Aktionen und Musik

Dixie – ein Mittelding zwischen Blasmusik und FDJ-Singebewegung

Der Moderator Karlheinz Drechsel, der bereits damals als der "Dr. Jazz" der DDR galt, ist von dem Gedanken angetan. Doch er trifft auf erhebliche Bedenken der Kulturverantwortlichen: 'Dixieland, ist das nicht so etwas Wildes aus den USA…?' Drechsel erklärte ihnen jedoch: Dixie sei im Grunde so ein Mittelding zwischen FDJ-Singebewegung und böhmischer Blasmusik. Ganz harmlos. Die Verantwortlichen nicken: 'Ja, wenn das so ist, einverstanden.'

Das erste Konzert vor halbleeren Rängen

Am Pfingstsonntag 1971 findet das erste "Internationale Dixieland Festival" im Dresdner "Kulturpalast" statt. Bands aus der DDR, aus Ungarn, Polen und der CSSR spielen auf. Karlheinz Drechsel ist der Moderator auf der Bühne. Aber die 2.400 Plätze im "Großen Saal" sind nicht einmal zur Hälfte belegt. Die Veranstalter können an diesem Abend nicht ahnen, dass nur wenige Jahre später eine halbe Million Menschen zum "Dixieland Festival" nach Dresden kommen werden.

Schon als Kind "nichts anderes als Jazz im Kopf"

Der 1930 in Dresden geborene Drechsel hat bereits als Kind den Jazz für sich entdeckt. Sein älterer Bruder sammelt Swing-Platten, die sich Drechsel mit wachsender Begeisterung nach der Schule anhört. "Bald hatte ich nichts anderes mehr im Kopf als diese Musik", erinnert er sich. "Swing war exotisch und sensationell im reglementierten nationalsozialistischen Alltag." Im Spielsmannszug trommelt er faschistische Marschlieder, zu Hause auf einem selbst gebastelten Schlagzeug Swing.

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