Eine Frau kniet neben einem jungen Mann, der leblos auf der Straße liegt, und führt eine Herzdruckmassage durch.
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Leichter leben | 02.11.2017 | 17:00 Uhr Erste Hilfe am Unfallort: Wie Sie richtig helfen

Es ist für fast jeden Autofahrer eine Horrorvorstellung, als Zeuge eines Unfalls plötzlich Hilfe leisten zu müssen. Die meisten haben Angst, etwas falsch zu machen und wissen nicht, wie sie einen Verletzten aus dem Auto bekommen. Und wie ging nochmal die stabile Seitenlage? Dr. Thomas Dietz erklärt, was Ersthelfer beachten sollten.

Eine Frau kniet neben einem jungen Mann, der leblos auf der Straße liegt, und führt eine Herzdruckmassage durch.
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Erste Hilfe kann Leben retten! Bis zum Eintreffen des Rettungswagens dauert es hierzulande acht bis zwölf Minuten. Was tun, bis der Arzt kommt? Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen – und handeln dann lieber gar nicht. Doch zur Hilfeleistung ist jeder rechtlich verpflichtet!

In einer Notsituation mit verletzten, vergifteten oder erkrankten Personen müssen die Helfer vor Ort, die Ersthelfer, die Rettungskette in Gang setzen und Sofortmaßnahmen durchführen, denn meist entscheiden die ersten Minuten nach dem Unfall über die Schwere der Unfallfolgen und das Überleben der verletzten Personen.

Was tun im Notfall?

Ein Mann in Warnweste hat sein Auto auf dem Stadstreifen abgestellt und telefoniert an einer Notrufsäule. im Vordergrund steht ein Warndreieck.
Unfallstelle sichern: Ein Warndreieck sollte in einem ausreichenden Abstand zum Fahrzeug und gut sichtbar aufgegestellt werden – mindestens 100 Meter vor dem Unfallort. Bildrechte: IMAGO

Schritt 1: Sichern Sie die Unfallstelle bei Verkehrs-, Haushalts- oder Arbeitsunfällen ab: Wichtig ist, die Art des Notfalls einzuschätzen und an den Eigenschutz zu denken, denn nur ein unverletzter Helfer kann auch helfen.

Schritt 2: Wählen Sie den Notruf, deutschlandweit 112 (ohne Vorwahl)

Schritt 3: Den Notruf alarmieren. Bei schweren Unfällen müssen die Polizei und ein Notarzt gerufen werden. Dabei sollte man die relevanten "W-Fragen" beantworten: WO ist der Unfall passiert? WAS genau ist passiert? WIE viele Verletzte gibt es? WELCHE Verletzungen haben sie? WARTEN, ob die Einsatzkräfte noch weitere Fragen haben.

Schritt 4: Bringen Sie, wenn nötig, bewusstlose Person in die stabile Seitenlage. Die stabile Seitenlage dient dazu, das versehentliche Einatmen von Speichel, Erbrochenem oder Blut zu verhindern, damit die Person nicht erstickt. Hören Sie Atemgeräusche? Senkt und hebt sich der Brustkorb? Wenn nicht, beginnen Sie mit der Herzdruckmassage.

Dabei ist aber immer zu beachten: Man ist zwar dazu verpflichtet, bei Unfällen zu helfen – Rettungsdienste zu alarmieren ist immer möglich – aber die Hilfe sollte immer in einem verhältnismäßigen Rahmen geleistet werden. Das Deutsche Rote Kreuz rät, sich selbst und seine Gesundheit nicht in Gefahr zu bringen.

Keine Atmung? Mit Herzdruckmassage und Beatmung beginnen:

Erste Hilfe
Die Herzdruckmassage ist die wichtigste Form der Ersten Hilfe. Bildrechte: Colourbox.de

Person auf festem Untergrund auf dem Rücken legen. Den Kopf nach hinten überstrecken, um die Atemwege freizuhalten. Vorhandene Hindernisse im Mundraum (z.B. Prothesen) gegebenenfalls entfernen. Brustkorb freimachen. Der richtige Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein. Dann mit der Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 pro Minute und einer Drucktiefe von etwa fünf Zentimetern beginnen.

Wer es sich zutraut, kann die Herzdruckmassage mit der Beatmung abwechseln, das heißt 30 Mal drücken, zweimal beatmen, dann wieder 30 Mal drücken, zweimal beatmen. Das Ganze so lange wiederholen, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist.

Nicht erweckbar? Patient in stabile Seitenlage bringen:

Knien Sie sich als Helfer seitlich neben den Betroffenen, der mit ausgestreckten Beinen auf dem Rücken auf festen Boden liegen sollte. Legen Sie seinen Arm auf Ihrer Seite im rechten Winkel nach oben und legen Sie den anderen Arm über seinen Brustkorb auf die Wange der Person.

Jetzt setzen Sie an dem Knie des vorher angewinkelten Beins an und ziehen den Betroffenen zu sich heran. Er rollt dann zu Ihnen auf die Seite. Jetzt noch den Kopf überstrecken, den Mund öffnen sowie die Hände nah an den Körper des Betroffenen legen. Bleiben Sie beim Betroffenen bis der Rettungsdienst kommt.

Grundsätzlich gilt:

Wer Angehörige hat, die schon einen oder mehrere Herzinfarkte hatten oder unter schweren Herzrhythmusstörungen leiden, sollte unbedingt einen Auffrischungskurs für Erste Hilfe wahrnehmen. Nichts ist schlimmer als in einer Notfallsituation hilflos auf den Rettungsdienst zu warten.

Wenn Kinder im Haushalt leben oder häufiger zu Besuch sind, sollte die Telefonnummer des Giftnotrufes (diese sollte bei Anzeichen oder dem Verdacht auf eine Vergiftung gewählt werden) im Telefon eingespeichert sein, ebenso die des Kinderarztes.

Giftnotrufnummer Giftinformationszentrum Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt, Telefon: 0361 730730

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2017, 11:36 Uhr