Kulturgeschichte Wie das Glas nach Arnstadt kam

Nach Arnstadt kamen nach dem Krieg fast 8.000 Vertriebene. Das waren etwa 30 Prozent der damaligen Bevölkerung. Unter ihnen waren auch viele Glasarbeiter aus Böhmen. In dem wenigen Gepäck was sie mitnehmen durften, schmuggelten sie Schleifscheiben und Geräteteile. Kaum das sie angekommen waren, bauten sie wieder Werkstätten auf. Arnstadt wurde erst durch die Facharbeiter zu einer Stadt des Glases.

1946 wurden aus dem Ort Kamenický Šenov in Tschechien alle deutschen Glasarbeiter vertrieben und nach Thüringen umgesiedelt, viele kamen nach Arnstadt und Ilmenau. Zwischen Kleidungsstücken versteckt, schmuggelten sie Schleifscheiben und Maschinenteile. Auch Lucia und Erhard Watzke waren mehrere Wochen lang mit dem Transport unterwegs. 1946 kamen die Graveurin und der Glasschleifer in Arnstadt an und fanden schnell wieder Arbeit. Die ersten Facharbeiter aus dem Sudetenland hatten bereits kleine Werkstätten aufgebaut und produzierten Gebrauchsglas.

Ein Unternehmen in Arnstadt erinnert noch heute an die bewegende Vergangenheit - die "Arnstadt Kristall GmbH". Die Firmengeschichte ist eng mit dem Schicksal der Vertriebenen verbunden. Das Unternehmen exportiert hochwertiges Bleikristall in weltweit über 50 Länder. Auch Paläste in den Vereinigten Emiraten werden mit brillanten Service, Gläsern und prunkvoll gravierten Vasen aus Arnstadt ausgestattet.

Die vertriebenen Glasarbeiter haben an der Entwicklung von Arnstadt einen hohen Anteil. Ihre Geschichte, die Arnstadt erst zu einer Stadt des Glases machte, wurde in der MDR THÜRINGEN Kulturnacht erzählt.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2016, 10:42 Uhr