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Wort zum Tag : Augenblick mal

Täglich um 06:20 und 09:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Ulrike Greim von der Evangelischen Kirche

Donnerstag, 24.07.2014: Religion als Zumutung

Religion ist eine Zumutung. Die christliche auf alle Fälle. Ich könnte manchmal ruhiger leben, ohne sie. Ganz ehrlich. Eine Regel, die im älteren Teil der Bibel steht, lautet "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Das ist nicht eine Anweisung, aber es ist erlaubt. Nun kommt in dem jüngeren Teil Jesus ins Spiel. Und der setzt diese Regel nicht außer Kraft. Er setzt aber eins oben drauf. Die höhere Kunst, so übersetze ich den Satz, den er dazu sagt, die höhere Kunst, ist, auf Rache zu verzichten. Das finde ich ungeheuerlich. Das ist eine riesige Herausforderung. Wer eine Trennung hinter sich hat, weiß, wovon ich spreche. Und wenn wir allein auf Israel und Palästina schauen, wünsche ich mir von Herzen so sehr, dass alle Beteiligten das könnten: auf Rache verzichten.

Das wäre ein Riesenschritt. Und so nötig und so hilfreich. Aber Jesus bleibt dabei nicht stehen. Er sagt: es gibt ein höheres Prinzip. Jetzt würde ich mir wünschen, er sagt: überlasst dies dem Rechtsstaat. Das wäre schwer genug, aber angemessen. Jesus hat aber in keinem Rechtsstaat gelebt. Ich würde mir wünschen, er sagt: geht wenigstens nicht hart mit euern Gegnern um. Aber nein, er geht immer ans Äußerste. Er sagt: Liebt eure Feinde. Tut wohl denen, die euch hassen. Das finde ich eine Zumutung.

Also fange ich klein an. Und versuche es in meinem Leben mit Respekt gegenüber dem Gegner. Da stehe ich aber am Anfang. Sagen wir so: die christliche Religion ist ein Angebot, zu lernen. Meint Ulrike Greim aus Weimar von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Mittwoch, 23.07.2014: Kranksein ist keine Schande

Kranksein ist keine Schande. Das sagt sich leicht, hier bei uns. In anderen Ländern sieht das anders aus. Wir waren einmal in Südafrika. Freunde haben uns mitgenommen in eine der zahlreichen und Armensiedlungen. Da, wo die Leute in Wellblechhütten leben. Große Familien in ein, zwei schäbigen Zimmern. Ich wusste, dass Aids ein riesiges Thema ist. Aber keiner sprach darüber. Die Kranken werden versteckt. Die ganze Familie schämt sich. Die Krankheit gilt als Schande. Als Fluch. Darüber schweigt man.

Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der EKM
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Augenblick mal am 23.07.2014 (Verkündigungssendung)

23.07.2014, 06:20 Uhr | 01:50 min

Medizinische Hilfe? Kann sich keiner leisten. Wir waren in einer der Baracken, die Krankenhäuser genannt werden. Himmel hilf. Die Ärzte und Schwestern hatten wenig Ahnung, die wenigen Medikamente waren nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Aufklärung? Fehlanzeige. Kondome – wollen viele Männer nicht, und die haben das Sagen. Die Krankheit komme mit dem Wind, heißt es. Die Kranken siechen dahin. Die Toten werden kaum richtig beerdigt.

Wir waren in einer christlichen Gemeinde. Zum Gottesdienst gehörte, dass einer über Aids in seiner Familie laut spricht. Viele Köpfe senkten sich nach unten, die sonst so lebendige Gemeinde wurde still. Darüber sprechen ist ein Anfang, sagt uns hinterher der Pastor. Und die Verstorbenen würdig beerdigen. Für die Gemeinde ein mutiger Schritt. Aber nötig, weil Jesus ja auch keinen Bogen um die Kranken gemacht hat. Weitere mutige Schritte mögen in diesen Tagen in Melbourne beschlossen werden, zur Weltaidskonferenz. Das wünscht sich Ulrike Greim aus Weimar von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Dienstag, 22.07.2014: Geliebt wird tausendfach

Eigentlich mag ich keine Bahnhöfe. Sie sind laut und hektisch, zugig und meistens riechen sie nicht gut. Es gibt aber eine Sache, die ich an Bahnhöfen richtig gut leiden kann. Das sind die Abschiedsszenen. Gerade vorgestern habe ich wieder eine gesehen. Da stand ein Pärchen am Bahnsteig und hat sich zärtlich im Arm gehabt und sich geküsst. Sie hat ihn verabschiedet, vermutlich weil er unter der Woche andernorts arbeiten muss. Es war wunderbar anzusehen. Weil es zeigt, dass es viel Liebe gibt.

Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der EKM
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 22.07.2014 (Verkündigungssendung)

22.07.2014, 06:20 Uhr | 01:24 min

Mal um Mal, wenn ich das sehe, merke ich, dass es einfach viele Menschen gibt, die lieben und geliebt werden. Das ist wichtig zu wissen, bei all den schlechten Nachrichten, die wir jeden Tag - auch heute wieder - im Radio hören und im Fernsehen sehen und in der Zeitung lesen. Da wird das Elend vervielfältigt. Häufig das Grauen. Wenn ich zu viel davon sehe, könnte ich schwach werden und denken, dass die Liebe keine Chance hat.

Hat sie aber.

Jeden Tag. Und millionenfach. Sie ist viel unscheinbarer, als der blanke Hass. Sie trägt nicht dick auf. Sie braucht keine Scheinwerfer und Kameras. Sie braucht nur zwei Leute, die sich ihr Herz öffnen.

Einen Tag mit Liebe wünscht Ihnen Ulrike Greim aus Weimar von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Montag, 21.07.2014: Urlaubsmodus

Die Vögel zwitschern, es ist hell. Ich werde wach, weil jemand laut lacht - irgendwo da draußen. Der Wecker hat nicht geklingelt. Verschlafen? Nein - Ferien! Juhu, es sind Ferien. Ich drehe mich genüsslich auf die andere Seite. Weiterschlafen. Was für ein Genuss. Dann aufstehen, in Ruhe frühstücken, in Ruhe die Zeitung lesen und dann überlegen, was der Tag noch so bringen kann. Was für ein schöner Zustand.

Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der EKM
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Augenblick mal am 21.07.2014 (Verkündigungssendung)

21.07.2014, 06:20 Uhr | 01:45 min

Ich liebe Ferien, die schönste Jahreszeit.

Wenn wir in die Stadt gehen, haben wir Zeit. Wir schauen uns die Leute an, die Touristen. Wir sind selber mal Touristen in unserer eigenen Stadt. Wollen wir mal eine Stadtführung mitmachen? Ich wollte immer schon mal zu einer Parkführung. Wir könnten auch mal Kutsche fahren. Ach wie schön. Gab es dieses kleine Geschäft an der Ecke eigentlich schon immer? Die Straßenmusiker sind cool drauf. Wir bleiben stehen.

Langsam sein. Wie ungewohnt. Ok, merke ich. Es geht auch anders, als sonst. Anders, als hektisch. Obwohl ich so schnell wieder drin bin in der Hektik. Ach, lass uns schnell noch dies und das erledigen, und rasch noch jenes besorgen. Die Hektik ist gut trainiert. Jetzt will ich umtrainieren. Jetzt will ich den Urlaubsmodus. Und den beibehalten. Eine Lebensaufgabe.

Also: Vögel zwitschern hören, das Lachen, die Musik mitbekommen, die kleinen Dinge wahrnehmen. Und zwar in Ruhe. Das wünscht Ihnen Ulrike Greim aus Weimar von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Sonntag, 20.07.2014: Mut zum Widerstand

Manchmal braucht man Mut. Sehr viel Mut. Wenn man sich entscheiden muss, notfalls gegen alle anzutreten. Wenn es denn sein muss. Mit vollem Risiko, ohne Rückendeckung. Und da hilft einem keiner. Da muss man sich entscheiden.

Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der EKM
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Augenblick mal am 20. Juli 2014 (Verkündigungssendung)

20.07.2014, 06:20 Uhr | 01:38 min

Heute vor 70 Jahren war das so. Die Männer um Graf Stauffenberg ahnten, was passiert, wenn niemand etwas macht. Wenn sich niemand dem Rad in die Speichen wirft. Also haben sie versucht, einen besseren Weg zu planen. Die Macht neu zu ordnen, in andere Hände zu geben. Wenn der Führer weg ist. Sie haben mit ihrem Gewissen gerungen. Darf man einen töten, wenn man damit vielen anderen das Leben rettet? Sie haben ein "ja" gefunden. Und die Bombe gelegt. In der Wolfsschanze. Am 20. Juli 1944. Die Bombe ist explodiert, Hitler hat überlebt. Herr Gott im Himmel, wie kann das sein?

Wenig später sind sie gehängt worden.

Manchmal braucht man Mut. Viel Mut. Und muss sich notfalls gegen alle stellen. Und hat keine Garantie, dass es klappt. Das ist wahnsinnig ungerecht. Und es gibt darauf keine kluge Antwort. Aber wir haben unser Gewissen – Gott sei Dank. Nicht, damit wir uns auf die faule Haut legen. Sondern es benutzen. Im Großen wie im Kleinen. Also: haben wir Mut. Immer dann, wenn er nötig ist. Auch, wenn es eng wird.

Ulrike Greim aus Weimar von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2014, 07:59 Uhr

Ulrike Greim | Kurzbiografie

* geboren 1971, aufgewachsen in Winterstein und Eisenach
* kirchliche Oberschule in Naumburg
* Ausbildung zur Katechetin in Eisenach
* Katechetin in Saalfeld
* journalistische Ausbildung an der Evangelischen Medienakademie Frankfurt
* Volontariat bei der "Thüringer Allgemeinen"
* ab 1996 Reporterin bei MDR 1 RADIO THÜRINGEN und Autorin für MDR Figaro
* seit 2002 Korrespondentin für Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk
* seit 2011 Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

* eine Tochter
* lebt gern in Weimar
* singt eine ganze Menge von Gregorianik bis Nina Hagen
* mag Sushi oder selbstgemachte Hühnersuppe
* erzählt gerne Gute-Nacht-Geschichten

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