Dresden – Die Hauptstadt des Dixieland
Dieses "Tauwetter" Anfang der 70er-Jahre ermöglicht auch die Gründung des "Internationalen Dixieland Festivals" in Dresden. Und die Jazz-Enthusiasten um Karlheinz Drechsel lassen sich auch nicht vom ernüchternden Auftaktkonzert 1971 abschrecken. Sie organisieren gleich das nächste. Ihre Beharrlichkeit zahlt sich aus. Bald schon strömen Hunderttausende zum alljährlich stattfindenden Festival und 1978 erklärt John Evers, Chef der Wiener Dixie-Formation "Blue Note Seven" die Elbmetropole zur ultimativen "Hauptstadt des Dixieland".
Wegen Drechsel keine Live-Übertragung
Ab Mitte der 70er-Jahre ist auch das Fernsehen der DDR beim Dixieland-Festival dabei. Aber nicht live, der Grund dafür heißt: Karlheinz Drechsel. "Weil ich immer ohne Manuskript arbeite und nie weiß, wie es laufen wird, wenn ich auf die Bühne gehe. Das ist wie beim Jazz. Das Fernsehen war aber nicht bereit, live zu senden, so lange der Drechsel keine Manuskripte vorlegt. Und das habe ich nie getan."
Festival mit "Ventilfunktion"
Drechsel kann sich solche Aufmüpfigkeit mittlerweile leisten. Er ist die Seele des Festivals. An ihm kommt keiner mehr vorbei. Das wissen auch die Kulturbürokraten der SED. Sie lassen ihn zähneknirschend gewähren. "Das Dixieland-Festival war mehr als nur ein Musikfestival. Ein Großteil des Publikums kam nicht nur wegen der Musik, sondern vor allem, um dabei zu sein."
Zu Hause läuft kein Dixieland
Drechsel steht bis heute vor allem für das Dresdner Dixieland-Festival. Kaum wahrgenommen wird aber, dass er sich mindestens ebenso intensiv um den modernen Jazz gekümmert hat. "Charlie Parker und Dizzy Gillespie hatten die größten Einflüsse auf mich. Zu Hause höre ich jedenfalls keine Dixie-Platten, auch wenn ich mich jedes Jahr auf das Wiedersehen mit Musikern aus aller Welt in Dresden freue."
* Die Zitate von Karlheinz Drechsel wurden entnommen aus der "Jazz Zeitung" 2003/2004 und einem Interview mit dem MDR-Kulturmagazin "artour".
