MDR-Rundfunkrat | RR 339 | Leipzig, 18.07.2012 MDR-Rundfunkrat erwartet trimediales öffentlich-rechtliches TV-, Radio- und Netz-Angebot für junge Altersgruppen

Der MDR-Rundfunkrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch in einem Beschluss festgestellt, "dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk und somit auch die ARD sich stärker bemühen müssen, junge Altersgruppen im linearen Fernsehen zu erreichen".

Der Erfolg des KiKA zeige, dass es möglich sei, dass ARD und ZDF ein gemeinsames, inhaltlich hochwertiges Programm für die Jüngsten veranstalten können. "Deshalb erwarten wir, dass ARD und ZDF einen gemeinsamen trimedialen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal für die Zielgruppe ab 14 Jahre starten", formulierte das Gremium in seinem Beschluss.

Sollte dies nicht möglich sein, empfiehlt der Rundfunkrat des MDR, "dass die ARD einen eigenen Jugendkanal startet". Um den Erfolg eines solchen Kanals möglich zu machen, "ist es zwingend notwendig, dass dieser die realen Lebenswelten junger Menschen abbildet". Der Rundfunkrat erwartet von der ARD, "dass dieser Jugendkanal attraktive Angebote der jeweiligen Landesrundfunkanstalten bündelt". Hierzu gehörten auch die bereits vorhandenen Angebote der jungen Hörfunkwellen sowie der Telemedienangebote der Landesrundfunkanstalten, wie zum Beispiel von MDR SPUTNIK.

In seinem Beschluss äußert der MDR-Rundfunkrat die Erwartung "dass die ARD-Anstalten gemeinsam gewillt sind, diesen Jugendkanal als erfolgreiche Marke zu etablieren". Zudem betrachtet der Rundfunkrat einen solchen Kanal als einen Bestandteil eines Gesamtkonzepts zur Erreichung junger Zielgruppen, das in diesem Zusammenhang inhaltliche, aber auch wirtschaftliche und strukturelle Fragen beantworte. Dieser neue Kanal dürfe aber nicht automatisch zu finanziellen Mehrbelastungen der Landesrundfunkanstalten führen.

Die Zeit sei reif, sagte Rundfunkratsvorsitzender Horst Saage, das schon länger im Raum stehende Projekt eines öffentlich-rechtlichen Jugendkanals strukturiert anzugehen. Insoweit wolle der MDR-Rundfunkrat Impulsgeber sein. Mit besonderer Freude habe der Rundfunkrat gerade in den zurückliegenden Tagen Signale für eine breite Unterstützung eines Jugendkanals auch aus der Politik aufgenommen.

Derzeit gehe es weniger um Standort- und Zuständigkeitsfragen, als vielmehr um Inhalte eines solchen Angebots an jüngere Zuschauer. Allein ein Blick in das reichhaltige Angebot des MDR sowohl im Fernsehen als auch im Netz und im Hörfunk zeige, dass es den neun ARD-Landesrundfunkanstalten bei einer geschickten Ressourcennutzung gelingen könne, ein solches Angebot notfalls auch ohne ZDF-Beteiligung aus eigener Kraft zu stemmen.

MDR-Intendantin Karola Wille hatte in der Sitzung den Rundfunkrat über ein neues ambitioniertes trimediales Projekt des MDR für das jüngere Publikum informiert. Der Sputnik Festivalsommer verlängert die seit Jahren erfolgreiche Radioberichterstattung über die spektakulärsten Musikfestivals in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstmals ins MDR Fernsehen. In sechs eineinhalbstündigen Sendungen fasst das Fernsehen die Highlights der mitteldeutschen Festivals in Magazinform und als Konzertmitschnitt zusammen. Die Reihe wird von einem breiten multimedialen Angebot unter www.sputnik.de/festivalsommer begleitet, unter anderem mit Livestreams der jeweiligen Sendung. Der Festivalsommer sei ein gutes Beispiel dafür, wie der MDR in Zukunft unabhängig von den Ausspielwegen Inhalte aufbereiten könne, sagte die Intendantin: "Die Mediennutzung junger Leute weicht stark von herkömmlichen Mustern ab. Sie wollen Angebote nutzen wann sie wollen, wo sie wollen und auf welchem Weg sie wollen. Darauf werden wir uns beim MDR zunehmend einstellen. Der neue trimediale Festival-Sommer ist in dieser Hinsicht vielversprechend."

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2012, 14:31 Uhr