MDR INFO

Kreditaffäre : Merkel: Wulff leistet gute Arbeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Bundespräsident Christian Wulff in der Immobilienaffäre den Rücken gestärkt. Merkel sagte am Rande eines Besuches bei Bundeswehrsoldaten im Kosovo, der Bundespräsident leiste hervorragende Arbeit. "Das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt." Wulff habe ihr vollstes Vertrauen. Richtig und wichtig sei deshalb, dass Journalisten die Vertragsunterlagen einsehen könnten, sagte die CDU-Chefin. Seit Montag können Journalisten in einer Berliner Anwaltskanzlei die Unterlagen für den umstrittenen Kredit einsehen, den die Gattin des Unternehmers und Wulff-Freundes Egon Geerkens Wulff gewährt hat.

Hermenau: Wulff beschädigt Amt

Davor hatten die sächsischen Grünen Wulff zu einer klaren Stellungnahme aufgefordert. Fraktionschefin Antje Hermenau sagte bei MDR INFO, sie halte die "Strategie, immer scheibchenweise das zuzugeben, was sowieso schon in der Zeitung steht, für nicht gut." Dadurch werde das Amt des Bundespräsidenten erheblich beschädigt.

Auch Bundespräsidenten dürften Fehler machen, sagte Hermenau – darum gehe es ihr nicht. Die Frage sei vielmehr, wie man in einer Demokratie mit einem Fehler umgehe, wenn man ein Mächtiger sei. Wer ein Amt wie das des Bundespräsidenten innehabe, müsse andere Transparenzregeln befolgen, wenn es darauf ankomme.

Wenn immer nur scheibchenweise aufgeklärt werde, entstehe der Eindruck, dass man dem Amtsinhaber nicht vertrauen könne. Das sei problematisch, denn die Demokratie lebe davon, dass die Amtsinhaber das Vertrauen der Bevölkerung genießen.

Union steht hinter Wulff

Unionspolitiker hingegen verteidigten Wulff. Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier sagte, "wir in der CDU/CSU haben diesen Präsidenten vorgeschlagen, und wir stehen auch hinter Christian Wulff". Der Rückhalt schwinde nicht, versicherte Altmaier in der ARD. Allerdings müsse das, was im Raume steht, geklärt werden. Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, sagte, es gebe größere Verfehlungen als die, die der Bundespräsident begangen habe.

FDP-Spitze hält zu Wulff

Auch in der FDP gibt es Rückhalt für Wulff – allerdings werden an der Basis auch schon Rücktrittsforderungen laut. FDP-Chef Philipp Rösler sagte, Wulff müsse für größtmögliche Transparenz sorgen. Ein Rücktritt sei "absolut nicht die Forderung der FDP". Vize-FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte im Bayerischen Rundfunk, es sei richtig, "dass der Bundespräsident volle Transparenz und Aufklärung schaffen will, denn das kann dann auch wieder zu Vertrauen und Beruhigung führen, aber es ist nicht eine Affäre Wulff".

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth aus Thüringen hingegen zweifelte an Wulffs Eignung für das höchste Staatsamt. Der Generalsekretär des FDP-Landesverbandes sagte der "Rheinischen Post", er halte persönliche Konsequenzen für denkbar. Es stelle sich die Frage, "ob Wulff mit den jetzt aufgetauchten Erkenntnissen hätte Bundespräsident werden können".

Hintergrund ist ein Hauskredit aus dem Jahr 2008

Die "Kreditaffäre" geht auf ein Darlehen aus dem Jahr 2008 zurück. Wulff hatte in dem Jahr von der Unternehmergattin Edith Geerkens ein Privatdarlehen über 500.000 Euro für den Kauf eines Hauses erhalten. Ihr Mann Egon Geerkens gilt als ein Freund Wulffs. Auf eine Anfrage der Grünen hatte Wulff, damals Ministerpräsident, im niedersächsischen Landtag erklärt, er unterhalte keine geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens.

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2011, 08:55 Uhr

2. anja s.:
Frage Zeichen: Kredit oder tatsächlich "Geschenk"???
19.12.2011
22:05 Uhr
1. Wolfram Kern:
Der Vertrauensverlust für Christian Wulff ist schon jetzt zu gross. Wir Bürger haben keinen unbefangenen Bundespräsidenten mehr. Dem bekannten und unparteiischen Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim glauben viele mehr, als namentlich nicht genannten Juristen im Bundespräsidialamt. Die MdB Erwin Lotter und Patrick Kurth (beide F D P) fordern den Rücktritt bzw. halten "persönliche Konsequenzen" für denkbar.Wenn Wulff mit der Last der Kreditaffäre etc. die Weihnachtsansprache hält, erinnere ich mich an Heinrich Heine - sie predigen öffentlich Wasser und trinken heimlich Wein ....
19.12.2011
14:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK