Eine Möhre liegt auf einem gelben, viereckigen Teller.
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Leichter leben | 11.09.2017 | 17:00 Uhr Trend oder Therapie? Warum wir beim Fasten freiwillig hungern

Fasten, Saften oder Intervallfasten – der Verzicht auf Essen hat unzählige Formen und jede hat ihre Jünger. Dabei ist gar nicht alles für alle geeignet und mancher folgt einfach einem Trend, mitunter mit unguten Folgen. Experte Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Prof. an der Berliner Charité, erklärt bei "MDR um 4" welche Fastenart wie funktioniert, wann es sinnvoll ist, auf Nahrung zu verzichten und welchen Nutzen unser Körper davon hat.

Eine Möhre liegt auf einem gelben, viereckigen Teller.
Bildrechte: IMAGO

Was bedeutet Fasten?

Der Begriff Fasten in seiner ursprünglichen Bedeutung heißt festhalten – gemeint ist am Gebot der Enthaltsamkeit. In der katholischen Kirche gelten bei strengen Fastenregeln die Tage zwischen Aschermittwoch und Karfreitag als Zeit der Enthaltsamkeit.

Fasten heute

Zettel kleben auf Telefonen
Verzicht: Einfach mal das Smartphone ausschalten. Bildrechte: MDR/Luisa Wawrzinek

Heute bezeichnen wir viele Arten des Verzichts als Fasten. Manche Menschen entscheiden sich, ihr Smartphone für gewisse Zeit aus der Hand zu legen oder dem Internet und Sozialen Netzwerken fern zu bleiben. "Digital Detox" sprich digitale Entgiftung liegt – ausgelöst durch ständige Erreichbarkeit – derzeit voll im Trend. Manch andere verzichten im Sinne der Gesundheit zur Fastenzeit auf Genussmittel wie zum Beispiel Alkohol oder Süßigkeiten wie Schokolade.

Klassisch medizinisch ist das Fasten der Verzicht auf beispielsweise feste Nahrung, Alkohol, Milch, Softdrinks oder Kaffee über einen kürzeren oder längeren Zeitraum.

Wie lange wird gefastet?

Während in den vergangenen Jahren die Fastenzeit in der Regel über einige Tage gestreckt wurde, spricht man heute auch von der heilenden Wirkung teilweisen Fastens oder "Intervallfasten". Hier geht es um den Verzicht auf Nahrung und Getränke für mehrere Stunden. Erlaubt ist nur Wasser.

Wir wissen schon eine Weile, dass alle Organismen (...) vom Phasenfasten gesundheitlich profitieren

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen SPIEGEL ONLINE

Welchen Effekt hat Fasten auf unseren Körper?

Prof. Dr. Andreas Michalsen lächelt in die Kamera
Prof. Dr. Andreas Michalsen Bildrechte: Immanuel Krankenhaus Berlin/Anja Lehmann

Fasten gilt als reinigend, so finden während des Fastens allerhand sinnvolle Veränderungen im Stoffwechsel statt. Besonders bei Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes kann es negative Effekte auf den Körper rückgängig machen. Zudem hat Fasten eine hohe präventive Wirkung und minimiert Risikofaktoren wie Entzündungswerte sowie bedenkliche Blutfett- oder Glukosewerte, erklärt Prof. Dr. Andreas Michalsen im Gespräch mit "SPIEGEL ONLINE".

Neuesten Erkenntnissen zufolge kann sich Fasten sogar positiv auf die Krebstherapie auswirken. An einer Studie dazu arbeitet Prof. Dr. Andreas Michalsen derzeit selbst.

Wie funktioniert das?

Das Zauberwort heißt Autophagie. Wenn wir fasten, sucht sich der Körper die Energie aus eigenen geschädigten Proteinen oder Zellorganellen und verdaut sich sozusagen selbst. Was noch nutzbar ist, wird wieder verwendet – eine Art Recycling. Bei diesem Prozess werden Bakterien und Viren bekämpft. Doch nicht bei jedem funktionieren die Fastenmechanismen in gleicher Weise.

Prof. Dr. Andreas Michalsen erklärt am Montag bei "MDR um 4", für wen welche Art von Fasten geeignet ist und warum.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 13:35 Uhr