Großeltern und ihre Enkel
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Leichter leben | 23.06.2016 | 17 Uhr Rechte von Großeltern

Großeltern haben ein sogenanntes Umgangsrecht. Das heißt, sie haben Anspruch darauf, ihre Enkel regelmäßig zu sehen. Geregelt ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch unter Paragraf 1685. Dort findet man keine festen Zeiten, sondern das Kindswohl steht im Vordergrund. Welche Rechte aber haben Großeltern im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls des Kindes? Und dürfen sie ihre Enkel einfach so im Kindergarten abholen?
Die Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie hier.

Großeltern und ihre Enkel
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Haben Großeltern ein Recht auf Umgang mit ihrem Enkelkind?

Das Umgangsrecht dient dazu, die Bindungen des Kindes zu denjenigen Personen, die ihm besonders nahe stehen, durch regelmäßigen Kontakt zu erhalten und zu festigen. Neben dem anderen Elternteil, dem ohne weiteres ein Umgangsrecht mit dem Kind zusteht, haben auch Großeltern, Geschwister, Stiefeltern und andere enge Bezugspersonen ein Recht auf Umgang mit dem Kind; dies allerdings nur dann, wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient.

Besteht ein liebevolles Verhältnis zwischen Großeltern und Enkelkind, darf der sorgeberechtigte Elternteil nicht ohne triftigen Grund den Kontakt unterbinden.

Wie unterscheidet sich das Umgangsrecht der Großeltern von demjenigen eines Elternteils?

Eltern sind zum Umgang mit ihrem Kind berechtigt und verpflichtet, weil von Gesetzes wegen vermutet wird, dass dieser Umgang dem Kindeswohl dient. Diesen Umgang darf der andere Elternteil nicht eigenmächtig einschränken, und zwar auch dann nicht, wenn er allein sorgeberechtigt ist. Zur Vornahme einer solchen Einschränkung ist ausschließlich das Familiengericht befugt; dabei darf die Einschränkung nicht weiter gehen, als dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist.

Oma Opa Enkel
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Ein zeitweiliger oder gar dauerhafter Ausschluss des Umgangsrechts eines Elternteils ist sogar nur zulässig, wenn anderenfalls das Kindeswohl gefährdet wäre. Mit dem Umgangsrecht der Großeltern verhält es sich gerade umgekehrt: Sie dürfen nur Umgang mit ihrem Enkelkind haben, wenn dieser dem Kindeswohl dient.   

Können Großeltern ihr Umgangsrecht gerichtlich durchsetzen?

Sowohl für Eltern als auch für andere Bezugspersonen des Kindes besteht die Möglichkeit, das Bestehen und den genauen Inhalt des von ihnen geltend gemachten Umgangsrechts gerichtlich feststellen zu lassen. Zuständig hierfür ist das Familiengericht; dies ist eine spezielle Abteilung des Amtsgerichts.

Dabei muss sich der Antragsteller an dasjenige Amtsgericht wenden, bei dem eine zwischen den Eltern des Kindes ausgetragene Ehesache anhängig war oder ist oder, falls eine Ehesache (noch) schwebt, an das Amtsgericht, in dessen Bezirk das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Wie auch bei allen anderen Konflikten zwischen Menschen gilt aber, dass sich die streitenden Eltern und Großeltern – auch und gerade im Interesse des Kindes, das zur Vermeidung von Entwicklungsstörungen nicht in die Umgangskonflikte der Erwachsenen hineingezogen werden sollte – zunächst außergerichtlich um eine einvernehmliche Lösung bemühen sollten. Dabei kann das Jugendamt um Unterstützung gebeten werden.

Gibt es konkrete gesetzliche Vorgaben dazu, wie häufig und wie lange die Großeltern das Kind sehen dürfen?

Das Gesetz trifft keine Bestimmungen über die Ausgestaltung des Umgangsrechts im Einzelfall. Die Häufigkeit und Dauer von Besuchen haben auf das Alter des Kindes, die Enge des Bindungsgrades, die Entfernung zwischen den Wohnorten, die schulische Beanspruchung des Kindes und seine Freizeitaktivitäten sowie andere Umstände Rücksicht zu nehmen, die in der konkreten familiären Situation für das Wohl des Kindes von Bedeutung sind.

Bestandteil des Umgangsrechts sind übrigens nicht nur Besuche, sondern auch alle übrigen Formen des Kontakts, also Telefonate, Briefverkehr, E-Mail-Austausch etc. Der Telekommunikation kommt insbesondere dann erhebliche Bedeutung zu, wenn die Großeltern weit entfernt wohnen.

Müssen Großeltern die elterlichen Vorgaben für die Erziehung respektieren oder dürfen sie nach eigenem Ermessen davon abweichen, also z. B. das Kind trotz generellen Fernsehverbots einen altersgerechten Zeichentrickfilm anschauen lassen?

Ein erzieherisches Ermessen der Großeltern besteht nur innerhalb der von den Eltern gesteckten Grenzen, denn die Erziehung ist Bestandteil des Sorgerechts. Setzen sich die Großeltern über die elterlichen Erziehungsvorgaben hinweg, kann sich das auf ihr Umgangsrecht auswirken. Eine von den Eltern oder einem Elternteil angeordnete Erziehungsmaßnahme dürfen – und müssen – Großeltern aber ignorieren, wenn diese Maßnahme ersichtlich das Kindeswohl gefährdet.

Dürfen Großeltern bei einem Unfall des Enkels über medizinische Maßnahmen entscheiden, wenn die Eltern nicht erreichbar sind?

Die Großeltern sind – wie übrigens alle anderen Personen, die den Unfall des Kindes beobachten – zur Hilfeleistung verpflichtet. Daher müssen sie bei einer schweren Verletzung den Notarzt verständigen. Erst wenn eine medizinische Notversorgung gewährleistet ist, geht die Verantwortung (zunächst) auf das Fachpersonal über. Auch dieses darf aber nur über Maßnahmen der Notversorgung befinden, für alle weiteren medizinischen Eingriffe ist die Entscheidung der sorgeberechtigten Eltern einzuholen.

Großeltern
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Sind die Eltern nicht erreichbar, haben die Ärzte eine Entscheidung des Familiengerichts herbeizuführen. Die Großeltern müssen sogar damit rechnen, dass die Ärzte ihnen die Auskunft über den Gesundheitszustand ihres Enkelkindes verweigern.

Dürfen Großeltern das Kind vom Kindergarten abholen?

Großeltern sind nicht schon wegen des bestehenden Verwandtschaftsverhältnisses abholberechtigt, sondern brauchen grundsätzlich eine Vollmacht des Sorgeberechtigten, in der Regel also der Eltern. Soll die Abholung einmalig erfolgen, empfiehlt es sich, den Großeltern eine schriftliche Vollmacht mitzugeben oder vorab den Kindergarten von der Maßnahme zu verständigen.

Für regelmäßige Abholungen durch Großeltern (oder andere Vertrauenspersonen) halten fast alle Kindergärten eine Liste der Abholberechtigten vor. In der Regel werden die Eltern bereits im Anmeldeformular nach entsprechenden Personen befragt.

Wo finde ich weitere Informationen zum Thema Umgangsrecht

Weitere Informationen zum Thema Umgangsrecht kann man insbesondere bei den Jugendämtern einholen und finden sich in den Broschüren

- "Eltern bleiben Eltern",
herausgegeben von Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. (DAJEB); www.dajeb.de

und

- "Kindschaftsrecht",
herausgegeben vom BMJV; www.bmjv.bund.de

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2016, 15:37 Uhr