Ein Herz für Trabi, Schwalbe und Co.
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Leichter leben | 08.11.2017 | 17:00 Uhr Autos aus DDR-Zeiten

Wollten nach der Wende alle ihre Trabis, Wartburgs und Ladas loswerden, kommen diese Autos jetzt wieder in Mode. Sei es, weil Erinnerungen dran hängen, weil die Fahrzeuge noch leicht selbst zu reparieren sind oder weil sie einfach Kult sind. Was ist bei Kauf und Haltung eines Ost-Oldies zu beachten, das erklärt Andreas Keßler.

Ein Herz für Trabi, Schwalbe und Co.
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Vor gar nicht langer Zeit ging man die Oldtimerei in dem einen Teil Deutschlands recht pragmatisch an: Ein Auto hatte vier Räder, einen Motor und musste anspringen, wenn man damit fahren wollte. Das ein oder andere Ersatzteil hatte man im Schuppen und Beziehungen für die nächste „Regenerierung“ des Wagens war Gold wert.

Blaue und gelbe Trabis parken in einer Reihe nebeneinander
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Was sich anhört wie die Beschreibung der allgegenwärtigen Oldtimer-Leidenschaft, war in den rund 40 Jahren, in denen die DDR existierte, automobiler Alltag! Im Gegensatz zur alten Bundesrepublik gab es Autos nämlich nicht in jeder beliebigen Menge, sondern nur auf Antrag und nach langer Wartezeit. Deshalb musste man mit dem fahren, was zuerst der Krieg, später die diversen VEBs oder, in Ausnahmefällen, die spendable West- Verwandtschaft in die Garage gerollt hatte. Das Auto als Mangelware wurde gehegt und gepflegt, einfach ein neues zu kaufen, ging kaum.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs änderte sich dieser heute wahrscheinlich als „nachhaltig“ bezeichnete Umgang mit älteren und alten Autos radikal: Niemand wollte mehr mit einer „Pappe“, einem „Sappo“ oder irgend einem anderen oft als „Gehhilfen“ betitelten Vehikel aus volkseigener Produktion herumfahren. Zu tausenden landeten Trabant, Wartburg und Lada auf dem Schrotthaufen der Weltgeschichte.

Übrig blieben nur Erinnerungen, ein paar Bilderalben und oft veritable Ersatzteillager in Kellern, Garagen und auf Dachböden.

Autos aus DDR-Zeiten

Wartburg, Lada und Barkas gilt es zu erhören.
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Doch genau damit war der Keim gelegt: Das Oldtimer-Pflänzchen spross im Osten zwar erst spät und kümmerlich, ist inzwischen aber zu einem kräftigen Bäumchen herangewachsen. Dieser Baum wird groß und kräftig, trägt dann aber höchstwahrscheinlich Früchte, die in der Oldtimerszene recht einmalig sind. Der Grund dafür ist zum Teil derselbe wie in der West-Szene: Es werden immer die Autos zu Sammlerfahrzeugen, die Emotionen wecken oder geweckt haben. Und da vor 40 Jahren jeder junge Mann von einem Trabi, einem 4-Takt-Wartburg oder sogar einem Lada träumte, sind genau diese „Traumwagen“ zwischen Elbe und Oder inzwischen auf jedem Oldtimertreffen zahlreich und schön restauriert zu finden.

Die goldenen Regeln beim Oldtimerkauf

Information ist alles!

Aktuelle Tipps und attraktive Angebote findet man in den einschlägigen Marken-Foren im Internet und auf den Seiten der großen Markenclubs. Die Hersteller sind weit weniger hilfreich. Als „Erstling“ immer ein Modell mit großem Verbreitungsgrad und gesicherter Ersatzteilversorgung wählen.

Der „bessere“ Oldtimer ist immer der preiswertere! Lieber etwas mehr Geld in den Kauf stecken, als später hohe Werkstattrechnungen bezahlen. Die Restauratierung eines alten Käfers kostet fast genau so viel wie die eines Porsche 356! Den Wert beider Autos nach der Restauratierung trennen aber Welten.....

Und: Nie allein und unvorbereitet zum Oldtimerkauf gehen.

Und Ersatzteile?

Die Oldtimer-Treffen (ja, inzwischen heißen die auch im Osten so!) wären ohne die DDR-Geschichte mit ihrer speziellen Mobilitätshistorie heute kaum möglich: Hätte der Ossi nicht immer alles, dessen er habhaft werden konnte, gehortet, wäre der Teilenachschub (und damit mancher Teilehändler....) bei weitem nicht so ergiebig, wie er jetzt noch ist. Immer wieder tauchen größere Posten aus Nachlässen auf, die später auf den Holztischen der Händler liegen. Weggeworfen wurde nämlich fast nichts: vielleicht kommt ja noch jemand, der das brauchen kann. Die westdeutsche Mentalität war (und ist...) da völlig anders: Was aus den Ersatzteillagern einiger großer Autohändlern in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts „mal schnell“ in den Schrottcontainer wanderte, möchte man sich heute lieber nicht mehr vorstellen.

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2017, 17:04 Uhr