MDR um zwölf

Exakt - Die Story | MDR FERNSEHEN | 22.02.2012 | 20:45 Uhr : (K)eine Insel für Straftäter

Angst vor Ex-Knackis in der Nachbarschaft

Proteste in Insel

Raus aus Insel! Raus aus Insel!“ Ein Dorf in Aufruhr. Im Altmark-Örtchen Insel gehen die Menschen auf die Straße. Sie protestieren gegen zwei aus der Sicherungsverwahrung entlassene Sexualstraftäter, die in das Dorf bei Stendal gezogen sind. Juristisch sind die beiden Männer freie Bürger und können ihren Wohnort selbst wählen. Aber die Inseler wollen sie nicht in der Nachbarschaft haben. „Natürlich müssen die irgendwo wohnen, aber doch bitte nicht hier bei uns,“ so die Demonstranten. Die Menschen in Insel fühlen sich ausgeliefert und von der Politik im Stich gelassen. Seit Monaten zieht sich der Protest hin. Die Lage spitzt sich zu. Auch, weil inzwischen Neonazis den Fall Insel als Trittbrett nutzen.

Gescheiterte Resozialisierung?

Jeden Tag werden in Deutschland Straftäter entlassen. Auch Sexualstraftäter. So sieht es das Gesetz vor. Wer seine Strafe abgesessen hat, ist frei. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte müssen in Deutschland auch immer mehr Sicherungsverwahrte auf freien Fuß gesetzt werden. Aber wie soll man damit umgehen, wenn so ein Ex-Häftling plötzlich in der Nachbarschaft wohnt?

Die Politik hätte reagieren müssen

Der Fall des Altmark-Dorfes Insel ist zum Synonym für das Scheitern von Resozialisierung geworden. Dabei muss es einen Weg geben, mit entlassenen Straftätern umzugehen, ihnen eine zweite Chance zu geben. Das fordert zumindest Holger Gebert von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelfer: „Ich kann die Leute dort in Insel schon verstehen. Aber nachdem die Sache in Insel aufgeflogen war, hätte ich erwartet, dass Justizministerin oder Staatssekretär das Zepter in die Hand nehmen. Sie hätten sich dort hinstellen und sich die Mühe machen müssen, den Leuten etwas zu erklären. Denn machen wir uns nichts vor: Zutragen kann sich das jederzeit und überall. Da ist Insel überhaupt keine Ausnahme.“

"Zutragen kann sich das jederzeit und überall. Da ist Insel überhaupt keine Ausnahme.“

Holger Gebert, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelfer

Wie kann man die Angst der Menschen und die Rechte der Ex-Häftlinge unter einen Hut bringen? Denn Insel ist kein Einzelfall. Ist für entlassene Straftäter eine Rückkehr in das normale Leben überhaupt möglich? Wer trägt die Verantwortung dafür, dass die zweite Chance wirklich funktioniert? „Exakt – Die Story“ sucht nach Antworten.

Sexualstraftäter: Erneut Bürgerproteste in Insel

Etwa 70 Bürger von Insel haben am Sonnabend erneut vor dem Haus der beiden entlassenen Sexualstraftäter demonstriert. Sie forderten deren Wegzug. Nach MDR-Berichten sollen auch zwei Rechte mitdemonstriert haben. [mehr]


Proteste in der Altmark: Ex-Häftling will doch in Insel bleiben

Seit Monaten demonstrieren in Insel bei Stendal Anwohner für den Wegzug zweier ehemaliger Sexualstraftäter. Die hatten sich zwischenzeitlich bereiterklärt, das Altmark-Dorf zu verlassen. Einer will nun aber doch bleiben. [mehr]


Streit um Sexualstraftäter: Proteste in Insel gehen weiter

Im Stendaler Ortsteil Insel haben erneut etwa 60 Einwohner gegen zwei entlassene Sexualstraftäter demonstriert. Auch etwa 50 Neonazis waren vor Ort, die Polizei trennte sie von den übrigen Demonstranten. [mehr]


Ex-Häftlinge in Altmark-Dorf: Bewegung im Insel-Streit

Seit Monaten demonstrieren in Insel bei Stendal Anwohner gegen zwei entlassene Sexualstraftäter, die in dem Ort wohnen. Die Lage schien festgefahren. Doch nun wollen die Bürger und Justizministerin miteinander reden. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2012, 14:23 Uhr

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK