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MDR 1 RADIO SACHSEN | 26.08.2014 | 10:00-12:00 Uhr : Expertenrat: Neuerungen im Rentenrecht

Studiogast: Christian Lindner, unabhängiger Rentenberater

Das schwarz-rote Rentenpaket hatte im Juni die letzte parlamentarische Hürde genommen: Der Bundesrat ließ die verbesserte Mütterrente und die abschlagfreie Rente ab 63 Jahren passieren. Es handelt sich um das teuerste Vorhaben der großen Koalition im Umfang von etwa 30 Milliarden Euro. Zudem billigte der Bundesrat Rentenerhöhungen. Die etwa 20 Millionen Senioren bekommen deshalb seit Juli mehr Geld, im Osten gut 2,5 Prozent und im Westen rund 1,7 Prozent.

Rentenbescheid

Im Expertenrat beschäftigen wir und mit allen Fragen rund um diese Neuerungen. So auch mit der verbesserten Mütterrente. Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen damit Kindererziehungszeiten besser honoriert. Sie erhalten im Westen brutto 28,14 Euro monatlich mehr pro Kind, im Osten 25,74 Euro. Damit bekommen seit Juli etwa 9,5 Millionen Rentnerinnen mehr Geld. Auch Väter haben Anspruch: Bei rund 150.000 Männern wurden 2012 bei der Rente auch Leistungen für die Kindererziehung berücksichtigt. Die Mütterrente muss nicht beantragt werden, sondern wird automatisch gezahlt. Die Auszahlung könnte sich aus technischen Gründen zwar verzögern, fließt dann aber rückwirkend.

Abschlagfreie Rente mit 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann nun schon mit 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen. Begünstigt sind Angehörige der Geburtsjahrgänge bis 1952. Für danach Geborene mit langen Beitragszeiten erhöht sich das abschlagfreie Renten-Zugangsalter stufenweise auf 65 Jahre. Ab dem Geburtsjahrgang 1963 gilt dann nur noch diese Marke. Phasen kurzzeitiger Arbeitslosigkeit werden mit angerechnet, ebenso Zeiten der Kindererziehung, der Pflege von Familienangehörigen oder Zeiten mit Bezug von Insolvenzgeld. Für Langzeitarbeitslose, die Arbeitslosenhilfe oder Hartz IV bekommen haben, gilt das nicht. Auch Arbeitslosigkeit in den letzten beiden Jahren vor der Rente wird nicht angerechnet, es sei denn, der Arbeitgeber hat Insolvenz angemeldet oder die Firma wurde aufgegeben. Die Politik spricht von einem "rollierenden Stichtag". Durch eine sogenannte Flexi-Rente wird die Möglichkeit geschaffen, dass Arbeitnehmer nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin befristet beim bisherigen Arbeitgeber angestellt sein können.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll besser abgesichert werden. Betroffene bekommen eine Rente nach ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen und als ob sie zwei Jahre länger in die Rentenkasse eingezahlt haben. Das bringt brutto bis zu 40 Euro im Monat mehr. Die letzten vier Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung sollen bei der Berechnung wegfallen, falls sie negativ zu Buche schlagen würden.

Reha-Leistungen

Die bislang gedeckelten Mittel für Reha-Leistungen zur Vermeidung von Frühverrentungen sollen entsprechend der demografischen Entwicklung dynamisiert werden. Zuletzt sind die Reha-Anträge stetig gestiegen; der Trend dürfte sich noch verstärken.

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