MDR THÜRINGEN - Das Radio

Wort zum Tag : Augenblick mal

Täglich um 06:20 und 09:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN das Wort zum Tag. In dieser Woche sprechen es Pfarrerin Cornelia Biesecke aus Eisenach und Pastor Christoph Maas aus Gera.

Sonnabend, 19.04.2014: Liebe wächst wie Weizen

Cornelia Biesecke
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 19.04.2014 (Verkündigungssendung)

19.04.2014, 06:20 Uhr | 01:38 min

Begreifen, was zu Ostern geschieht - das geht eigentlich gar nicht.  Mir hilft da ein Bild. "Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt." So beginnt ein Kirchenlied. Das Weizenkorn wird in die Erde gelegt. Begraben. Weg. Nicht mehr sichtbar.

Als ich mit den Kindern meiner Vorschulgruppe vor gut drei Wochen Weizenkörner gesät habe, waren sie anfangs sehr enttäuscht. "Da sieht man ja immer noch nichts. Das wird bestimmt nichts." Doch  nach zwei Wochen wurden die ersten grünen Hälmchen mit Jubel begrüßt. Inzwischen ist eine tolle kleine Wiese daraus geworden.

Der heutige Karsamstag beschreibt eher dieses traurige, enttäuschte Gefühl. So saßen die Freunde von Jesus beieinander. Nach dem Karfreitag. Jesus ist tot. Begraben. Nichts ist mehr sicht- oder spürbar von seiner Gegenwart, seiner Liebe zu den Menschen. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass noch etwas geschieht. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt. Doch es ist nicht das Ende. Sondern der Beginn einer wunderbaren Wandlung.

Davor steht das dunkle Grab. Die Trauer und Enttäuschung. Aber auch das Warten und Hoffen. "Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün." So endet das Lied.  Morgen, zu Ostern.

Einen gesegneten Karsamstag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke.

Freitag, 18.04.2014: Das Kreuz

Das Kreuz begegnet einem an allen möglichen Orten. Nicht nur in Kirchen. Viele Menschen tragen es als Schmuck um den Hals. Ohne vielleicht zu wissen, welche Bedeutung dieses Symbol eigentlich hat.

Christoph Maas
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Augenblick mal am 18.04.2014 (Verkündigungssendung)

18.04.2014, 06:20 Uhr | 01:53 min

Im Zug saß mir mal ein junger Mann gegenüber. Er trug ein auffallend großes Kreuz aus Holz um den Hals. Ich sagte: "Schön, dass sie auch Christ sind." Daraufhin empörte er sich, wie ich nur dazu käme. Tatsächlich ist es das Logo, wie man es heute nennen würde, für den christlichen Glauben.

In meiner Gemeinde in Gera haben wir in den vergangenen zwei Wochen den Ostergarten durchgeführt. Dabei werden die Leidensstationen von Jesus Christus bis zu seiner Auferstehung anschaulich dargestellt. Bei Führungen werden die Menschen mit den einzelnen Orten vertraut gemacht. Viele Gruppen und einzelne Besucher sind gekommen. Eine Betreuerin sagte mir: "Bisher habe ich nicht gewusst, welche Bedeutung das Kreuz überhaupt hat." In der Ausstellung ragt es hervor und ist mit einem Dornenkranz versehen, den Jesus damals auf dem Kopf getragen hat. Als Spott sozusagen. Man wollte diesen unbequemen Prediger loswerden, der den Menschen viel von der Liebe Gottes und seiner Gnade zu sagen hatte. Doch hat er klar gemacht, dass er stellvertretend für alle Menschen sterben wird. Als ein einmaliges Opfer. Jeder, der es annimmt, wird die Vergebung durch Gott empfangen. Heute finden Gottesdienste statt, die an das Ereignis damals vor den Toren Jerusalems erinnern. Christen bringen ihren Dank zum Ausdruck, dass sie durch Jesus neues Leben empfangen haben.

Einen gesegneten Feiertag wünscht Ihnen Pastor Christoph Maas aus Gera.

Donnerstag, 17.04.2014: Judas

Sprichwörtlich ist sein Lohn geworden. Judaslohn. Judas Ischariot, einer der Freunde um Jesus. Er verrät Jesus. Und erhält 30 Silberlinge als Lohn. Am heutigen Gründonnerstag erinnern wir uns an die Geschichte. Judas, der Miese, der Verräter. Ganz klar. Doch wer ist der Mensch Judas? Es gibt verschiedene Deutungen. Eine ist die:

Cornelia Biesecke
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Augenblick mal am 17.04.2014 (Verkündigungssendung)

17.04.2014, 06:20 Uhr | 01:46 min

Sein Beiname Ischariot bedeutet: der Dolchträger. Vermutlich gehört er  zu einer radikalen Gruppe, die gegen die römische Besatzung ihrer Heimat kämpft. Judas hat sich Jesus angeschlossen, weil der sich mit den Oberen anlegt. Doch Jesus redet  von Liebe, von Feindesliebe gar. Das passt Judas nicht. Feinde muss man bekämpfen, nicht lieben. Jesus wird zum Hindernis für seinen Kampf. Er muss weg. Deshalb liefert er ihn aus. Der Mensch Judas, der Kämpfer. Seine Gedanken sind vernebelt vom Hass. So wird er zum Verräter. Er wird nicht dazu geboren. Er entwickelt sich zum Täter. Etwas treibt ihn. So ist das bei Tätern. Auch bei Anders Brejvik, bei Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt oder Beate Zschäpe. 

Jesus kann bitten für seine Feinde, sogar am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“  Er kann auch im Verbrecher noch den Menschen sehen. Dazu braucht es viel Weite. Wenigstens ein Stück davon wünsche ich mir manchmal. Einen gesegneten Gründonnerstag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke

Mittwoch, 16.04.2014: Weg mit den Schwertern!

Eigentlich ist es eher ein Nebenschauplatz in der Passionsgeschichte. Aber allein diese Geschichte sagt mehr, als tausend Worte.

Cornelia Biesecke
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Augenblick mal am 16.04.2014 (Verkündigungssendung)

16.04.2014, 06:20 Uhr | 01:30 min

Es passiert, als Jesus gefangen genommen wird. Da greift einer seiner Freunde zum Schwert. Petrus. Er stürzt sich auf die Soldaten. Voller Wut und auch Angst. Er schlägt einem das Ohr ab. Jetzt hätte die Situation eskalieren können, ein wüstes Gemetzel wäre vermutlich gefolgt, mit Verlusten auf beiden Seiten.  Doch nichts geschieht. Denn Jesus selbst greift ein. "Hör auf!" sagt er zu seinem Jünger. "Stecke dein Schwert wieder ein!"

Und er geht hin zu dem Soldaten, berührt sein Ohr und heilt ihn. Oh ja – genau das hoffe und wünsche ich. Jetzt gerade für die Ukraine. Wenn ich sehe, wie Demonstranten aufeinander losgehen. Nein, nicht Schwerter ziehen und losschlagen. Nicht die harten Bandagen. Sondern suchen, was hilft. "Suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15 b), sagt die Bibel. Der Weg ist steinig. Das mussten Petrus und die Jünger auch erleben.  Viel lieber hätten sie gekämpft und Jesus befreit. Sie mussten ihn gehen lassen. Doch am Ende, zu Ostern, da siegt der Frieden. Einen friedlichen Tag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke.

Dienstag, 15.04.2014: Durchatmen

"Tief atmen bitte!" So heißt es nicht nur beim Hausarzt, sondern zum Beispiel im Bad Salzunger Gradierwerk. Seit 200 Jahren gibt es dort einen Kurbetrieb. Tief durchatmen und der angeschlagenen Lunge Gutes tun.  Auch ich drehe mit meinen Kindern dort öfter Mal Runden, wenn die Erkältung nicht weichen will.

Cornelia Biesecke
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Augenblick mal am 15.04.2014 (Verkündigungssendung)

15.04.2014, 06:20 Uhr | 01:34 min

Tief atmen bitte – das braucht aber nicht nur die Lunge, sondern auch die Seele. Es muss nicht immer eine Kur sein. Manchmal reicht schon ein Spaziergang an der frischen Luft, ein Konzertbesuch, etwas, das den Alltag wohltuend unterbricht und zum Durchatmen hilft. Was aber, wenn der Alltag nur noch Last ist? Ich denke an Menschen um mich herum, die von Trauer oder Krankheit belastet sind. Ich sehe die Menschen in der Ukraine, wo die Lage schon wieder so kritisch ist. Oder Menschen in Syrien, die Normalität schon lange nicht mehr kennen. Einmal tief atmen reicht da nicht.  

"Danke, dass Ihr mich immer wieder besucht. Da komme ich mal raus aus meinem Tief!" – sagt die Witwe zu ihren Freunden. Da sein und Zuhören ist eine Atempause für trauernde Seelen. Und in der Ukraine, in Syrien? Was kann da helfen? Da sein und Zuhören, aufeinander hören. Und diplomatische Schritte gehen, einen nach dem anderen. Gebe Gott, dass Zeit ist zum Durchatmen. Einen guten Tag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke.

Montag, 14.04.2014: Karwoche

Ein ganz normaler Montagmorgen in unserer Familie. Vorbereiten auf den Alltag. "Ich finde meine Socken nicht! Hast Du Dein Frühstück eingepackt? Beeil Dich, der Bus wartet nicht!"

Cornelia Biesecke
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Augenblick mal am 14.04.2014 (Verkündigungssendung)

14.04.2014, 06:20 Uhr | 01:48 min

Etwas ist anders. "Mama" fragt meine Tochter, "warum brennt die Kerze auf dem Tisch? Hat jemand Geburtstag?" Als endlich alle am Frühstückstisch sitzen, erzähle ich, warum. Die Kerze erinnert mich daran, dass Karwoche ist – die stille Woche. Karwoche, das kommt von "Kara" und heißt so viel wie Klage, Kummer oder Trauer. Sie erinnert uns an die Tage vor der Kreuzigung Jesu. Früher war diese Woche noch viel mehr im Bewusstsein. Da wurde besonders streng gefastet. Heiter zu sein war nicht erwünscht. In den Kirchen wurden die Kreuze oder der Altar mit schwarzen Tüchern verhüllt. Heute spielt das kaum noch eine Rolle. Die Natur strotzt vor Farben und die Menschen freuen sich auf ein paar freie Tage.

Ich aber brauche diese stille Zeit vor Ostern. Nicht, weil ich mich von der Welt abwende. Ich bin gerne fröhlich. Aber diese Woche erinnert mich ganz besonders an alles, was kaputt ist. An die vielen Menschen, die leiden, die flüchten, die hungern. An das, was mich beschwert. Auch das gehört zum Leben. Nur wird es viel zu oft verdrängt oder weggelacht. Da spricht man nicht von. Diese stille Woche gibt mir Zeit, innezuhalten und das anzusehen, was schmerzlich ist in meinem Leben oder in der Welt. Darum die Kerze auf dem Tisch. Sie lädt ein zur Besinnung. Einen guten Montag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke.

Sonntag, 13.04.2014: Palmsonntag

Sie stehen dicht bei dicht an der Straße, Palmenzweige in den Händen. Sie wollen doch winken, wenn er kommt. Ihr Hoffnungsträger, Jesus.

Cornelia Biesecke
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Augenblick mal am 13.04.2014 (Verkündigungssendung)

13.04.2014, 06:20 Uhr | 02:00 min

Jetzt, wo er in die Hauptstadt einzieht, nach Jerusalem. Zum großen Fest. Sie hatten gehört, er wende sich den kleinen Leuten zu und lege sich mit den Mächtigen an. Also sind sie in Stimmung. Und rufen immer wieder: "Hosianna!" Das klingt fast wie ein Hilferuf. "Hilf uns. Schaffe uns Recht!" Die Erwartungen sind groß. Damals in Jerusalem.

Und heute? "Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint." So singt es  die Band Silbermond. So oder ähnlich klingt manchmal auch mein Bitten an Gott: "Lass mein Leben gelingen. Mach, dass es gut wird!" - "Hosianna!", so rufen die Menschen in Jerusalem Jesus zu. Voller Hoffnung auf besseres Leben. Auf Vertreibung der Machthaber, auf Umsturz. Endlich Sicherheit. Jesus kommt. Leise reitet er auf einem Esel durch die Massen. Er hält keine flammende Rede. Legt keinen Plan vor, wie er die Verhältnisse ändert. Er bleibt still. So, wie ich es manchmal von Gott empfinde, wenn er meine Wünsche nicht erfüllt. In Jerusalem werden die Menschen schon kurze Zeit später enttäuscht sein von diesem Jesus. "Kreuzige ihn!", werden sie wütend schreien und damit sein Todesurteil befördern. Alle Sehnsucht, alle Wünsche nach Sicherheit sind dahin. Was bleibt? Ein Gott, der das Leiden kennt. Und die Sehnsucht. Der am Ende sogar den Tod besiegt. Der nicht alle meine Erwartungen erfüllt.

Und dennoch mein Halt ist, auch in der größten Not. Einen gesegneten Palmsonntag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke.

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2014, 06:20 Uhr

Cornelia Biesecke

* 1965 geboren
* aufgewachsen in Staßfurt
* nach dem Abitur Ausbildung als Krankenschwester
* Studium der evangelischen Theologie in Jena
* Vikariat in Unterpörlitz bei Ilmenau
* ein Jahr Zusatzvikariat bei der Thüringer Kirchenzeitung "Glaube und Heimat"
* ein halbes Jahr Aufenthalt in den USA, Schwerpunkt: kirchliche Arbeit in sozialen Brennpunkten
* arbeitet derzeit als Gemeindepfarrerin und Klinik-Seelsorgerin in Eisenach
* verheiratet, ein Sohn, eine Tochter
* Hobbys: raus ins Grüne, Krimis lesen, neue Kochrezepte kreieren, die die Familie probieren muss

Christoph Maas

* Jahrgang 1953, geboren in der Samt- und Seidenstadt Krefeld am Niederrhein
* verheiratet, zwei erwachsene Söhne
* Wir leben sehr gerne in der Otto-Dix-Stadt Gera.
* Seit 30 Jahren Gemeindepastor und genauso lange im Hörfunk tätig.
* Seit 2001 Senderbeauftragter der Evangelischen Freikirchen beim MDR.
* Seit 2009 Medienbeauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland.

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