Themen der Woche

Marlene | MDR THÜRINGEN - Das Radio | 17.07.2014 | 19:00-22:00 Uhr : Sommerkino, Goethe und Erotik in Thüringen

Das Kulturmagazin "Marlene" widmet sich diesmal dem Thema Erotik. Schließlich dokumentieren frivole Stücke in Thüringer Museen die erotische Entwicklung der Menschheit. Außerdem gibt's Ferientipps für den Sommer. In unserer Buch-Rubrik steht zudem "Goethe vor Gericht".

Porzellanfigur Leda mit Schwan

Erotisches Thüringen im Museum

In Thüringer Museen und Ausstellungen finden sich Zeugnisse der Erotik aus den verschiedenen Epochen. Kuriose Alltagsgegenstände wie eine mit Penissen verzierte Porzellantasse oder sinnliche Aktbilder - erotische Abbildungen sind mal sinnlich, mal aufreizend, mal aberwitzig und mal provokativ. Aber niemals ist die Kunst keusch.

Kulturhistorische Entwicklung der Erotik: Sinnlichkeit und Schweinereien

Erotik fasziniert, erregt und provoziert. In Thüringer Museen dokumentieren frivole Stücke die erotische Entwicklung. Doch die Geschichte der Erotik ist auch die der Menschheit. [mehr]



Sommerkino im Hofwiesenpark Gera

Bis zum 27. Juli lädt der Hofwiesenpark Gera zum Filmfest. Das Sommerkino findet an der Veolia-Bühne statt. Jeweils ab 22 Uhr werden dort deutsche Erfolgskomödien und internationale Blockbuster zu sehen sein.


Ungers Bücher: "Goethe vor Gericht"

Die Faszination, die von Goethe und der Weimarer Klassik ausgeht, ist einfach unerschöpflich. Freunde wie Feinde fühlen sich immer wieder aufgerufen, sich mit dem Thema Klassik zu beschäftigen. Jüngstes Beispiel ist ein Theaterstück, das "Goethe vor Gericht" heißt und von Alexander von Hohentramm verfasst wurde. Unser Literatur- und Goethe-Experte Torsten Unger hat es gelesen:

Torsten Unger
Torsten Unger hat "Goethe vor Gericht" gelesen.

Zunächst einmal ist es eine fiktive Gerichtsverhandlung. Und eine Gerichtsverhandlung mit ihrem Für und Wider passt gut in ein Theaterstück. Goethe wird der Störung der Totenruhe angeklagt, weil er Schillers Schädel aus der Gruft entnommen und sich auf den Schreibtisch gestellt haben soll. Außerdem wird in dem Stück behauptet, dass Schiller vergiftet worden sei. Diese Behauptung wurde im Jahr 2000 schon einmal von dem Autor Henning Fikentscher aufgestellt. Hohentramm hat diese These jetzt dramatisiert, ohne dass sie dadurch dramatischer würde.

Der Autor führt viele Indizien an, warum Schiller ermordet worden sein soll. Allerdings sind alle so verworren, dass man nicht nur auf einem dünnen Seil zu wandeln glaubt, das Seil scheint geradezu unsichtbar. Hohentramm behauptet, Schiller sei, als er mit fünfundvierzig Jahren starb, kerngesund gewesen. Der Tod sei plötzlich gekommen. Der Obduktionsbericht, der von schweren organischen Schäden berichtet, sei eine Fälschung. Vielmehr sei Schiller im Auftrag der Freimaurer ermordet worden, weil der Dichter sich im Demetrius gegen jene demokratischen Ideale ausspricht, für die die Freimaurer eintreten. Diese These ist spektakulär, eine solche Verschwörung ist mehr als unwahrscheinlich. Man muss - wie Hohentramm - eine komplizierte Konstruktion schaffen, um die Behauptung aufrecht zu erhalten.

Aber man muss ihm zugute halten, dass er Goethe ernst nimmt. Warum wird er ihn sonst stürzen wollen? Nur wer auf einem Sockel steht, kann heruntergestoßen werden. Bloß gelingt Hohentramm das nicht. Warum sollte Schiller ermordet worden sein? Dieser spektakuläre Gedanke hat den Autor so hingerissen, dass er durch eine Verschwörungstheorie stolpert. Aber Goethe ist ein Fels wie Gibraltar, daran sind schon viele Schiffchen zerschellt. Gibraltar ist außerdem dafür bekannt, dass sich auf ihm viele Äffchen tummeln.


Außerdem in "Marlene":

  • Karten-Verlosungen für Kulturarena-Konzerte in Jena
  • Robert Capa-Ausstellung in Erfurt
  • 15. Schmucksymposium Erfurt: Sommerwerkstatt für Schmuckdesigner
  • CD-Tipp: Pink Floyd - "The division bell" 2014
  • Thüringer Soundsystem in Bregenz
  • 3xJa: Veranstaltungstipps zum Wochenende

"Marlene" verpasst? Ausgewählte Beiträge zum Nachhören:

Marlene zum Nachhören

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2014, 17:27 Uhr

Marlene - mit Vergnügen Kultur

"Marlene" hören Sie donnerstags von 19 bis 22 Uhr! Die Moderatoren Brigitte Mayer und Andreas Reinhardt sind im Gespräch mit Thüringer Künstlern und mit allen, die Spaß und Freude an Kunst und Kultur haben.

Literatur-Experte Torsten Unger sagt in der Rubrik "Ungers Bücher" seine Meinung zu neuen Büchern, Werner G. Lengenfelder informiert Sie über Neues aus der Musikszene.

In unserer wöchentlichen Preisfrage können Sie Theaterkarten oder andere Überraschungen gewinnen.

"Goethe vor Gericht. Protokoll einer fiktiven Verhandlung."

Alexander von Hohentramm,
Verlag zum Halben Mond
ISBN: 978-3-939725-02-2

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