Familienpatin Ruth Friedrich spielt mit Luca Pascal (5 Jahre, re.) und den dreijährigen Zwillingen Marc-Leon (li), Julien-Marcel (Mitte).
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Leichter leben | 07.11.2017 | 17:00 Uhr Steuer, Versicherung und Geld im Ehrenamt

Millionen Menschen engagieren sich neben dem Beruf ehrenamtlich. Aus einer spontanen Initiative kann schnell regelmäßige Arbeit für einen Verein oder eine Stiftung werden. Doch welche Versicherungen braucht man dafür? Muss man die Honorare versteuern? Tipps rund um den Einsatz in der Freizeit hat unser Experte Hermann-Josef Tenhagen.

Familienpatin Ruth Friedrich spielt mit Luca Pascal (5 Jahre, re.) und den dreijährigen Zwillingen Marc-Leon (li), Julien-Marcel (Mitte).
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40 Prozent aller Bundesbürger ab zehn Jahren sind ehrenamtlich oder freiwillig aktiv. Diese Zahlen erhebt das Statistische Bundesamt alle zehn Jahre, zuletzt 2012/2013. Neben Feuerwehren, Kirchen, Sport- und Gesangsvereinen engagieren sich derzeit viele Menschen in der Flüchtlingshilfe.

Der Staat weiß, dass ohne diesen selbstlosen Einsatz vieles in der Gesellschaft nicht laufen würde. Deshalb fördert er das Engagement mit zwei Freibeträgen: der Übungsleiter- und der Ehrenamtspauschale.

Bis 2.400 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei für Übungsleiter

Mit der Übungsleiterpauschale kann eine öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Körperschaft wie ein Verein oder eine Kirchengemeinschaft nebenberufliche Helfer steuer- und sozialversicherungsfrei vergüten. Die Pauschale beträgt im Jahr 2.400 Euro. Sie lässt sich für pädagogische Tätigkeiten nutzen, zum Beispiel für Lehrtätigkeiten an der Volkshochschule und die Leitung von Erste-Hilfe-Kursen, für Amateur-Sporttraining, Sprachunterricht für Flüchtlinge oder Mütterberatung.

Ehrenamtspauschale für nicht-pädagogische Tätigkeiten

Kinder spielen Fußball
Die Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale dürfen für unterschiedliche Engagements im selben Verein kombiniert werden. Bildrechte: IMAGO

Ist das Ehrenamt nicht erzieherisch oder unterrichtend ausgerichtet, kann es immerhin mit der ebenfalls steuer- und sozialversicherungsfreien Ehrenamtspauschale honoriert werden. Diese beträgt 720 Euro im Jahr.

Bedingung für beide Pauschalen ist, dass Sie diese Tätigkeit im Nebenberuf ausüben. Dazu darf sie normalerweise höchstens ein Drittel der Zeit in Anspruch nehmen, die Sie für Ihren Hauptberuf verwenden. Das Finanzgericht Köln sieht das sogar etwas lockerer: Solange Sie nicht mehr als 2.400 Euro im Jahr im Ehrenamt verdienen, soll es dem Finanzamt egal sein, wie viel Zeit Sie dafür aufbringen (Az. 3 K 1350/12).

Auch Hausfrauen, Studenten, Rentner oder Arbeitslose können von den Pauschalen profitieren. Eine Studentin, die keine weiteren Einkünfte hat und beispielsweise 1.720 Euro als angestellte, nebenberufliche Pflegerin in einem städtischen Tierheim erhält, darf das Geld komplett behalten. Denn neben dem Ehrenamtsfreibetrag von 720 Euro stehen ihr auch 1.000 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag zu.

Die Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale dürfen Sie nicht für dieselbe Tätigkeit, aber für unterschiedliche Engagements im selben Verein kombinieren. Sind Sie beispielsweise Trainer der Jugend-Fußballmannschaft und zudem Kassenwart, können Sie sowohl die Übungsleiter- als auch die Ehrenamtspauschale in der Steuererklärung beantragen.

Werbungskostenabzug mindert Gesamtsteuerlast

Als Ehrenamtlicher können Sie übrigens einen zweiten Steuer-Vorteil ausnutzen. Fahren Sie etwa als Amateur-Sporttrainer mit Ihrem eigenen Auto quer durch die Republik und tragen die Fahrtkosten und möglicherweise weitere Aufwendungen selbst, dann ist ein Werbungskostenabzug drin. Das gilt zumindest für die Aufwendungen, die Ihre steuerfreien Einnahmen übersteigen. Das haben mehrere Finanzgerichte entschieden.

Allerdings ist derzeit rechtlich noch umstritten, ob mit steuerfreien Einnahmen der Betrag gemeint ist, den Sie tatsächlich bekommen haben – oder ob nur Werbungskosten anerkannt werden, wenn sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben 2.400 Euro übersteigen. Der Bundesfinanzhof muss nun entscheiden, wie Werbungskosten im Ehrenamt ermittelt werden.

Unser Rat: Geben Sie die Werbungskosten in jedem Fall an. Denn so können Sie mit dem Ehrenamt ein weiteres Mal Steuern sparen.

Automatisch gesetzlich unfallversichert

Freiwillige Feuerwehr
Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sind, wie beispielsweise auch Schöffen oder Gemeindehelfer, gesetzlich unfallversichert. Bildrechte: IMAGO

Grundsätzlich sollten gemeinnützige Organisationen ihre Mitarbeiter und Helfer gegen Risiken versichern. Doch nicht jede Police, die zu haben ist, ist auch nötig. Eine private Unfallversicherung für Vereine etwa ist für den Schutz der Freiwilligen meist überflüssig. Ehrenamtliche Helfer sind seit 2005 automatisch durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt, wenn sie für einen Verein aktiv sind – und zwar unabhängig davon, ob sie Vereinsmitglieder sind oder nicht. 

Das gilt auch für alle klassischen Ehrenämtern, die im Auftrag oder mit Zustimmung von Kirchen oder Kommunen oder in der Wohlfahrtspflege ausgeübt werden. Wer zum Beispiel als Schöffe bei Gericht verpflichtet ist, bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist oder als Gemeindehelfer, ist bereits gesetzlich unfallversichert. Zuständig für den Versicherungsschutz bei ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Kommune ist die jeweilige regionale Unfallkasse. 

Wer sich ehrenamtlich für einen Verein engagiert, ist bei einem Unfall durch eine Berufsgenossenschaft geschützt (§ 2 SGB VII). Dafür muss weder der Helfer noch der Verein bei der Berufsgenossenschaft angemeldet sein. Die Unfallversicherung unterscheidet auch nicht zwischen einem eingetragenen Verein und einer nicht eingetragenen Initiative. Zwei Bedingungen müssen allerdings erfüllt sein: Erstens muss die Arbeit gemeinnützig sein und zweitens muss der Ehrenamtliche im Auftrag handeln, er muss in irgendeiner Form als Helfer registriert sein. Wer also Kleiderspenden für Flüchtlinge sortiert oder beim Aufbau des Sommerfests anpackt, sollte sich zunächst vor Ort in eine Helferliste eintragen – erst dann besteht auch Versicherungsschutz.

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2017, 13:53 Uhr