Eine Frau putzt den Fußboden.
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Leichter leben | 12.09.2017 | 17:00 Uhr Geringfügige Beschäftigung: Worauf Minijobber achten sollten

Das Leben ist teuer und wenn es mal etwas besonderes sein soll, müssen manche schon ganz genau rechnen. Da passt vielleicht ein Minijob? Auf welche Verdiensgrenzen muss man achten und wie richtig versichern? Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, was Minijobber wissen sollten und wie sie clever rechnen.

Eine Frau putzt den Fußboden.
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Minijobs heißen Minijobs, weil sie nur wenig Geld einbringen. Es handelt sich um geringfügige Beschäftigungen mit übers Jahr maximal 5400 Euro Einkommen, also regelmäßig 450 Euro im Monat. Für Minijobs zahlen Arbeitnehmer weder in die Arbeitslosenversicherung, noch in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ein.

Minijobs sind aber rentenversicherungspflichtig. Sie können sich aber davon befreien lassen. Ohne Befreiung zahlen Sie 3,7 Prozent Ihres Lohns in die Rentenversicherung ein. Sie bekommen dann etwas weniger als die 450 Euro ausgezahlt. Damit erwerben Sie einen geringen Rentenanspruch. Die Zeit wird als Pflichtbeitragszeit angerechnet. Immer dann, wenn sie eine bestimmte Zahl an Jahren in der Rentenversicherung für gesetzliche Ansprüche brauchen, ist das von Vorteil. Und Sie haben Anspruch auf staatliche Zulagen für die Riester-Altersvorsorge.

Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50
Minijobber haben Anspruch auf bezahlten Urlaub. Bildrechte: IMAGO

Als Minijobber haben sie die grundsätzlich gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte: Sie erhalten Gehalt, wenn Sie krank sind, und haben Anspruch auf bezahlten Urlaub.

Die Bundesagentur für Arbeit zählt 2017 über 7,3 Millionen geringfügig entlohnte Beschäftigte in Deutschland: Studierende, Rentner, Minijobber in Privathaushalten, oder auch Arbeitnehmer mit Nebenjobs

Wenn von Minijobs im gewerblichen Bereich die Rede ist, sind 450-Euro-Jobs und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse gemeint (§ 8 SGB IV). Bei Minijobs in Privathaushalten gelten im Wesentlichen dieselben Regeln – nur die Abgaben für den Arbeitgeber sind geringer.

Die gesetzliche Regeln

Eine geringfügige Beschäftigung setzt voraus, dass das regelmäßige Entgelt 450 Euro im Monat nicht übersteigt. Das entspricht einer Verdienstgrenze von maximal 5400 Euro pro Jahr bei durchgehender, mindestens zwölf Monate dauernder Beschäftigung. Man darf in drei Monaten auch mehr verdienen, insgesamt aber nicht über die Grenze von 5400 Euro kommen.

Minijobs in Privathaushalten sollen vor allem Schwarzarbeit verhindern. Doch für viele Berufstätige ist eine Haushaltshilfe unumgänglich. Auch ältere Menschen setzen auf solch eine „Perle“, die sie unterstützt – oft gegen Bargeld auf die Hand. Um diese weitverbreitete Art der Schwarzarbeit zu bekämpfen, hat der Gesetzgeber das Haushaltsscheckverfahren bei der Minijob-Zentrale eingeführt.

Haushaltshilfe
Mit dem sogenannten Haushaltsscheckverfahren der Minijob-Zentrale werden Beschäftigungen im Haushalt abgewickelt. Bildrechte: IMAGO

Beim Haushaltsscheckverfahren ist der Arbeitnehmer ordentlich versichert und der Arbeitgeber erhält nach Ablauf des Jahres eine Bescheinigung, die er beim Finanzamt einreichen kann, um sich Steuern zurückerstatten zu lassen.

Vorteil für Haushalte: Als Arbeitgeber zahlt man für die Sozialversicherung geringere Pauschalbeiträge als bei gewerblichen Minijobs. Zudem kann er eine Pauschsteuer von nur 2 Prozent zahlen. Als Arbeitgeber muss man die Beschäftigung bei der Minijob-Zentrale anmelden und erteilt ihr ein Sepa-Lastschriftmandat. Die Zentrale zieht dann halbjährlich die Beiträge ein und verteilt sie auf die Sozialversicherungsträger und das Finanzamt. Nach Ablauf des Jahres erhält der Arbeitgeber automatisch eine Bescheinigung über die Höhe des gezahlten Lohns und der darauf entfallenen Abgaben. Diese dient beim Finanzamt als Nachweis bei der Einkommensteuererklärung.

Arbeitgeber können sich einen Teil ihrer Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse über die Steuererklärung zurückholen. Denn 20 Prozent der tatsächlichen Kosten können sie direkt von ihrer Steuerschuld abziehen (§ 35a Absatz 1 Einkommensteuergesetz), maximal 510 Euro. Folglich wirken sich Kosten von mehr als 2550 Euro im Jahr steuerlich nicht mehr aus. Dafür ist dieser Steuervorteil mit dem der haushaltsnahen Dienstleistungen und der Handwerkerleistungen kombinierbar, sodass sich Steuerzahler für Hilfen im Privathaushalt maximal 5710 Euro erstatten lassen können.

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 12:03 Uhr