenwärtig. Er ist überzeugt, dass es kaum einen Mann gibt, der diese Erfahrungen nicht teilt.

"Als ich mich ein bisschen umgehört habe, war das Gestöhne allgemein. 'Das kenne ich'. Und offenbar kann jeder Mann aus dem Stand Wartegeschichten erzählen. Das ist schon eine durchgehende Sache. Scheint irgendwie so eingebaut zu sein."

Autor Moritz Petz

Moritz Petz geht davon aus, dass sich das nicht ändern lässt, weil Frauen anders ticken als Männer. Hinweise, doch bitte am Zeitmanagement zu arbeiten, seien völlig sinnlos. Ich beispielsweise versuche meiner Frau immer beizubringen: "Wenn man um eins los will, muss man mindestens Dreiviertel aus dem Bad raus sein. Und wenn man weiß, man braucht eine halbe Stunde, dann geht man eben Viertel rein. Ganz einfach!"

"Nein, ich mach Ihnen da keine Hoffnung, weil das funktioniert bei Frauen ganz anders als bei Männern. Da kommen dann immer noch viele kleine Sachen dazwischen. Da muss sie sich halt noch das Outfit überlegen. Ein paar Sachen ausprobieren und dann wieder zur Ausgangsidee zurückkehren. Und das alles kostet Zeit. Wenn dann zwischendurch das Telefon klingelt, muss sie noch am sozialen Netzwerk arbeiten. Da kann sie nicht gleich auflegen. Da laufen Prozesse ab, damit sind auch Frauen oft überfordert."

Autor Moritz Petz

Und weil man das nicht ändern kann, leidet Moritz Petz zwar immer noch, aber er leidet klüger. Nachdem er sich mit diesem Phänomen beschäftigt hat, trägt er ständig einen Notizblock dabei. Er nutzt das Warten zum Denken und notiert sich tolle Ideen. Er hat ständig ein Buch dabei, um sich die Zeit zu vertreiben. Auch das Handy zum Spielen ist ganz nützlich. Und er hat sich im Flur eine kleine Bücherecke eingerichtet mit einem kleinen Sessel.

"Also wenn Ihre Frau sagt: 'Jetzt geht's los' und sie wissen 'Okay, das dauert noch mindestens eine Viertel Stunde', dann schnappen Sie sich ein gutes Buch und rücken sich Ihren Sessel zurecht. Aber: Ziehen sie vorher Ihren Mantel an und setzen sie Ihren Hut auf, falls Sie einen tragen. Sonst hören Sie sich an, dass man immer auf Sie warten muss."

Autor Moritz Petz

Mit diesem 'erfüllten Warten', schreibt Petz fast dankbar, habe er sämtliche Beethoven-Sinfonien gehört. Er spricht mittlerweile reihenweise wartende Männer an und hat so die eine oder andere schöne Bekanntschaft gemacht. So kommt offenbar auch der Untertitel des Buches zustande: 'Eine Liebeserklärung an einen untragbaren Zustand'. Moritz Petz glaubt ganz fest daran, dass er damit eine Lawine lostreten wird und die weibliche Antwort auf sein Buch nicht lange auf sich warten lässt.

Über den Autor

Udo Weigelt, geboren 1960 in Hamburg, studierte Germanistik und Geschichte. Seit 1998 hat er bei unterschiedlichen Verlagen rund fünfzig Kinderbücher veröffentlicht, die in 15 Sprachen übersetzt wurden. In "Warten auf Frauen" lässt er sein Alter Ego Moritz Petz zu Wort kommen. Das Ergebnis ist eine erstaunlich zärtliche Betrachtung, selbstkritisch, parteilich und immer bemüht, die Sache mit Humor zu nehmen. Illustriert ist das 256 Seiten starke Taschenbuch mit Zeichnungen von Jana Moskito. Es ist ab 1. August lieferbar.

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2011, 13:27 Uhr

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