Seniorenpaar und Euros
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Leichter leben | 17.10.2017 | 17:00 Uhr Private Altersvorsorge: Für wen sich Riestern lohnt

Mit Riester die Rente sichern, war das Anliegen des Gesetzes, dass der Bundesarbeitsminister Walter Riester auf den Weg gebracht hat. Doch die Verwirrung ist groß: Für wen lohnt sich das? Welche Verträge bringen etwas? Was kann und darf man mit den staatlichen Zuschüssen finanzieren? Unser Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt die Vielfalt der Riester-Verträge und zeigt auf, für wen sich das Riestern lohnt.

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Im Bundestagswahlkampf 2017 haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz von der SPD auch über die Altersvorsorge diskutiert. Die müsse künftig transparenter werden und die Kosten müssten runter. Da waren sich die beiden wieder einmal einig.

In den Monaten zuvor hatte die große Koalition gerade noch eine größere Reform der Altersvorsorge auf den Weg gebracht, das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Dabei geht es um neue Wege für die betriebliche Altersvorsorge, vor allem aber ging es um zwei wesentliche Reparaturen an der bisherigen privaten Altersvorsorge.

Geldscheine und  Münzen, darauf das Wort "Betriebsrente"
Die Bundesregierung hat jüngst umfassende Neuerungen zur Stärkung der Betriebsrente beschlossen. Bildrechte: IMAGO

Erstens soll sich private Altersvorsorge künftig für jeden Sparer lohnen. Bis zum Sommer war die Gesetzeslage so, dass insbesondere Sparer mit niedrigen Einkommen damit rechnen mussten, dass sie zwar im Alter eine Riester-oder Betriebsrente erhalten würden, dafür aber andere staatliche Zahlungen wie die Grundrente gekürzt würden und sie so netto nicht mehr Geld in der Tasche haben würden.

Das soll jetzt anders werden. Riester-Renten oder Betriebsrenten sollen in jedem Fall auch zusätzlich zu einer Grundsicherung ausgezahlt werden. Außerdem sollen Sparer künftig mehr Geld in Riester-oder Betriebsrenten stecken können.

So holen Sie das Beste aus den Verträgen

Finanztip empfiehlt die Riester-Rente, wenn noch nicht klar ist, ob man häufiger den Arbeitsplatz wechselt, oder wenn man Kinder hat oder wenn man mehr als 4500 Euro im Monat verdient. Ist man eher Durchschnittsverdiener mit einem Job, der auf 20 Jahre angelegt, profitiert man oft mehr von der Betriebsrente.             

In beiden Fällen ist die Förderung in der Niedrigzinsphase besonders wertvoll. Denn erst die steuerliche Förderung oder die direkte Förderung bei Riester-Verträgen macht die Altersvorsorge für den Sparer lukrativ. Wenn das Produkt selbst nur noch Rendite von einem Prozent abwirft, ist eine Förderung, die in der Sparphase zwei oder drei Prozent Rendite pro Jahr zusätzlich möglich macht, ein echter Knaller. In klassische Rentenversicherungsprodukte ohne Fördergeld kann man 20 Jahre einzahlen, ohne überhaupt eine Rendite zu sehen. Geförderte Versicherungs-Produkte sind besser, lukrativer sind für Altersvorsorgesparer aber häufig Riester-Fondssparpläne, Riester-Banksparpläne oder sogar eine Riester-Baufinanzierung.

Eine Brille auf einem Antrag zur Riesterrente
Die einfachste und konstengünstigste Form des Riesterns: Ein Riester-Banksparplan. Bildrechte: IMAGO

Riester-Fondssparpläne eignen sich für alle, die langfristig privat mit Aktien vorsorgen wollen, ohne große Verluste zu riskieren. Insbesondere Angestellte mit mittlerem Einkommen sind auf Aktienrendite angewiesen, damit sich ein Riester-Vertrag für sie lohnt. Vom Staat gibt es neben der Förderung auch die Garantie der Einzahlungen zum Rentenbeginn. Weil Beiträge in weltweite Aktienfonds fließen, besteht die Chance auf eine gute Gesamtrendite.

Einen Riester-Banksparplan können Sie deutschlandweit und online nur bei der Sparkasse Holstein abschließen (Stand: April 2017). Dabei ist ein Riester-Banksparplan eigentlich die einfachste und kostengünstigste Form des Riesterns. Sparer zahlen monatlich in den Vertrag ein und erhalten eine Verzinsung, die sich an einem Referenzzins orientiert.

Beim Wohn-Riester ist Ihr Vorteil das mietfreie Wohnen im Alter. Sie erhalten im Rentenalter keine Leistungen aus der Riester-Förderung, die Sie direkt versteuern könnten. Der Gesetzgeber hat sich deshalb das Wohnförderkonto ausgedacht. Auf diesem fiktiven Konto werden die staatlich geförderten Leistungen zur Tilgung Ihrer Baufinanzierung vermerkt, maximal 2.100 Euro im Jahr. Dieser Betrag wird jährlich mit zwei Prozent verzinst. Ab dem Renteneintritt müssen Sie den auf dem Wohnförderkonto angesammelten Betrag versteuern. Dazu haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bezahlen die gesamte Steuerschuld auf einmal und erhalten 30 Prozent Nachlass. Oder Sie versteuern bis zu Ihrem 85. Lebensjahr jährlich einen Teil des angesammelten Betrags.

Vielleicht kommt die neue Regierung mit Reformen, die das Sparern fürs Alter noch lukrativer machen. Bis dahin aber ist die Kombination aus ordentlicher Förderung und einem guten Riester-Produkt die erste Wahl.

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2017, 12:14 Uhr