Wildbrücke über die A71 bei Ilmenau
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Der Redakteur | 30.05.2017 Nutzen Tiere Wildbrücken?

Karlheinz Fehrmann aus Neuhaus am Rennweg möchte wissen, wie die Wildquerungsbrücke auf der A71 bei Ilmenau genutzt wird. Gibt es beispielsweise Wildzählungen?

von Mandy Roloff

Wildbrücke über die A71 bei Ilmenau
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In Zahlen:

Die Grünbrücke bei Bücheloh wird laut dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft regelmäßig durch Wildtiere genutzt. Im Oktober 2016 nutzten laut Statistik fünf Rehe, ein Hirsch, zwei Wildschweine und vier Mufflons die Brücke. Im Mai 2015 waren 40 Rehe, vier Füchse, 17 Hirsche, vier Wildschweine und acht Mufflons unterwegs. Die Überwachung erfolgt mittels Kamera. Die Brücke wird regelmäßig gepflegt, die Pflege für 2017 startet demnächst.

Eine weitere Grünbrücke über die A71 befindet sich bei Einhausen, auf der Landstraße bei Haynrode wird gerade eine Wildbrücke gebaut. Und geplant ist  weiterhin eine Grünbrücke über die B84 zwischen der A4 und Behringen. Prinzipiell gibt es positive Erfahrungen mit den Brücken, hieß es vom Thüringenforst und da schließt sich der NABU an. Wenn es nach ihnen ginge, dürften jetzt noch mal 200 Wildbrücken dazu kommen. Das ist aber aus Kostengründen nicht möglich. Die Wildbrücke bei Bücheloh hat über 1,4 Millionen Euro gekostet.

Preiswertere Alternativen:

Die Elektronische Wildwechselwarnalage. Diese Konstruktionen kosten laut NABU zwischen 250.000 und 400.000 Euro. Sprecher Silvester Tamás hält sie für effektiv. Dank Infrarot und Wärme werden Wildtiere registriert und dann erscheinen auf Displays über der Fahrbahn "Achtung Wildwechsel!" Dazu wird auch gleich noch die Höchstgeschwindigkeit von 30 bis 40 km/h angezeigt.

Erfolgreich ist das System am Rastorfer Kreuz, in Schleswig-Holstein. Ein Jahr nach der Errichtung wurden 80 Prozent weniger Wildunfälle gezählt. Und das ist nicht nur für Autos und Versicherungen gut. Wildbrücken zum Beispiel werden in erster Linie gebaut, damit die Tiere sicher die Bereiche wechseln können. Damit unter anderem ein genetischer Austausch möglich ist, sagt Horst Sproßmann vom Thüringenforst. Dass eventuell auch Wildunfälle vermieden werden, sei ein Nebeneffekt.

Leben Tiere durch Wildbrücken sicherer?

Der Bau solcher Brücken ist laut Silvester Tamás vom NABU Thüringen durchaus sinnvoll. Tatsächlich kommen jährlich 260.000 Wildschweine und Rehe und andere große Tiere unter die Räder. Das hat mit Artenschutz natürlich nicht viel zu tun. Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere an die überfahrene Wölfin auf der A71 bei Schlossvippach. Das war von einem Jahr passiert. Sie kam laut dem Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung aus Brandenburg und hatte 160 Kilometer in zwei Tagen zurückgelegt und dann wurde sie von einem Auto getötet.

Wildbrücken sollen eben auch DAS verhindern. Unsere Nachbarn in Polen setzen ebenfalls auf diese Brücken. Um Inzucht und damit Krankheiten zu verhindern, brauchen Wolfsrudel frisches Blut. Und deswegen Wandern Wölfe auch. Eine große Population lebt in Polen und hier wandern die Wölfe bis nach Russland. Damit sie möglichst unverletzt ins Ziel kommen, werden die Wanderkorridore der Wölfe mit vielen Wildbrücken über Straßen und Autobahnen gesichert. Solche Brücken fehlen auf der Isle Royale in den USA. Durch die Inzucht sind die Wölfe dort vom Aussterben bedroht!

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 30.05.2017 | ab 08:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2017, 16:00 Uhr