Drei Männer spielen ein Konzert
Mike + The Mechanics machten auf ihrer Tournee Halt in Magdeburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mike + The Mechanics Ein Konzert voller Höhepunkte

Einen Abend mit vielen Gänsehaut-Momenten haben die Fans der britischen Band Mike + The Mechanics am Samstag in Magdeburg erlebt. Die Musiker spielten das letzte Konzert ihrer Tournee außerhalb von Großbritannien. MDR SACHSEN-ANHALT war dabei und hat die Musiker getroffen.

von Peter Hofmann, MDR SACHSEN-ANHALT

Drei Männer spielen ein Konzert
Mike + The Mechanics machten auf ihrer Tournee Halt in Magdeburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Auftritt von Mike + The Mechanics in der Magdeburger Stadthalle war das letzte Konzert der Let Me Fly-Tournee, und wenn ich jetzt sage, es war ein würdiger Abschluss, dann ist das eine veritable Untertreibung.

1985 hat sich Mike Rutherford neben Genesis sein Projekt gegönnt. Peter Gabriel hatte die Band längst verlassen, Phil Collins eroberte die Charts solo. Da wollte Rutherford nicht zurückstehen. Dabei ging es aber weniger um Wettbewerb, denn in einer Band, in der drei Musiker den Ton angeben, müssen Kompromisse geschlossen werden. Es bleiben Ideen übrig.

Andere Musiker, andere Klänge

Mike Rutherford hatte Ideen. Schon die erste Single Silent Running schoss in Deutschland und in den USA die Top10 der Charts. Und der Sound war keine Genesis-Kopie. Rutherford sagte mir im Interview: "Du schreibst mit verschiedenen Leuten. Bei Genesis waren es Phil und Tony, bei den Mechanics sind es jetzt Tim und Andrew und ein paar andere. Dadurch geht es in eine andere Richtung. Das ist das Schöne daran. Du machst eigentlich dasselbe, aber es klingt ganz anders. Es sind andere Stimmen, eine andere Atmosphäre. Das ergibt eine großartige Balance."

Die perfekte Ergänzung

Der erste Sänger Paul Young war die perfekte Stimme für Mike + The Mechanics. Als er 2000 starb, über nahm Paul Carrack seinen Part und seit 2006 teilen sich Andrew Roachford und Tim Howar sozusagen den Job des Sängers. Howar sagt lachend: "Es ist gut, nicht alle Arbeit allein machen zu müssen. Du kannst Harmonien, die zweite Stimme singen. Und zwei Stimmen zusammen klingen größer als deine allein. Außerdem machst du Musik mit Leuten, die du bewunderst und respektierst – da ist für mich keine Selbstverständlichkeit."

Zwei Männer stehen Rücken an Rücken und singen
Tim Howar und Andrew Roachford (v.l.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tim Howar ist der freundliche Wirbelsturm auf der Bühne, der tanzt und wirbelt, keine Minute auf einem Platz steht, sich dreht, mit den Musikern und natürlich mit dem Publikum schäkert. Aber wenn Roachford seine scheinbar schwerelose Stimme erhebt und den Raum damit heller zu machen scheint, geht er in den Hintergrund. Zwei Persönlichkeiten, die ihre Arbeit sichtlich genießen und sich ergänzen. Roachford meint: "Es ist Fakt, dass Tim und ich uns einfach gut verstehen. Und das kommt auf der Bühne rüber. Es macht Spaß."

Rutherford, der Zurückhaltende

Der Chef der Mechaniker aber ist weder Wirbelwind noch Anheizer – er steht da in seinem dunkelblauen Anzug, spielt Gitarre oder Bass, geht ein paar Schritte, lächelt kurz, als wolle er sich versichern, dass alles läuft. Mike Rutherford ist zurückhaltend und gerade deswegen ist er präsent, er muss nichts beweisen, aber er tut es trotzdem. Howar sagt, dass er von Mike Zurückhaltung gelernt hat, diese sehr britische Art der Untertreibung. Roachford wiederum meint, er habe gelernt, den Kollegen zu vertrauen, besonders Mike, der immer wisse, wohin er mit einem Song will.

Mann spielt Gitarre
Mike Rutherford Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gibt es eine Lektion, die Rutherford von seinen jungen Kollegen bekommen hat? Er antwortet sofort: "Klar, ich hab was von den beiden gelernt. Ich hab gelernt, entspannt zu sein. Die Atmosphäre auf der Bühne ist sehr unverkrampft. Ich bin ja nicht der Showman – und das war ich auch nie. Mit Andrew und Tim fühle ich mich gut auf der Bühne, wie lange nicht. Es ist herrlich ungezwungen."

Melodien mit Gänsehaut-Garantie

Ungezwungen, aber nicht undiszipliniert – denn da sind Vollblutmusiker bei der Arbeit. Der zurückhaltende Ire Anthony Drennan spielt Gitarre wie der Teufel, da trifft jeder Ton ins Herz. Luke Juby an den Keyboards – und manchmal am Bass – pfeift bei Over My Shoulder. Phillipp Groysboeck sitzt zum ersten Mal bei den Mechanics am Schlagzeug und spielt dann auch für zwei Songs Cajón. Jeder hat seinen Auftritt und jeder hat ihn verdient. 

Das Publikum steht beim zweiten Song auf: Another Cup Of Coffee, dann Get up und Silent Running, die Songs vom neuen Album fügen sich perfekt ein, fremdeln nicht. Let Me Fly geht ab, Wonder sorgt für Gänsehaut, mit I Can’t Dance und Land Of Confusion sind zwei Genesis-Hits vertreten. Die Zugabe The Living Years – episch und ergreifend.

Musiker, die ihr Publikum lieben

Ein Mann singt
Andrew Roachford Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie beschreibt man ein Konzert, das nur offenbar nur Höhepunkte hat? Man möchte es festhalten, man möchte die iPhone-Kameraleute im Publikum anschreien: "Pack dein verdammtes Handy weg und genieße das, verdammt! Das gibt es so nicht wieder!" Nicht zu vergessen: Die Jungs haben gerade rund 60 Konzerte hinter sich – da klingt nichts abgewetzt, da ist keine abgeklärte Routine zu spüren, keine Superstar-Attitüde sondern der pure Spaß und die Meisterschaft, das Können der Akteure. Mike und seine Mechaniker sind Handwerker im besten Sinn und vor allem: Sie mögen ihr Publikum.

PS an die Stadt

Vielleicht könnte sich die Stadt doch mal erweichen, bei Konzerten dieser Größenordnung die Sternbrücke wenigstens ab 22 Uhr zu öffnen, so dass sich der Verkehr nicht durch den Park stauen muss. Noch dazu, wenn ein paar Schritte das Oktoberfest an der Messe die Heimfahrt zusätzlich verzögert.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2017, 20:57 Uhr

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