MDR THÜRINGEN - Das Radio

Wort zum Tag : Augenblick mal

Täglich um 06:20 und 09:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Andrea Wilke von der Katholischen Kirche in Erfurt.

Mittwoch, 27.08.2014: Willkommen heißen

Ich kenne einige Menschen der älteren Generation, die es am eigenen Leib erfahren haben, was Flucht und Vertreibung bedeuten. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sie ihre Heimat verlassen. Viele kamen auch nach Thüringen. Und viele erlebten auch, dass sie nicht willkommen waren.

Andrea Wilke
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Augenblick mal am 27.08. | Verkündigungssendung

27.08.2014, 06:20 Uhr | 01:37 min

Dabei war es doch so: sie hatten allesamt ihre Heimat nicht freiwillig verlassen. Im Gegenteil. Sie verloren so gut wie alles, was sie bis dahin besaßen. Manch einer hat Flucht und Vertreibung nicht überlebt. Für die meisten hat es Jahre gedauert, bis sie hier eine neue Heimat fanden. Aber mit viel Kraft und Durchhaltevermögen haben sie sich hier etwas aufgebaut. Mehr noch: sie haben mit ihren Kräften auch dieses Land mit aufgebaut.

Flüchtlinge sind wieder ein Thema. Ein hochaktuelles. Was erwartet die  Flüchtlinge von heute, die bei uns, hier in Thüringen, Zuflucht suchen? Sind sie willkommen? "Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst." So lautet ein soziales biblisches Gebot. Es kann zu der Erkenntnis führen, dass Flüchtlinge eben nicht nur mit leeren Händen kommen. Sondern auch mit all ihren Talenten und Fähigkeiten. Und davon kann ein Land doch nie genug haben.

Einen schönen Tag! Ihre Andrea Wilke aus Erfurt von der katholischen Kirche.

Dienstag, 26.08.2014: Eingewecktes

Sie standen immer mustergültig in Reih und Glied. Die Jüngeren hinten, die Älteren in der ersten Reihe. Die Gläser mit dem eingeweckten Obst und Gemüse im Keller meines Großvaters.

Andrea Wilke
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Augenblick mal am 26.08.2014 (Verkündigungssendung)

26.08.2014, 06:20 Uhr | 01:36 min

Er war ein leidenschaftlicher Gärtner. Er hatte zwei Weltkriege erlebt und die Not hatte ihn gelehrt, sich so gut wie möglich selbst zu versorgen. An jeder noch so kleinen Stelle seines Gartens baute er Obst oder Gemüse an. Dementsprechend groß war dann auch die Ernte. Und dann erst das Einwecken. Ich sehe heute noch den großen Einwecktopf, die vielen Einweckgläser vor mir. Die wurden alle ganz heiß abgewaschen, die Gummiringe ausgekocht. Da ließ sich mein Großvater auch nicht helfen; er wollte sicher sein, dass alles wirklich sauber war. Zu kostbar war ihm das Erntegut, als dass es durch Unachtsamkeit beim Einwecken dann doch noch verdarb. Und dann waren die Regale im Keller wieder gefüllt.

Sonntags wurde ein Glas Obst raufgeholt, zum Nachtisch. Aber keineswegs die Sauerkirschen; die gab es nur für ein fieberndes Enkelkind oder eine Festtagstorte. Birnen und Apfelkompott gab es dafür reichlich.

Im Rückblick auf diese Zeiten sehe ich die selbstverständliche Ehrfurcht, mit der mein Großvater mit den Lebensmitteln umging. Das ist nachahmenswert.

In diesem Sinne einen schönen Tag!

Ihre Andrea Wilke aus Erfurt von der Katholischen Kirche

Montag, 25.08.2014: Gefahrenzonen

Abstand ist geboten. Denn ab Montag steht die ICE-Strecke Erfurt-Leipzig für Testfahrten unter Strom. Wer nicht den nötigen Abstand zu den Bahnanlagen einhält, begibt sich in Lebensgefahr. Es ist gut, dass die Polizei in die Schulen geht und den Kindern dort alles genau erklärt. Es ist gut, schon vorher zu wissen, was schlimmstenfalls passieren kann. So kann man die Folgen abschätzen und nötige Konsequenzen ziehen.

Rundfunkbeauftragte Andrea Wilke
MDR THÜRINGEN - Das Radio

Augenblick mal am 25.08.2014 (Verkündigungssendung)

25.08.2015, 06:20 Uhr | 01:33 min

Im Leben gibt es viele Gefahrenzonen, in denen besser Abstand angesagt ist. Ein langjährig verheirateter Mann erzählte mir einmal, dass er sich während seiner Ehe in eine Arbeitskollegin verliebt hatte. Sie faszinierte ihn und er freute sich immer, wenn sie sich begegneten. Ja, er suchte regelrecht Gelegenheiten, in ihrer Nähe zu sein.  Als er merkte, dass er immer öfter an sie dachte und sogar von ihr träumte, wurde ihm klar, dass er damit seine Ehe gefährdet. Obwohl es ihm nicht leicht fiel, ging er auf Abstand. Nur wenn es unbedingt nötig war, und das war selten genug, traf er mit ihr zusammen. Heute ist er froh darüber, denn, so sagt er, ich bin mir nicht sicher, wie es sonst ausgegangen wäre.

In diesem Jahr übrigens feiert er Goldene Hochzeit. Glückwunsch!

Einen schönen Tag wünscht Ihnen Andre Wilke aus Erfurt von der Katholischen Kirche

Sonntag, 24.08.2014: Pazifismus und der Nordirak

"Ich verjage dich aus deinem Amt, ich vertreibe dich von deinem Posten". So beginnt ein Text aus der Bibel. Es geht um einen Palastvorsteher, der stets um seinen eigenen Vorteil bedacht handelt und damit unwürdig für das Amt wird. Gott selbst ist es, der ihm sagt: "Ich verjage dich aus deinem Amt, ich vertreibe dich von deinem Posten". 

Andrea Wilke
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Augenblick mal am 24.08.2014 (Verkündigungssendung)

24.08.2014, 06:20 Uhr | 01:26 min

An so vielen Stellen der Welt werden Kriege geführt, werden unschuldige Menschen vertrieben, gequält, getötet. Wie kann das beendet werden? Friedliche Lösungen sind natürlich immer die besten Lösungen. Aber es gibt Krisenherde, in denen die Diplomatie an ihr Ende gekommen ist. Kann absoluter Pazifismus um jeden Preis die richtige Lösung sein? Der Papst spricht hinsichtlich der Verbrechen im Nordirak davon, dass es "legitim ist, den ungerechten Aggressor zu stoppen". "Ich sage nicht", so fügt er hinzu, "bombardieren, ich sage stoppen". Doch er weiß, dass dazu militärisches Eingreifen erforderlich ist.

Für alle, die es können: Beten wir dafür, dass Frieden wird – überall. Und beten wir für die Entscheidungsträger: dass sie die richtige Entscheidung treffen.

In diesem Sinne einen guten Sonntag. Ihre Andrea Wilke aus Erfurt von der katholischen Kirche.

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2014, 08:30 Uhr

Kurzbiografie Andrea Wilke

* 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren
* nach Ausbildung als Krippenerzieherin einige Jahre als solche tätig
* 1989-1995: Studium der kath. Theologie in Erfurt
* bis 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte
* seitdem Referentin im Seelsorgeamt des Bistums Erfurt und Rundfunkbeauftragte
* Andrea Wilke lebt mit ihrem Sohn in Erfurt

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