MDR THÜRINGEN - Das Radio

Wort zum Tag : Augenblick mal

Täglich um 06:20 und 09:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN das Wort zum Tag. In dieser Woche sprechen es Andrea Wilke und Anne Rademacher von der katholischen Kirche in Erfurt

Donnerstag, 31. Juli 2014: Umleitung

Wenn das Telefon in meinem Büro klingelt, muss ich schnell sein: aufspringen, Fenster schließen und dann abnehmen. Eigentlich habe ich ein schönes und ruhiges Büro. Aber die Straße davor hat Kopfsteinpflaster und gerade führt eine vielbefahrene Umleitung vorbei. Also muss ich das Fenster zu machen, um am Telefon etwas zu verstehen.

Anne Rademacher
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 31.07.2014 (Verkündigungssendung)

31.07.2014, 06:20 Uhr | 01:40 min

Auto an Auto, das heißt: es ist laut. Den Gestank merke ich fast nicht mehr. Das Geduldsspiel, wenn ich auf die andere Straßenseite will, geht mir ziemlich auf die Nerven. Wo wollen die bloß alle hin? Sogar in den Ferien sind viele Autos unterwegs. Sicher haben alle gute Gründe, gerade vor meinem Büro entlangzufahren. Aber manchmal denke ich: Könnt ihr nicht alle zu Hause bleiben?

Und so verstehe ich mit jedem Tag Umleitung Leute besser, die für ihre Dörfer Umgehungsstraßen fordern. Mein Mitleid ist ihnen nun gewiss. Ob sie davon etwas haben? Sicher nicht viel, aber der Denkanstoß ist wichtig. Es gibt ja manche Sachen an meinem Lebensstil, die andere nerven. Manchmal verringert, was ich tue, die Lebensqualität anderer. Ohne ständig ein schlechtes Gewissen zu haben, frage ich mich, ob das richtig ist.

Und so bleibt zumindest für heute die Überlegung: Schadet es anderen, wenn ich dies oder jenes tue? Falls ja: Muss es unbedingt sein? Wenn ja: Kann man den Schaden begrenzen - zumindest in Zukunft? Ich werde keine weiße Weste behalten, dazu ist das Leben zu komplex. Aber ich werde ein klein wenig aufmerksamer und andere können so vielleicht besser leben. Einen guten Tag wünscht Anne Rademacher aus Erfurt.

Mittwoch, 30. Juli 2014: Unwetter

Eigentlich bin ich nicht ängstlich. Aber bei den letzten Unwettern war mir etwas mulmig zumute. Ich wohne unterm Dach und da frage ich mich schon: Was ist, wenn ein Blitz einschlägt oder wenn Ziegel vom Dach fliegen. Im Erdgeschoss wäre mir wohler, da ist ein bisschen Puffer. Da ich aber nun einmal oben wohne, brauche ich andere Sicherheiten. So rede ich mir ein: Der Dom ist gleich nebenan, da wird ja wohl eher der Blitz einschlagen. Am Dach hört man nichts wackeln, also wird es ja wohl halten. Ob das so stimmt, weiß ich nicht. Aber es gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und das hilft schon irgendwie.

Anne Rademacher
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 30.07.2014 (Verkündigungssendung)

30.07.2014, 06:20 Uhr | 01:29 min

Meine Oma hat bei Gewitter immer alle Stecker gezogen und eine Kerze angezündet. Und es hat geholfen. Mit der Kerze hat sie gebetet. War das auch so eine trügerische, eingeredete Sicherheit? Für mich nicht! Ich glaube, dass beten etwas bewirkt. Dennoch will ich nicht auf Blitzableiter und solide Dächer verzichten. Darauf möchte ich es nicht ankommen lassen.

Schließlich gibt es keine Automatik nach dem Motto, wenn du betest, schlägt der Blitz woanders ein. Was hilft dann das Beten? Es erinnert mich und auch Gott, an den ich glaube, an etwas Wichtiges. Egal, was geschieht - ich bin gut bei ihm aufgehoben. Diese Geborgenheit erbitte ich mir für heute. Aber ich bete nicht nur für mich, sondern auch für alle, die die Sicherheit in den täglichen Unwägbarkeiten brauchen.

Einen guten Tag wünscht Anne Rademacher aus Erfurt.

Dienstag, 29. Juli 2014: SSV

Anne Rademacher
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 29.07.2014 (Verkündigungssendung)

29.07.2014, 06:20 Uhr | 01:40 min

Ich habe es gestern wieder getan! Ja, ich war shoppen. Schließlich hängen überall die Schilder: Sommerschlussverkauf. Preise reduziert. Da muss ich doch zumindest mal gucken. Ich bin weder besonders groß noch klein, nicht dick oder dünn. Also muss ich schnell sein, sonst gibt es in meiner Größe nichts mehr.

Zum Glück habe ich nicht viel gekauft, denn eigentlich ist es irrational. Mein Kleiderschrank ist ja schon voll. Letztlich verlagern die Läden ihr Problem zu ihren Kunden, zu mir. Die Lager müssen geräumt werden und da ist billiger verkaufen die sinnvollste Variante. Nur deshalb hält sich wohl der Sommerschlussverkauf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Tja, und dann haben die Händler Platz für die Wintersachen und ich einen überfüllten Kleiderschrank. Es bleibt nur eins: ausmisten. Das T-Shirt ist schön, aber dieses Jahr noch nicht getragen. Die Hose – letztes Jahr toll, aber nun nicht mehr mein Geschmack. Also mache ich schweren Herzens Platz für Neues und trage die Sachen in die Kleiderkammer. Vielleicht freut sich noch jemand darüber.

Und so kommt mir ein Gedanke für den heutigen Tag. Vielleicht ist es im richtigen Leben wie im Sommerschlussverkauf. Wenn ich Neues beginnen will, muss ich auf Altes verzichten. Schließlich reicht mein Idealismus nicht für tausend gute Dinge, sondern nur für ein paar. Auch meine Zeit für Hobbys ist begrenzt – also muss ich mich entscheiden. Und so bitte ich Gott um Klugheit – um abzuwägen, wo Neues nötig ist und wo nicht. Und ich bitte um den Mut, loslassen zu können, wenn es dran ist.

Einen guten Tag wünscht Anne Rademacher aus Erfurt.

Montag, 28. Juli 2014: Geheimnisse lüften

Andrea Wilke
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 28.07.2014 (Verkündigungssendung)

28.07.2014, 06:20 Uhr | 01:36 min

Heute Abend wird es spannend. Zumindest für diejenigen, die gern wissen wollen, wer hinter der sogenannten Dunkelgräfin steckt.

War Madame Royale, wie man sie damals, vor ungefähr  200 Jahren auch nannte, nun die Tochter von Marie Antoinette? Oder handelt es sich bei der Dunkelgräfin um irgendeine Frau ohne eine so berühmte Mutter wie es die letzte Königin Frankreichs war. Bis jetzt kann nur spekuliert werden – heute Abend sind wir schlauer.

Ich finde es faszinierend, dass es nach so langer Zeit überhaupt möglich ist, das Rätsel zu lösen. Wenn es sich tatsächlich um Marie Antoinettes Tochter handeln sollte, dann kennen wir mehr als nur ihren Geburts- und Todestag. Es ist spannend, wie sich aus verschiedenen geschichtlichen Quellen das Lebensbild einer längst Verstorbenen ergibt. Freilich, es wird immer unvollständig sein, und vieles kann gar nicht benannt werden. Es ist schlichtweg unmöglich, 100%ig sichere Aussagen über einen Menschen zu treffen. Das gelingt uns ja nicht einmal bei den Lebenden. Gott allein kennt uns durch und durch. Wir dagegen bleiben einander immer auch ein bisschen Rätsel – Überraschungen nicht ausgeschlossen.

In diesem Sinne einen schönen Tag mit einem spannenden Fernsehabend. Ihre Andrea Wilke aus Erfurt von der katholischen Kirche

Sonntag, 27.07.2014: Gute Schüler

Andrea Wilke
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 27.07.2014 (Verkündigungssendung)

27.07.2014, 06:20 Uhr | 01:42 min

"Es gibt kein besseres Mittel, das Gute in den Menschen zu wecken, als sie so zu behandeln, als wären sie schon gut." Dieses Wort eines Ordensmannes aus dem Mittelalter hat es in sich.

Es erinnert mich an einen Bericht, den ich vor langer Zeit mal gelesen habe. Darin ging es um Fachleute, die eine ganz normale Schulklasse begutachteten. Nach den erfolgten Untersuchungen kamen die Fachleute übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Schüler dieser Klasse durchweg sehr begabt sind, dass sie überdurchschnittlich leistungsstark sind. Bei entsprechender Förderung würden diese Schüler das auch zeigen. Die Lehrer waren angetan und setzten alles daran, ihre Schüler zu fördern. Jeden einzelnen. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die Schüler zeigten durch die Bank weg gute und sehr gute Leistungen. Genau wie es die Fachleute gesagt hatten.

Die Crux bei der ganzen Sache war: Die Fachleute hatten ein bisschen geschwindelt. Absichtlich. Keines der Kinder war auch nur annähernd hochbegabt. Doch durch das Urteil hatten sie alle, Lehrer und Kinder, eine neue Sicht bekommen. Die war maßgeblich für diese enorme Veränderung. Die Herausforderung war groß, das Ergebnis überwältigend.

"Es gibt kein besseres Mittel, das Gute in den Menschen zu wecken, als sie so zu behandeln, als wären sie schon gut." (Francois Rabelais)

In diesem Sinne einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Andrea Wilke  aus Erfurt von der katholischen Kirche.

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2014, 09:26 Uhr

Anne Rademacher | Kurzbriografie

* geboren am 25.02.1975 in Ilmenau
* aufgewachsen und Schulzeit in Frankfurt (Oder), dort 1993 Abitur
* bis 1998 Studium Katholische Theologie in Erfurt
* Nach verschiedenen Praktika Gemeindeassistentin in Bad Langensalza
* seit August 2002 Referentin für Kinderseelsorge im Seelsorgeamt Erfurt

Andrea Wilke | Kurzbiografie

* 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren
* nach Ausbildung als Krippenerzieherin einige Jahre als solche tätig
* 1989-1995: Studium der katholischen Theologie in Erfurt
* bis 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte
* seitdem Referentin im Seelsorgeamt des Bistums Erfurt und Rundfunkbeauftragte
* Andrea Wilke lebt mit ihrem Sohn in Erfurt

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