Verkündigungssendung | 05:50 Uhr und 09:50 Uhr : An(ge)dacht!
An(ge)dacht - eine Portion Optimismus zum Start in den Tag. Das Wort zum Tag gibt es Montag bis Freitag 5:50 Uhr und 9:50 Uhr, Sonnabend und Sonntag 6:04 Uhr und 9:04 Uhr im Programm von MDR SACHSEN-ANHALT. Hier finden Sie die Beiträge zum Nachhören. In dieser Woche spricht Pfarrer Konstantin Rost aus Magdeburg.
Donnerstag, 17. Januar 2013: Gottes Handschrift
Hat Gott eine Handschrift? Gut möglich, immerhin heißt es in einem jüdischen Gebet: "Schreibe uns in das Buch des Lebens!" Ich würde sie gern mal sehen, die Handschrift Gottes. Hoffentlich ist sie leserlicher als meine.
Überhaupt: mit der Handschrift ist das ja so eine Sache. Wozu brauche ich sie noch? Wann habe ich denn zuletzt einen handschriftlichen Brief geschrieben? Allerhöchstens meine Einkaufsliste schreibe ich mit Stift. Und es gibt Tage, da ist meine Unterschrift unter dem Kartenbeleg beim Einkaufen das einzige, was ich mit Hand schreibe.
Heutzutage wird ja fast alles getippt. Und das hat ja auch seine Vorteile. Eine SMS ist in Sekundenschnelle beim Empfänger. Und ich brauche keine tausend handgeschriebenen Zettel, sondern habe im Computer alles sofort gut sortiert. Wo heutzutage sowieso alle Welt tippt, was würde ohne die Handschrift fehlen? Viel. Wo wären die wunderbar altmodischen Schriftzüge auf Omas Geburtstagskarten? Und die Tagebücher, in denen schon mein Schriftbild sagt, wie es mir ging.
Meine Handschrift ist unverwechselbar. Sie sagt viel über mich. So wie ich schreibe, bin ich. Und so ist es auch mit Gott. Mit seiner Handschrift hat er sich unverwechselbar in unsere Welt hineingeschrieben. Und alle Menschennamen in sein Buch des Lebens. Da steht er nun - mein Name, Ihr Name. Von Gottes Hand geschrieben, zu lesen für alle Ewigkeit.
Ihr Pfarrer Konstantin Rost aus Magdeburg
Mittwoch, 16. Januar 2013: Friedensglocken
Heute Abend läutet sie wieder, die Glocke der Magdeburger Ambrosiuskirche. Und mit ihr die Glocken der ganzen Stadt, zwei Minuten vor halb zehn der erste Schlag. Denn am 16. Januar 1945 versank ab 21:28 Uhr die ganze Stadt unter den Bomben der Alliierten in Schutt und Asche. Das stolze Magdeburg in nur wenigen Augenblicken in Flammen, ein einziger Trümmerhaufen,Tausende Tote.
Für diese Toten läuten die Glocken. Aber auch für die Lebenden zur Mahnung. Damit sie sich auch heute dafür einsetzen, dass nie wieder Krieg ausbricht. Zum Glück machen sich viele Magdeburger stark für ein friedliches Miteinander. Mit der "Meile der Demokratie" am vergangenen Sonnabend quer durch das Stadtzentrum zeigten die Bürger der Stadt Gesicht. Magdeburg bietet den Geschichtsverdrehern am braunen Rand Paroli. Denn die wollen den Gedenktag der Zerstörung der Stadt für ihre Nazi-Propaganda missbrauchen. Im Kampf gegen die Rechten ziehen zum Glück fast alle an einem Strang: Parteien, Schulen, Vereine, Kirchen, viele Magdeburger und Menschen von nah und fern.
Wenn ich heute Abend die Glocke unserer Kirche zum Schwingen bringe, denke ich an die Opfer des Krieges. Ich werde auf den Klang über den Dächern unserer Stadt hören und dann eine Kerze anzünden. "Selig sind die Friedfertigen", sagt Jesus - auch davon erzählen heute Abend die Glocken von Magdeburg.
Ihr Pfarrer Konstantin Rost aus Magdeburg
Dienstag, 15. Januar 2013: Schiffbruch mit Tiger
227 Tage auf dem Pazifik an Bord eines Rettungsbootes - zusammen mit einem ausgewachsenen Tiger! Ein Albtraum? "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" erzählt im Kino genau von dieser hoch spannenden Konstellation. Und das mit einer dreidimensionalen Bilderwucht, die man so schnell nicht vergisst.
Der Jugendliche Pi rettet sich nach einem Schiffbruch auf ein Rettungsboot - genauso wie der Tiger. Für Menschen bietet das Boot Wasser, Zwieback und ein Handbuch zum Überleben auf See. Aber für Tiger? Nur mit größter Schnelligkeit und Geschicklichkeit kann sich Pi ein eigenes Floß aus Rettungswesten und Proviant bauen, damit er nicht selbst zur Notration des Tigers wird. Er findet Nahrung und Schutz in allen Launen der Natur, fängt mit Eimern das Regenwasser zum Trinken auf und fängt Fische, um sich und den Tiger zu füttern.
Pi hat einfach Talent, selbst die schwierigsten Situationen zu meistern. Mit wachem Blick und einem ungestümen Lebenswillen kann er improvisieren und sich auf fast jede Situation einstellen. Und obwohl er mutterseelenallein auf dem endlosen Ozean treibt, ist er nicht verlassen. Denn er kann beten. Er redet mit Gott. Er hofft und zweifelt und kämpft und ist dabei dankbar für jeden gefangenen Fisch. Für all das hat Pi eine Adresse im Himmel. Er betet, er vertraut auf Gott. Das bringt ihn schließlich ans rettende Land. Und seinen gestreiften Bootgefährten auch.
Eine Portion Gottvertrauen für den Tag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Konstantin Rost aus Magdeburg.
Montag, 14. Januar 2013: Teufelspate
Schon knapp zwei Monate ist in Magdeburg der Teufel los. Mit zwei Hörnern und fiesem Grinsen schaut Beelzebub seit Ende November auf die Besucher. In der "Villa P.", gleich neben dem Puppentheater der Landeshauptstadt, ist die größte Figurenspielsammlung Mitteldeutschlands zu besichtigen. Und weil der Teufel selten allein kommt, geben sich gleich hunderte Puppen ein Stelldichein. Alle haben sich da versammelt: Kasper und Krokodil, Frau Holle, Rumpelstilzchen, und auch die drei kleinen Schweinchen sind mit von der Partie.
Die wunderbare Welt des Puppenspiels - hier findet jeder seinen Favoriten. Meiner ist übrigens der Teufel, mit Kasper im Gepäck. Die beiden gibt es ja nur im Doppelpack. Klar, der Teufel hat ganz schön was auf dem Kerbholz. Ganz diabolisch bringt er alles durcheinander und stellt alles auf den Kopf. Der Durcheinanderwerfer - nichts anderes heißt Diabolus auf Deutsch - macht einfach Chaos von früh bis spät. Aber zum Schluss siegt das Gute. Kasper schlägt dem Teufel ein Schnippchen und gewinnt.
Der Teufel gehört im Puppentheater unbedingt dazu. Aber auch im richtigen Leben geht ja vieles durcheinander. Wie verwirbelt mein Leben auch ist, es kann wieder gut werden. Übrigens auch für den Magdeburger Puppenteufel! Deshalb bin ich seit Kurzem sein Puppenpate. Denn ich finde, auch er hat seine Chance verdient.
Einen guten Start in die Woche, das wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Konstantin Rost aus Magdeburg.
Sonntag, 13. Januar 2013: Hänschen klein
"Mein Sohn soll Gottvertrauen bekommen", sagt mir ein Vater am Telefon. "Deshalb bringe ich ihn zur Taufe. Ich selbst bin ohne all das aufgewachsen. Beten gelernt habe ich nie. Das fehlt mir bis heute." - "Warum lassen Sie sich dann nicht auch taufen?" - "Ach, dafür ist es doch zu spät. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Aber mein Sohn ist noch klein, bei ihm klappt das noch."
Glauben lernen - geht das nur als Kind? Klar, für Kinder ist es leicht. Sie haben ein Grundvertrauen in Gott und die Welt, ihr Blick für den Himmel ist noch nicht verstellt. Sie erleben die biblischen Geschichten von Abraham, Jona und Jesus so hautnah, als wären sie dabei. Erwachsene tun sich da schwerer. Sie haben einen kritischen Blick, sie kennen das Leben und glauben zu Recht nicht alles. Erwachsene glauben anders.
Übrigens hat es auch bei Jesus ziemlich gedauert, bis er sich taufen ließ. Um die 30 Jahre alt war er da, den Kinderschuhen längst entwachsen. Aber mit einem Rucksack voller Lebenserfahrung. Am heutigen Sonntag feiert die Evangelische Kirche den Tag der Taufe Jesu. Und erinnert daran: Glauben lernen ist möglich. Für Hänschen. Und für Hans.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Konstantin Rost aus Magdeburg.
Wort zum Tag
Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.
Kurzbiographie Konstantin Rost
Jahrgang 1976, geboren und aufgewachsen in Lutherstadt Eisleben, studierte Theologie in Berlin, Wien, Heidelberg und Rom. Sein Vikariat absolvierte er in der Hoffnungsgemeinde Magdeburg. Drei Jahre arbeitete er als Referent im Landeskirchenamt der EKM in Magdeburg. Derzeit ist er Pfarrer im Evangelischen Kirchspiel Magdeburg Süd. In seiner Freizeit singt er im Chor, liebt das Theater und die Oper, geht gern auf Reisen und fährt gern Rad.
